28. März 2008 09:57

"Konsument" testet 

Wie gut sind unsere Zahnärzte?

Lückenhafte Beratung. Nur drei von 15 Ärzten halten sich im Wesentlichen an die rechtlichen Vorgaben.

Wie gut sind unsere Zahnärzte?
© sxc

Laut Gesetz sind Zahnärzte dazu verpflichtet, vor Beginn einer Behandlung einen schriftlichen Heil- und Kostenplan zu erstellen, wenn die Kosten eine bestimmte Höhe überschreiten oder der Patient dies wünscht. Darüber hinaus müssen sie ihre Patienten über Diagnose, Behandlungsablauf, Behandlungsalternativen, Risiken und Folgen des Eingriffs sowie Konsequenzen bei Unterlassen einer Therapie aufklären.

Auf den Zahn gefühlt
Wie es in der Praxis damit bestellt ist, hat das Testmagazin "Konsument" in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz untersucht. Die Tester fühlten 15 Wiener Zahnärzten auf den Zahn, überprüft wurde die gesetzlich vorgeschriebene Aufklärung im Vorfeld einer zahnärztlichen Behandlung. Nicht mehr und nicht weniger.

Keine Kostenangaben
Das Ergebnis: eine erstaunliche Bandbreite an Noten. Die überwiegende Mehrheit der Zahnärzte schneidet lediglich "durchschnittlich" oder "weniger zufriedenstellend" ab. Nur drei Mediziner halten sich im Wesentlichen an die rechtlichen Vorgaben. "Viele Zahnärzte kennen offenbar manche Bereiche des Zahnärztegesetzes nicht oder ignorieren diese schlichtweg", schlussfolgert Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation. "Während die meisten getesteten Zahnärzte über die Diagnose und weitere Vorgehensweise größtenteils gut informieren, halten sie sich bei der Angabe von Kosten in der Regel zurück. Das fängt beim fehlenden Aushang der Honorarrichtlinie in der Ordination an und hört beim Heil- und Kostenplan auf", kritisiert "Konsument"-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp.

Die Ausgangssituation: Massiver Sanierungsbedarf
Eine gut geschulte Testperson besuchte - als Privatzahler - 15 per Zufallsgenerator ausgewählte Wiener Zahnärzte mit Kassenvertrag. Eine Vertrauenszahnärztin beurteilte vor Testbeginn den Ist-Zustand des Patienten: Es besteht ein massiver Sanierungsbedarf des Gebisses (Karies, Parodontose, Eiterherde,…). Aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes des Gebisses muss in erster Linie eine Basissanierung erfolgen, erst danach kann über den nötigen Zahnersatz entschieden werden. Alleine diese Basissanierung beläuft sich laut Zahnärztin auf rund 1.590 Euro. Laut Grenzwertverordnung 2007 müssen Zahnärzte ab 1.281 Euro einen Heil- und Kostenplan vorlegen, wenn dies vom Patienten nicht ohnehin erwünscht wird. Wurde der Testperson kein Heil- und Kostenplan vorgelegt, wurde ein solcher explizit verlangt.

Zahnärztliche Aufklärung
Für den Test wurden ausschließlich jene Bereiche der zahnärztlichen Aufklärung bewertet, die Zahnärzte gemäß Zahnärztegesetz § 18 ohnehin erfüllen müssen: 40 Prozent der Punkte erreichte ein Zahnarzt, wenn er die Testperson über Diagnose, Behandlungsablauf, Behandlungsalternativen und Risiken und Folgen des Eingriffs aufklärte.

Wurde ein schriftlicher Heil- und Kostenplan ausgehändigt, gab es 30 Prozentpunkte. Darüber hinaus bewerteten die Tester, ob die voraussichtliche Höhe der Kostenübernahme durch die Sozialversicherung erwähnt wurde (20 Prozent) und in der Ordination die Honorarrichtlinie ausgehängt ist (10 Prozent).

