09. Oktober 2007 09:00

Erziehungs-Hilfe 

Wie Kinder glücklich werden

Wie erzieht man seine Kinder zu selbstbewussten und frohen Menschen? Die besten Tipps der Experten!

Wie Kinder glücklich werden
© sxc

Ein harmonisches Bild: Zufrieden kuscheln sich die Schwestern Flora (1) und Lara (4) an ihren Papa. Er liest ihnen aus einem Bilderbuch vor. Alles eitel Wonne! „Natürlich gibt es auch bei uns ab und zu Streitereien“, meint der AHS-Lehrer Günther Biberle aus Purkersdorf. „Aber meine Partnerin und ich bemühen uns immer, Lösungen zu finden, mit denen alle Familienmitglieder gut leben können.“

Konflikte
Kinderpsychologin und ATV-Nanny Sandra Velásquez gibt dem Vorzeige-Papa recht: „Konflikte lassen sich nicht vermeiden. Aber die Frage ist, wie man damit umgeht.“ Für MADONNA beantwortete die Expertin die wichtigsten Fragen zum Thema „Kindererziehung“.

Ratgeber
Dass dieses Thema von aktueller Brisanz ist, beweist auch ein Blick auf die Bestseller-Listen: Dort rangieren neu erscheinende Erziehungsratgeber immer an den obersten Plätzen. Unter den Hits: Die Sachbücher Erziehung zur Selbstständigkeit (Herder) und der Klassiker Das Geheimnis glücklicher Kinder (Heyne), soeben in der 22. (!) Auflage erschienen. MADONNA bringt aus beiden Werken die besten Tipps:

Der Ton macht die Musik
Bei der Erziehung ist Kommunikation alles. Ein Fehler, der vielen Eltern passiert: Das Kind macht nicht das, was wir wollen, und wir unterstellen ihm unbewusst, dass es etwa faul, dumm oder schlimm sei.

Autor Steve Biddulph rät, anstelle von Du-Botschaften wie „Du bist faul, weil du schon wieder nicht aufgeräumt hast!“ zu Ich-Aussagen zu wechseln. Denn mit einem: „Ich bin wütend auf dich und will, dass du jetzt sofort dein Zimmer aufräumst!“ kann ein Kind mehr anfangen. Schlimm wäre es nämlich, wenn sich ein Kind nun tatsächlich für einen Versager hält.

Vorsicht, was man sagt
Oft wird im Beisein der Kinder über sie geredet in der Annahme, dass sie nicht zuhören. Doch gerade Kinder nehmen viel aus ihrer Umgebung wahr und saugen diese Aussagen in sich auf. Unterschätzen Sie Ihr Kind nicht, nur weil es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist! Vater Günther Biberle kennt das Problem: „Gerade bei der vierjährigen Lara muss ich gut aufpassen, was ich wie ausdrücke“, so der Lehrer. Und: „Ich bespreche Erziehungsfragen grundsätzlich mit meiner Partnerin – und nicht vor den Kindern.“

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Essen , Trinken und ein Dach über dem Kopf sind nicht genug. Kinder brauchen viel Zärtlichkeit und Interesse an ihrer Person. Fragen Sie Ihr Kind jeden Tag, was es erlebt hat und hören Sie eine Viertelstunde einfach nur zu! Viele berufstätige Eltern kämpfen mit der Mangelware Zeit. Managerin Alexandra Wieseneder bemüht sich, so viel Zeit wie möglich mit ihrem Sohn Matthias (3) zu verbringen: „Diese nutzen wir, um gemeinsam zu spielen und zu lachen.“ Ähnlich geht es der steirischen Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder mit ihrer Tochter Johanna (5) und ihrem Sohn Konstantin (7): „Zeit ist Mangelware. Ich hoffe dennoch, dass meine Kinder später einmal sagen: Du warst immer da, wenn wir dich gebraucht haben.“

Streitereien schlichten
Wer mehrere Kinder hat, kennt das Szenario: Obwohl die Kinder verschiedene Spielsachen zur Verfügung haben, wollen alle mit dem gleichen spielen. Autorin Myrna B. Shure (Erziehung zur Selbstständigkeit) rät dazu, die Kinder selbst nach einer Lösung zu fragen. So setzen Eltern den ersten Schritt, dass Kinder spätere Konflikte in Ruhe bereinigen können.

