25. Mai 2010 08:59

Walking-Trends 

Die neue Lust am Gehen entdecken

Immer mehr Menschen tanken Kraft im Gehen. Wir zeigen alle Walking-Trends!

Die neue Lust am Gehen entdecken
© sxc

Kennen Sie den Fats-Domino-Hit „I’m Walking“? Der 1948 in New Orleans eingespielte Song bringt zurzeit das Fitness-Feeling einer ganzen Generation zum Ausdruck: Gehen ist das neue Laufen.

Slow down
„In einer Welt, die sich immer schneller dreht, haben viele Menschen Sehnsucht nach Entschleunigung“, versucht der Wiener Fitness- und Mentalcoach Karl Walzl eine Erklärung für den grassierenden Walking-Boom zu finden. Ob Zen-Walking oder Fastenwandern: Der immer stressigere Alltag wird im Gehen verarbeitet.

Und dabei findet jeder die für sich optimale Gangart: Während man etwa beim Nordic Walking ein höchst effektives Ganzkörpertraining absolviert (durch den Stockeinsatz werden 90 Prozent der gesamten Muskulatur beansprucht!), spielt beim Fastenwandern neben der Entschlackung auch die spirituelle Komponente eine Rolle: „Ich hatte wirkliche Flow-Erfahrungen. Als ich in Sylt stundenlang am Strand entlang ging, im Rhythmus der Schritte und der Wellen, hat mir der klare Fastengeist absolute Glücksgefühle beschert. Durch das Gehen kommt man noch leichter in diese Fasteneuphorie“, schwärmt Ö3-Star Claudia Stöckl, die bereits viermal Fastenwandern war.

Rehabilitation
„Wanderungen über Wochen sind für die Gesundheit von größter Bedeutung“, weiß auch der deutsche Sportwissenschafter Freerk Baumann, dessen Forschungsschwerpunkt in der Nachsorge von Krebspatienten liegt. Seine Ansätze sind bahnbrechend: So etwa beschritt er mit Brustkrebspatientinnen den Jakobsweg. Fern vom Alltag bot die 800 Kilometer lange Strecke durch ihre Ruhe und Weitläufigkeit das optimale Umfeld für die Frauen. „Noch vor ein paar Jahren wäre dies undenkbar gewesen, da man Krebspatienten meist zu einer größtmöglichen körperlichen Schonung riet“, so Baumann. Doch das Gegenteil sei der Fall: Die Lebensqualität der Brustkrebspatientinnen war durch die Extrem-Wanderung auch noch ein Jahr später signifikant besser.

Baumann ist einer von 21 Autoren, die an der neuen „Walking-Bibel“ Zu Fuß (Promedia Verlag, siehe Kasten links) mitgearbeitet haben. Auch Ex-ORF-Intendant Rudolf Nagiller verfasste einen Beitrag. „Wenn ich einen Tag zu wenig gehe, fühle ich mich unwohl“, so der Journalist und Erfolgsautor, der schon in seinem Ratgeber No Sports – Aus Liebe zur Bewegung (Verlag Kremayr & Scheriau) sein 10.000-Schritte-Programm propagierte. „Zehntausend Schritte sollten wir täglich machen; das braucht unser Körper. Die meisten von uns kommen aber nur auf die Hälfte“, so Nagiller. Sein Tipp für alle, die zu Walkern werden wollen: Zunächst in einen Schrittzähler investieren. „Der Körper gewöhnt sich dann bald an die neue Situation. Und den Schrittzähler kann man danach wieder verräumen.“

Schlank & fit
Gehen als Gesundheitsquelle lohnt in jedem Fall: „Walking ist die natürlichste Art der Fortbewegung. Man kann es überall praktizieren und es kostet nichts“, sagt Fitness-Experte Karl Walzl. Walking stärkt die Immunabwehr, beugt Zivilisationskrankheiten (wie Diabetes oder Bluthochdruck) vor, stärkt das Herz und verhilft zum Wunschgewicht: „Dadurch, dass man Walking längere Zeit betreiben kann, ohne aus der Puste zu kommen, hat der Körper Zeit, seinen Stoffwechsel umzustellen. Nach etwa zwanzig Minuten Training beginnt der Organismus die Fettdepots anzugreifen, während er vorher vor allem aus den vorhandenen Kohlenhydraten Energie erzeugt hat.“

