16. November 2007 12:33

"Spiegel" sucht Chef 

Aust von "Spiegel"-Mitarbeitern abserviert

Stefan Aust, langdienender Chefredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", muss bis Ende nächsten Jahres den Hut nehmen.

Aust von "Spiegel"-Mitarbeitern abserviert
© AP Photo/ Winfried Rothermel

Auf Wunsch seiner eigenen Mitarbeiter bleibt Stefan Aust nur mehr bis Ende nächsten Jahres Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Unfreiwilliger Abgang
Das Verlagshaus teilte am Donnerstag mit, dass Austs Vertrag am 31. Dezember 2008 ausläuft. Dies sei ein einvernehmlicher Beschluss zwischen den Gesellschaftern des Spiegel-Verlags und der Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft. Aust selbst hat freilich damit gerechnet, dass ihm der Chefsessel bis 2010 erhalten bleibt. Der 61-jährige leitet bereits seit 13 Jahren die Redaktion und ist darüber hinaus als Autor von Film- und Fernsehdokumentationen bekannt. Einer seiner größter Coups gelang ihm mit der Gründung des Fernsehformates "Spiegel TV".

Kampf um die Nachfolge
Noch bleibt die Frage der Nachfolge offen. Hinter den Kulissen ist aber bereits ein heftiger Kampf um den begehrten Posten ausgebrochen. Die deutsche Medienbranche spekuliert bereits über mögliche Nahfolger, darunter "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der Chef von Spiegel Online, Mathias Müller von Blumencron.

Mitarbeiter am Verlag beteiligt
Die Besitzverhältnisse des Spiegelverlages ermöglichen Mitarbeitern bei derartigen Verhandlungen mitzuwirken. Immerhin gehört ihnen dank einer Schenkung des verstorbenen Spiegel-Gründers Rudolf Augstein die Häfte des Verlagshauses. Nach drei Jahren Anstellung wird jeder Mitarbeiter zum stillen Gesellschafter er sogenannten Mitarbeiter KG und erhält somit ein Mitspracherecht. Ein Viertel des "Spiegels" hält das Verlagshaus Gruner + Jahr, während die restlichen Anteile noch den Erben Augsteins gehören.

Aust kein "richtiger" Printjournalist?
Laut Medienberichten hat es in den letzten Wochen Streitereien innerhalb des Verlages gegeben. Aust wollte es nicht zulassen, dass "Spiegel TV" umstrukturiert wird, was seinen Ruf als Journalist mit eindeutiger Fernsehpräferenz gefestigt hat. Auch sein Führungsstil soll kritisiert worden sein.

Wurde der "Spiegel" samtweich?
Auch wurde Kritik über die zu wenig kantige Blattlinie geäußert. Auch kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus in Form von Spiegel Online, die über wesentlich mehr Leser verfügt als die Print-Ausgabe. Mittlerweile ist die Plattform als stärkster Online-Medienauftritt Deutschlands zur ordentlichen Cash-Cow herangewachsen.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |