25. Mai 2010 08:46

Experten-Alarm 

Österreicher sind viel zu dick

Bereits 42 Prozent der 18- bis 65-Jährigen sind übergewichtig.

Österreicher sind viel zu dick
© sxc

"Je höher der Bauchumfang, desto früher stirbt man." So simpel lautet die Botschaft des Endokrinologen Hermann Toplak. Das immer weiter steigende Körpergewicht der Österreicher war am Freitag Thema eines runden Tisches der Wiener Apothekerkammer, an dem Experten auf die Gefahr von Übergewicht und Adipositas aufmerksam machten.

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Bewusstsein schaffen
Botschaften wie "Du darfst das nicht essen" seien der falsche Weg, um das Bewusstsein von gesundere Ernährung in der Bevölkerung zu schärfen, erklärte der Vizepräsident der Apothekerkammer, Max Wellan. Das erfolgreiche Abnehmen scheitere oft an schlichter Ignoranz und zu wenig Strukturen, "denn der typische Wiener interessiert sich gar nicht erst für Gesundheitstipps", so Wellan. In Österreich sind 42 Prozent der 18- bis 65-Jährigen übergewichtig und elf Prozent davon adipös. Auch die Zahl der übergewichtigen Kinder ist in den vergangenen Jahren um sieben Prozent gestiegen.

Versteckte Fette, Salz und Zucker
Wichtig sei deshalb besonders, die Gewichtszunahme in jungen Jahren einzubremsen, sagte die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach. Sie fordert Aufklärungskampagnen bereits im Kindergarten sowie die Kennzeichnung von Lebensmitteln, die besonders viel versteckte Fette, Salz oder Zucker enthalten. Die Politik müsse sich endlich der Aufgabe annehmen und die Bevölkerung verstärkt informieren. Die Europäische Kommission rechne bereits damit, dass durch Übergewicht verursachte Leiden wie Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Bluthochdruck bis zu sieben Prozent der Gesundheitskosten in der EU ausmachen, sagte Kadenbach.

Mehr Turnstunden
Der Kraft des Aufklärungsgedanken widersprach Lothar Kolmer, Professor für Geschichte und Leiter des interdisziplinären Zentrums für Gastrosophie in Salzburg. "25 Prozent der Bevölkerung ist mit reiner Information niemals erreichbar", erklärte Kolmer. Strikte Programme bereits für Kinder mit Einbeziehung der Eltern, wie zum Beispiel gemeinsames Kochen und mehr Turnstunden in der Schule, seien die einzige Lösung. "Wir therapieren noch immer nur Einzelkörper, weil wir es nicht schaffen, die Gesellschaft zu kurieren", philosophierte Kolmer.

Bernhard Ludvik, Endokrinologe am AKH Wien, betonte, dass es "um kein rein kosmetisches Problem geht". Im Nahen Osten sei bereits ein Viertel der Bevölkerung ab 20 Jahren an Typ-2-Diabetes erkrankt, und zwar aufgrund des vorherrschenden starken Übergewichts. "Wir müssen diese Entwicklung auch in Österreich einbremsen, da wir sonst die Diabetes-Behandlungen künftig nicht mehr finanzieren können", erklärte Ludvik.


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