Sehr populär ist auch das Gehen mit Stöcken: „Nordic Walker profitieren ebenfalls vom Fettabbau, stärken dabei aber auch Rücken und Arme“, so Walzl. Am entspannendsten freilich ist Zen-Walking: „Dabei wird die Achtsamkeit in den Körper gerichtet. Ideal für gestresste Büromenschen!“ Und sicher auch ein Weg zu mehr Klarheit, innerer Ruhe und Lebensfreude.

Alle Trends im Überblick:

Trend 1: Fastenwandern
Für die Seele. Ernährungssünden, Bewegungsmangel und Stress – all dem wirkt Fastenwandern entgegen. Der Entschlackungs-Effekt wird durch die körperliche Aktivität im Freien intensiviert. „Durch das Gehen kommt man noch leichter in diese Fasteneuphorie“, schwärmt Ö3-Star Claudia Stöckl. Der Stoffwechsel wird angekurbelt und die Auswirkungen des Fastens auf Wohlbefinden und Körpergewicht machen sich schneller bemerkbar. Fünf Stunden täglich ist man im Schnitt unterwegs; man nimmt nur Flüssigkeiten (Wasser, ungesüßte Säfte, Kräutertee) zu sich.
Profi-Tipp: Beim Fastenwandern schließt man sich meist einer Gruppe an. Man kann (je nach Kondition) unter verschiedenen Anbietern im In- und Ausland wählen. Stöckls Tipps: www.fasten-sylt.de; www.fastenwandern-wirth.de

Trend 2: Power Walking
Fatburner. Im Gegensatz zum Laufen bleibt beim Walken immer ein Fuß am Boden. Die Belastung auf die Gelenke ist dadurch um ein Drei- bis Vierfaches niedriger als beim Laufen. Der Puls bleibt meist im aeroben Bereich. Das heißt: Der Körper verfügt über ausreichend Sauerstoff, greift die Fettdepots an und baut Stresshormone ab. Ob am Asphalt oder im Gebirge: Walking ist überall möglich und kostet nichts. Man sollte jedoch in gut sitzende Lauf- oder Walkingschuhe (z.B. von Reebok) investieren, die den Fuß stabilisieren und die Tritte dämpfen.
Profi-Tipp: Die richtige Technik: Fuß erst mit der Ferse aufsetzen. Das Gewicht wird leicht nach vor gelagert; der Oberkörper bleibt gerade. Hohlkreuz vermeiden!

Trend 3: Nordic Walking
Effektiv.
Bei dieser Ausdauersportart wird das Gehen durch den Einsatz von zwei Stöcken im Rhythmus der Schritte unterstützt. 90 Prozent (!) der Gesamtmuskulatur kommen dabei zum Einsatz. Die Sportart ist auch für Übergewichtige oder Einsteiger geeignet. Richtige Technik beim Stockeinsatz: Die Ellbogen bleiben leicht gebeugt; die Bewegung selbst erfolgt aber über die Schulter. Mehr Tipps und Kurse finden Sie unter: www.nordicwalking.at
Profi-Tipp: „Wer Fett verbrennen will, sollte über 30 Minuten walken“, rät Trainer Walzl. Ideal: zwei Mal pro Woche eine Stunde!

Trend 4: Zen Walking
Geistige Konzentration.
Loslassen und abschalten: Zen-Walking vereint die meditativen Aspekte des Yoga mit dem sanften Work-out des Walkens. Das Ziel: Ganz im Hier und Jetzt sein. Die Gehbewegung muss sich von selbst ergeben; man darf über den Bewegungsablauf nicht nachdenken. Man konzentriert sich nur auf den Atemrhythmus. Die Hände werden dabei in Höhe des Bauchnabels wie eine Schale gehalten; man kann sie aber auch hinter dem Rücken verschränken oder einstecken. Es geht darum, die Energie bei sich zu behalten.
Profi-Tipp: Wenn Gedanken kommen, lassen Sie diese wie Wolken vorbeiziehen!


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