14. August 2007 20:37

Interview Teil 1 

"Auf Schwachstellen wurde reagiert"

ORF-General Alexander Wrabetz im großen ÖSTERREICH-Interview.

"Auf Schwachstellen wurde reagiert"
© APA/HERBERT PFARRHOFER

ÖSTERREICH: Was hat sich für Sie seit Ihrer Wahl geändert?

Alexander Wrabetz: Der Generaldirektor hat als Alleingeschäftsführer wesentlich mehr Verantwortung zu tragen als der Kaufmännische Direktor. Ich habe einen der spannendsten Jobs in der österreichischen Medienlandschaft, der mir sehr viel Spaß macht.

ÖSTERREICH: Wie viel sehen Sie fern?

Wrabetz: Mein Zeit-Budget ist knapp bemessen, die Zeit im Bild-Sendungen sind meine Favoriten. Darüber hinaus wähle ich ganz bewusst aus.

ÖSTERREICH: Was haben Sie falsch gemacht, dass bei der Programmreform so vieles schiefgegangen ist und die Kritik derart massiv war?

Wrabetz: Manches ist nicht so gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten, aber in vielen Bereichen haben wir unsere Ziele erreicht. Nur wer nichts tut, macht keine Fehler. Wenn man eine Vielzahl neuer Formate startet, muss man damit rechnen, dass nicht alles gleich gut aufgenommen wird. Eine Programmreform ist „work in progress“. Wo sich Schwachstellen im neuen Programmschema gezeigt haben, haben wir rasch re­agiert.

ÖSTERREICH: Im Herbst gibt es erneut Programm-Änderungen. Warum hat sich die Entscheidung über das Herbst-Freitags-Event, das für die Quoten extrem wichtig ist, so lange hingezogen?

Wrabetz: Gute Entscheidungen bedürfen immer einer Zeit guter Vorbereitung. Das war bei den Programmentscheidungen vorher auch nicht anders.

ÖSTERREICH: Wo hat es Probleme gegeben?

Wrabetz: Die Grundrichtung war klar. Auch wenn wir die Detailentscheidung erst jetzt bekannt gegeben haben.

ÖSTERREICH: Welche weiteren Schwerpunkte oder Änderungen im Programm sind für den Herbst geplant?

Wrabetz: Das Herbstprogramm wird eine Reihe von Programmhighlights aufweisen: Vom Bürgerforum bis zur neuen Serie Zodiak. Aber auch den großen Kinderschwerpunkt, bei dem wir das Thema Kind und Kindsein in vielen Facetten beleuchten.

ÖSTERREICH: Gibt es Bewegung zu einer Reform des ORF-Gesetzes, Sie würden sich ja mehr Werbefreiheiten wünschen, um die Einnahmen aus Werbung zu steigern.

Wrabetz: In der österreichischen Parteienlandschaft gibt es ein deutliches Bekenntnis zur Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Als Optimist habe ich die Hoffnung, dass dieses Bekenntnis im ORF-Gesetz noch stärker manifestiert wird.

ÖSTERREICH: 2008 kommt mit der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen ein kostenintensives Jahr auf den ORF zu. Wie werden Sie diese Herausforderung meistern? Nur mit einem Sparprogramm?

Wrabetz: Dem ORF wird es auch 2008 gelingen, sportliche Großereignisse in gewohnter Qualität zu präsentieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir das durch Umschichtungen und auch durch zusätzliche Werbeeinnahmen finanzieren können.

ÖSTERREICH: Wie hoch wird das Sparprogramm ausfallen?

Wrabetz: Die TV-Rechte für die EURO 08 sind noch nicht unter Dach und Fach. Es wäre übereilt, jetzt schon Zahlen zu nennen.

ÖSTERREICH: Werden Sie für 2008 einen Antrag auf Gebührenerhöhung stellen?

Wrabetz: Das ist nicht unser Plan, wobei es auch in der Vergangenheit nie um eine „Erhöhung“ ging, sondern wenn überhaupt um eine Geldwertsicherung also Valorisierung.

ÖSTERREICH: Warum gibt’s keine Gebührenerhöhung?

Wrabetz: Weil wir mit unseren Einnahmen im Plan liegen, insgesamt gut gewirtschaftet haben und gut wirtschaften. Wir werden nur dann eine Valorisierung der Gebühren beantragen, wenn wir unsere notwendigen Ausgaben nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren können. Angesichts explodierender Rechtekosten und eines steigenden Leistungsumfangs kann ich eine Anpassung des Programmentgelts natürlich nicht für alle Ewigkeit ausschließen.




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