20. August 2007 15:59

Hart, aber herzlich 

Der Bulle vom Berg

Elmar Oberhauser: Neun Jahre nach seinen letzten "Sommergesprächen" kehrt mit dem Info-Chef der härteste Interviewer des ORF an die Polit-front zurück.

Der Bulle vom Berg
© ÖSTERREICH

Mit 60 Jahren (35 davon im ORF) erreicht Elmar Oberhauser den Höhepunkt einer schillernden Karriere. Elmo der Bär bestreitet mit hartnäckiger Vorarlberger Herzlichkeit die "ORF-Sommergespräche".

Politiker unter Feuer
Als die Premiere gelaufen war, dampfte Peter Westenthaler rasch ab. Er war als erster der fünf Parteichefs zum ORF-Sommertalk "dran“. Mit einem Elmar Oberhauser als Gegenüber ist so etwas kein sommerliches Schwätzchen. Für den Blick über Wien vom Kahlenberg aus blieb keine Zeit.

Westi wurde hart in die Mangel genommen: Schon vor Tagen hatte ja Oberhauser in ÖSTERREICH angekündigt, den BZÖ-Chef zu einem klaren Statement zu drängen: "Er soll sagen, ob er bleibt oder geht.“

Dass dann die Frage "Sind Sie ein Umfaller?“ dazukam, löste erstmals Verwirrung bei Westenthaler aus. Mehrere Attacken und prompt folgende verbale Stolperer des BZÖ-Chefs sollten folgen.

"Sind Sie ein Umfaller?“
Schon bei der dritten Frage kam die erste Unterbrechung: "Aber hallo, hallo, Herr Westenthaler.“ Dann fand es Oberhauser "rührend, dass Sie (Anm.: Westenthaler) nach so vielen Jahren Gemeinsamkeiten mit Jörg Haider entdecken.“

Noch brutaler wurde es, als Oberhauser fragte, ob Westenthaler jetzt "der Umfaller der Nation“ sei. Und dann nachsetzte: "Noch einmal. Gründen Sie jetzt eine neue Bewegung für das Umfallen und Aufstehen zugleich?“

"Haben’s Spinat gegessen?“
Beim Kapitel Durchschlagskraft des BZÖ dann der zynische Zwischenruf: „Haben Sie heute früh Spinat gegessen?“ Und schließlich die typische Oberhauser-Nachhakfrage: "Sie haben sich elegant über meine Frage hinweggeschwindelt. Warum schaffte Haider so viel mehr als Sie?“

Insgesamt kamen neben den regulären Fragen gezählte 50 Zwischenrufe – durchschnittlich einer pro Sendeminute. Darunter durchaus Angriffiges: "Ist das der erste Teil einer Bankrotterklärung?“

Oberhauser weiß nach all seinen (35!) Jahren im ORF, dass gerade diesmal imagemäßig viel von seiner Performance abhängt: Seine eigene Zukunft als (übrigens bereits pensionsberechtigter) Infochef wohl kaum. Aber nach der jüngsten Quotentalfahrt gilt es, das Image des Hauses aufzupolieren.

Das Publikum erwartet, dass "der Bulle vom Berg“ seinem Ruf als härtester Interviewer des ORF gerecht wird. Oberhauser, der auch heuer polarisieren will wie kein Zweiter, dabei aber offenbar weniger poltern, dafür aber süffisanter sein will, nimmt sich "die Quote der letzten Sommergespräche“ als Messlatte, hat aber auch persönliche Kriterien: "Gut war ich, wenn die Zuschauer sagen, dass es sich ausgezahlt hat aufzudrehen.“

Quotensieg gegen Kratky
Das taten am Freitag 445.000 TV-Seher. Sie bescherten Oberhauser mit 22 Prozent Marktanteil einen glasklaren Reichweiten-Sieg gegen die Konkurrenz in ORF 1. Dort kamen Robert Kratkys stark beworbene "schlechteste Autofahrer“ auf nur 278.000 Zuschauer. Der – wegen des damaligen Wahlkampfs nicht ganz faire – Polit-Vergleich: Am 18. August 2006 kam H.C. Strache auf 447.000 Zuseher, Westenthaler einige Tage später auf 621.000. Um die zwei Millionen Zuseher von 2006 zu erreichen, wird Oberhauser wohl noch einen Zahn zulegen müssen.

