23. Juni 2008 11:24

Ertrinken 

Vorsicht beim Sprung ins kühle Nass

Der Sprung ins kühle Nass kann oft fatale Folgen haben. Damit der Freibadbesuch ein Vergnügen bleibt hier die wichtigsten Baderegeln.

Vorsicht beim Sprung ins kühle Nass
© sxc

Nach dem Sonnen ist die Abkühlung im Bad erfrischend. Wenn es beim Sprung ins kühle Nass aber "zischt" droht Gefahr für das Herz-Kreislauf-System. Einige allgemeine Baderegeln sind schon zu beachten, um ohne Risiko den Sommer genießen zu können.

1. Pause nach dem Essen
Alkohol- oder Nikotingenuss vor dem Baden können rasch gefährlich werden. Auch ein voller Magen kann schaden, nach einer Hauptmahlzeit sollte eine Stunde gewartet werden

2. Abkühlen
Wer sich auf der Liege in der Sonne aufgeheizt hat, darf keinesfalls den Sprung ins kalte Wasser wagen. Der Körper sollte langsam unter der Dusche abgekühlt werden. Ein eiskalter Bergsee eignet sich übrigens nicht zum Plantschen: Die Wassertemperatur sollte mindestens 16 Grad betragen. Stellt sich Kältegefühl ein, heißt es "raus aus dem Wasser", da die Gefahr eines Krampfes besteht.

3. Keine Kopfsprünge
Springen Sie niemals in Gewässer die Sie nicht kennen, schon gar nicht kopfüber. Im Wasser lauern oft unsichtbare Gefahren. An versteckten Steinen kann man sich gefährliche Wunden zufügen. Können Erwachsene ohne Probleme stehen, ist die Stelle auf jeden Fall zu seicht.

4. Nicht überschätzen
Waghalsigkeiten sind beim Baden fehl am Platz. Schwimmstrecken erscheinen oft kürzer als sie tatsächlich sind, man sollte sich daher nicht zu viel zumuten. Auch beim Wildbaden in unbekannten Gewässern gilt besondere Vorsicht, besonders in Flüssen mit Strömung.

5. Vorsicht mit Ohrenerkrankungen
Besonders wichtig für kleine Wasserratten: Bei Ohrenerkrankungen muss auf das Springen und Tauchen verzichtet werden. Der Druckausgleich ist nämlich nicht richtig möglich.

Kleinkinder besonders gefährdet
Mit den sommerlichen Temperaturen steigt auch die Begeisterung für Freibäder, Seen und heimische Swimmingpools. Beim Planschen im kühlen Nass sind zumeist Erwachsene dabei und passen auf. Doch ungesicherte Wasserflächen, zu denen Kinder ohne Aufsicht Zugang haben, sind lebensgefährlich: Das Ertrinken ist bei Kindern eine der häufigsten Todesursachen in Folge eines Unfalls - nach Verkehrsunfällen. Allein in den letzten 10 Jahren (1997-2006) ertranken pro Jahr durchschnittlich sieben Kinder unter fünf Jahre. Die meisten derart tragischen Unfälle passieren im eigenen Garten oder in der unmittelbaren Wohnumgebung bei Stürzen in Biotope und Pools oder beim Baden, wenn die Sprösslinge auch nur wenige Minuten unbeaufsichtigt sind. Schon eine Wassertiefe ab 20 cm kann zum Verhängnis werden.

Lautloser Tod
Im Unterschied zu Erwachsenen und älteren Kindern gehen Kleinkinder einfach unter, ohne um sich zu schlagen. "Durch ihren verhältnismäßig schweren Kopf und die noch ungeübte Muskulatur, können Kinder unter fünf Jahren ihren Kopf nicht eigenständig aus dem Wasser ziehen. Sie sind nicht in der Lage sich selbst zu retten oder auf sich aufmerksam zu machen", erklärt Dr. Rupert Kisser, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im KfV. Hinzu kommt, dass die meisten Kleinkinder in diesem Alter noch keinerlei Schwimmerfahrung haben. Umso wichtiger ist es, dass Eltern oder Aufsichtspersonen ihre Sprösslinge auf keinen Fall unbeaufsichtigt in die Nähe von Gewässern oder in Bäder und Pools lassen - und offene Wasserflächen, zu denen kleine Kinder unbeobachtet Zugang haben können, absichern. Oft genügen nur wenige Minuten Ablenkung, die für die Kleinen schwerwiegende Folgen haben können. Je nachdem, wie lange die Sauerstoffzufuhr unterbrochen war, sind auch bleibende Gehirnschäden eine mögliche Folge. Im Notfall kommt es auf sofortige Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage an - das Wissen um Erste Hilfe, also wie im Ernstfall Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden, ist lebensnotwendig. Bei Ertrinkungsunfällen zählt jede Sekunde.

Aufblastiere sind keine Schwimmhilfen!
Wasserspielzeuge wie aufblasbare Tiere, Schwimmreifen oder Luftmatratzen werden von vielen fälschlicherweise als Schwimmhilfen verstanden - ein fataler Irrtum, denn sie schützen nicht vor dem Ertrinken. Im Gegenteil: Aufblasspielzeug kann ein Durch- oder Abrutschen von Kleinkindern nicht verhindern. Relative Sicherheit bieten nur EU-Norm gerechte Oberarm-Schwimmflügel (ÖNORM EN 13138), die über getrennt voneinander aufblasbare Kammern und Sicherheitsventile verfügen und am CE-Zeichen erkennbar sind. "Schwimmflügel werden am Oberarm nahe den Schultern aufgeblasen, um den Kopf des Kindes gut über dem Wasserspiegel zu halten. Allerdings ersetzen Schwimmflügel die Aufsichtspflicht nicht", warnt Dr. Kisser.

Sicherungsmaßnahmen
Neben der ungeteilten Aufmerksamkeit der Aufsichtsperson, müssen Biotope, Swimmingpools und Regentonnen abgesichert werden: Beim Spielen können Kleinkinder ins Wasser rutschen. Ein ausreichend hoher Zaun (mindestens 1,40 Meter) mit selbstschließender, kindersicherer Tür, eine feste Pool-Abdeckung oder ein Unterwassergitter im Biotop, das dicht unter der Wasseroberfläche befestigt wird und von außen nicht sichtbar ist (Maschenweite ca. 4 Mal 4 cm) können einem tragischen Ertrinkungstod im eigenen Garten vorbeugen. Auch Swimmingpools sollten mit einer stabilen Abdeckung gesichert werden. "Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie immer aufpassen. Kinder machen sich gern selbständig, und auch die aufmerksamsten Eltern können von packenden Fußballspielen abgelenkt sein", so Dr. Kisser.


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