Die Beratung: Ausbaufähig
Wenig Kritik gab es zu Beginn der Beratung: Jeder Arzt klärte die Testperson über die Diagnose auf und besprach den weiteren Behandlungsablauf. Ob die Diagnose richtig gestellt wurde, beurteilten die Tester jedoch nicht. Weniger einheitlich ist das Ergebnis bei weiteren wichtigen Bestandteilen einer Beratung: Die Hälfte der Ärzte ging nicht auf die Risiken der Behandlung oder die Folgen einer Nichtbehandlung ein. Die Folgen der Behandlung wurden gar nur von vier Medizinern erläutert. Immerhin: 13 Ärzte informierten die Testperson über Alternativen.

Recht unterschiedlich fiel auch die im Rahmen der Beratung erwartete mündliche Information über die Kosten aus: In einem Fall war von einem Betrag zwischen 15.000 und 20.000 Euro die Rede. Manche nannten nur Preise für Einzelpositionen - jene Ärzte wurden in diesem Prüfpunkt mit "durchschnittlich" bewertet. Denn für einen Patienten im Behandlungsstuhl ist es kaum zumutbar, so den Überblick über die Gesamtkosten zu erhalten. Andere Ärzte wiederum wiesen darauf hin, dass die Entscheidung, welchem Zahnersatz der Vorzug gegeben werden sollte, erst nach erfolgter Basissanierung gefällt werden könne.

Erfreulich: Sieben der fünfzehn Ärzte stellten die bis zu 30 Minuten dauernde Beratung nicht in Rechnung. Und: Die Honorare waren mehrheitlich moderat. Angesichts dieser Tatsache rät Klepp: "Wer viel Geld in seine Zähne investiert, sollte sich auch eine zweite Fachmeinung leisten."

Die Kosten: Wenig transparent
Übersteigt eine zahnärztliche Behandlung die Kosten von 1.281 Euro, hat der Patient ohne Aufforderung das Recht auf einen schriftlichen Heil- und Kostenplan. Grundsätzlich kann ein Patient für alle Behandlungen, bei dem ihm Kosten entstehen, einen Heil- und Kostenplan verlangen. Ernüchterndes Ergebnis im Test: Nur vier Ärzte, nämlich Dr. Melitta Herdina, Dr. Kurt Hirsch, DDr. Ronald Ringl und Dr. Alois Gschwandtner, hielten sich auch daran. Sieben Ärzte kündigten an, dass sie den Heil- und Kostenplan erst nach Abschluss der Basisversorgung erstellen würden. Die Bitte der Testperson, dies bereits für die Basissanierung zu tun, wurde durchwegs abgelehnt. Die Begründungen reichten von "zu zeitaufwendig" bis zu "das werden Sie sich schon leisten können".

Was zahl die Krankenkasse?
Im Rahmen der Aufklärung über die Behandlungskosten müssen Zahnärzte auch darüber informieren, welcher Anteil voraussichtlich von der Krankenkasse übernommen wird und welcher vom Patienten zu tragen ist. Für vier Ärzte war die Kostenübernahme durch die Sozialversicherung überhaupt kein Thema. Aber auch sonst waren die Angaben der zu erwartenden Rückerstattung sehr grob oder bezogen sich lediglich auf Einzelleistungen. Am ausführlichsten beschrieb Dr. Kurt Hirsch die Kosten, er informierte auch als einziger im Detail über die zu erwartende Rückerstattung. "Ein tolles Kundenservice, das angesichts der verfügbaren Office-Software für jeden Arzt ein leichtes sein sollte", so Klepp.

Grundsätzlich attestiert Klepp den Zahnärzten vor allem mangelnde Kundenorientierung: "Die Testergebnisse zeigen ganz deutlich: Die meisten Ärzte sehen sich offenbar selbst noch nicht als Dienstleister, deren oberstes Ziel nicht nur die Erfüllung der Kunden- bzw. Patientenwünsche ist, sondern auch eine völlige Kostentransparenz."


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