Kinder brauchen Grenzen
Auch wenn es etwas altmodisch klingt: Kinder brauchen feste Regeln, um glücklich zu sein. Psychologe Biddulph machte bei seiner Arbeit die Entdeckung, dass die Kinder von besonders strengen Familien auf ihn den stabilsten und glücklichsten Eindruck gemacht haben. Er meint: „Kinder brauchen die Gewissheit, dass jemand da ist, der sie bremst.“ Denn erst, wenn Kinder Grenzen spüren, können sie sich selbst sicher fühlen.

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"Erziehung heißt: Das Kind muss lernen, wer es ist und sich akzeptieren."

In der letzten Ausgabe von MADONNA haben wir dazu aufgerufen, Fragen zum Thema Kindererziehung an ATV-Supernanny Sandra Velásquez zu stellen. Gestern hat sie diese beantwortet. Die häufigsten Fragen plus Antworten an die Psychologin finden Sie hier:

Was macht Kinder stark?
Sandra Velásquez: Starke Kinder haben starke Eltern. Diese sollten sich selbst gut kennen, nur dann können Sie authentisch sein. Die Eltern sollten liebevoll und konsequent sein und dem Kind auch Werte wie Liebe, Würde, Freiheit und Respekt vermitteln. Wer sich in diesen Bereichen nicht sicher ist, sollte von außen Hilfe holen und sich erkundigen, wie er es richtig macht.

Wie setze ich meinem Kind die richtigen Grenzen?
Velásquez: Grenzen sind gut, wenn ich merke, dass das Kind etwas von der Wirklichkeit lernt. Das Kind darf aber nicht überfordert werden. Von einem Tafelklassler darf man nicht verlangen, dass er seine Schultasche selbst packt. Ein Zehnjähriger, der das nicht macht, ist aber schwer unterfordert. Grenzen sollen keine Strafe oder Machtdemonstration sein. Vielmehr müssen Kinder logische Konsequenzen lernen. Wenn das Kind etwas zerbrochen hat, muss es das eben ersetzen oder reparieren – Schläge wären da fehl am Platz.

Wie gehe ich mit einem emotional geladenen Kind um?
Velásquez: Kinder dürfen und sollen ihre Emotionen ausdrucken. Es gehört zur Erziehung, ihnen zu zeigen, wie sie damit umgehen sollen. Bei einem Trotzanfall muss man dem Kind erst Zeit geben, um sich zu beruhigen. Anschließend sollte man in einem Gespräch herausfinden, wie es dem Kind geht, warum es sich so fühlt und so den Emotionen einen Namen geben.

Wie viel Zeit sollte man auf jeden Fall mit dem Kind verbringen, auch bei Berufstätigkeit?
Velásquez: Älter Kinder brauchen mehr Freiraum. Grundsätzlich gilt: Mindestens einmal pro Tag sollte man gemeinsam essen und sich dabei in die Augen schauen. Auch beim Schlafengehen sollten die Eltern dabei sein, um den Tag ruhig zu beenden. Dann kann man gemeinsam etwas lesen oder kuscheln. Auf jeden Fall muss man dafür sorgen, dass das Kind tagsüber gut betreut wird.

Muss ich mit meinem Kind abends noch spielen, wenn ich schon müde bin?
Velásquez: Wichtig ist, dass man ehrlich ist und dem Kind sagt, man braucht eine Pause. Man kann auch eine Eieruhr stellen und dem Kind sagen, wenn es klingelt, dann hat man für es Zeit.


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