03. Dezember 2007 15:01

ORF-Publikumsrat 

Bürgerlicher Protest gegen Gebührenerhöhung

Alexander Wrabetz: Digitalisierung kostet mehr Marktanteil als gedacht, ORF wird Zielvorhaben von 41 Prozent nicht erreichen.

Bürgerlicher Protest gegen Gebührenerhöhung
© APA

Die vom ORF angepeilte Gebührenerhöhung hat bei der Sitzung des ORF-Publikumsrat am Montag vor allem bei den bürgerlichen Räten für Empörung gesorgt. Der Vorsitzende des Programmausschusses Andreas Kratschmar kritisierte, dass "mit der heute startenden Serienprogrammierung auf ORF 1 der letzte Anspruch der Programmreform vom April zu Grabe getragen wurde". Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund bezeichnete er die Forderung nach mehr Gebühren als "nicht akzeptabel" und "eine Unverschämtheit gegenüber dem Publikum".

Gebühren für US-Serien
"Wofür sollen wir mehr zahlen?", fragte Kratschmar. "Für sportliche Einmal-Ereignisse, amerikanische Serien, eine missglückte Programmreform?" ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verwies erneut auf die Kosten der anstehenden Sportereignisse, "in einem nicht gekanntem finanziellen Ausmaß" und die Einführung neuer Technologien, die eine Gebührenerhöhung notwendig machen würden. Und obwohl der ORF bereits Sparmaßnahmen gesetzt habe und im Finanzplan 2008 auf eigene Reserven zurückgreift, "gibt es massive Einschnitte, zum Beispiel bei der Filmwirtschaft".

Sinkende Reichweiten in den Griff bekommen
Petra Stolba betonte, dass "die Frage nach einer Gebührenerhöhung" aus Sicht des Finanzausschusses des Publikumsrats "überhaupt nicht zu stellen ist. Das ist kein Thema." Zunächst gelte es, die finanziellen Grundlagen des Unternehmens offenzulegen und die Programmattraktivität zu steigern, so die Publikumsrätin. Willi Benesch forderte, dass der ORF zuerst seine Probleme, nämlich die sinkenden Reichweiten, in den Griff bekommen müsse, bevor er eine Gebührenerhöhung fordern kann.

Wrabetz verwies darauf, dass die gesunkenen Reichweiten vor allem auch auf die Digitalisierung zurückzuführen seien, die den ORF "mehr Prozentpunkte gekostet" habe, als ursprünglich gedacht. Die Geschäftsführung habe damit gerechnet, dass die beiden ORF-Sender in Folge der Digitalisierung zwei Prozentpunkte Marktanteil verlieren werde - tatsächlich sind es eher drei. Zwischen ORF-Stiftungsrat und Geschäftsführung war vor der Programmreform daher ein Ziel-Tagesmarktanteil für das Jahr 2007 von 41 Prozent festgelegt worden. "Das werden wir nicht schaffen", räumte Wrabetz ein. Einschließlich November lag der Marktanteil der beiden ORF-Programme bei 39,45 Prozent.

Größte Fördermaßnahme
Nutznießer der Digitalisierung seien hingegen die deutschen Privatsender mit österreichischem Werbefenster, die den ORF weiter unter Finanzdruck setzen, so Wrabetz: "Die Digitalisierung war die größte Fördermaßnahme des deutschen Privatfernsehens" seit dessen Aufkommen in Österreich.

Die im Publikumsrat für Kunst zuständige Anja Hasenlechner "kann es nicht akzeptieren", dass die Zukunft des österreichischen Films im ORF mit der Frage der Gebührenerhöhung steht und fällt. ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz entgegnete, "wenn der ORF nicht rasch frisches Geld bekommt, wird die Programmqualität sinken, das Programm wird ausdünnen." Es gehe für ihn um die Frage, "wie viele österreichische Produktionen können wir uns leisten?" Wenn nicht genügend Geld vorhanden ist, werde der Anteil an österreichischen Filmen zurückgehen und der ORF weniger österreichisch werden.




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