Oberhauser selbst ist jedenfalls mit seinen Angriffen auf Westenthaler, zu dessen Partei ihm des Öfteren zu große Nähe unterstellt wurde, zufrieden: "So, was sagen jetzt all diejenigen, die mich bei meiner Wahl als BZÖ-Notwendigkeit im Wrabetz-Team bezeichnet haben?“

Markenzeichen Ruppigkeit. Überrascht vom gelegentli­chen Hang zur Ruppigkeit sollte also sowieso niemand sein: Der bärbeißige Vorarlberger war nie anders. Mit vielen Mächtigen des Landes, wie Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und auch mit Westi, per Du, gern, oft und lang am Promi-Stammtisch im Do & Co im Haas-Haus – das ist die eine Seite. Aber, wenn die Kameras laufen, kennt er praktisch keine Beißhemmung.

Da steppt der Bär
So wurde Elmo – oft in aller Freundschaft – genau der "Grobian“, als den ihn die Medien beschreiben. Jörg Haider, dem er später als Sportchef ein umstrittenes Positiv-Interview zum FC Kärnten entlockte, unterbrach Oberhauser 1994 bei einer TV-Debatte brummige 22 Mal. Nach so einer Diskussion titelte ein Wochenblatt einst: "Da steppt der Bär.“

Sein gnadenloser Fragestil
Wenn er als Sportchef (1995 bis 2006) jemanden aufbauen wollte, kannte er, etwa beim Rehabilitierungsinterview mit Skispringer Andi Goldberger, der in den Schnee gegriffen hatte, ebenso wenig "Gnade“, wie wenn etwa Frank Stronach Elmos Bannstrahl mit der gleichen Heftigkeit traf.

Oberhauser sammelte jedenfalls sein Lebtag fleißig Freunde und Feinde. Seine Connections zur Formel I, von Bernie Ecclestone bis zu Niki Lauda, im Skizirkus zu Peter Schröcksnadel und im Fußballg’schäft zu Hannes Kartnig und Dietrich Mateschitz sind ebenso legendär wie die in die Politik.

Seine Nähe zu Susi & Wolfi
Dort feierte er während der Ski-WM 2001 in St. Anton die Goldmedaillen gern und ausgiebigst: Vorzugsweise mit Wolfgang Schüssel und Susanne Riess-Passer, die er privat sehr schätzt. Sie hatten viele Sendeminuten im ORF. Kritik daran weckt Oberhausers Zorn: "Ich lasse mir von niemand vorschreiben, was ich privat tue. Genauso wenig, wie ich mir von Herrn Strache im Interview am Dienstag vorwerfen lassen werde, dass die FPÖ im ORF zu wenig vorkommt. Wen wir einladen, geht nur uns was an.“

Mit wem ist Oberhauser befreundet? Leichter ist die Antwort auf die Frage: Mit wem nicht? "Am Berg“ sind und waren es viele. Josef Broukal ist heute froh, nicht über Oberhauser reden zu müssen. Auch für die verstorbenen Größen Robert Hochner oder H. F. Mayer galt Elmo als Problembär.

Mayer zitierte bei einer Sitzung, zu der Oberhauser zu spät kam, genüsslich Robert Schneider, Dichter und einst Schüler des früheren Vorarlberger Volksschullehrers: „Er kam immer zu spät und hat Wurstsemmeln gegessen.“

Der streitbare Alemanne hat kaum eine Chance vertan, seinen Ruf als Raubein zu nähren. Eine offizielle Rüge des GI Gerd Bacher, freilich mit chevalereskem Gelächter, trug ihm ein Vorfall im Casino in der Kärntner Straße ein: Oberhauser wurde nicht eingelassen, weil er Jeans trug. So zog er eben die Hose runter.

Feminismus-Preise dürfte er nie angestrebt haben: Madeleine Petrovic fragte er live, ob sie nicht doch lieber nackt, nur mit schlammigen Blättern bedeckt, auf Wahlkampfplakaten posieren hätte sollen.

Gegner aus allen Lagern
Fast alle Größen, ob Busek, Vranitzky oder sogar Zilk hatten Ärger mit ihm. Manche wollten nicht mehr mit ihm gemeinsam in einem Studio erscheinen. Dazu musste er mit den Politikern nur so umspringen, wie es schon sein Vorarlberger ORF-Kollege Wolfgang Burtscher beim Hobbyfußballer Oberhauser beobachten durfte: „Er war Verteidiger und ließ die Stürmer über die Klinge springen.“

Nach dem Start mit Westenthaler ist Oberhauser zufrieden: „Ich glaube, ich habe gezeigt, wie die ORF-Info sein soll: angriffig, ohne Ansehen der Person.“

Das Credo für alle fünf Runden: „Kritisch sein, wurscht, ob es der Karriere schadet.“

ÖSTERREICH Sonntag (19. August 2007)




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