08. Oktober 2008 21:27

Höhere Gebühren? 

Der ORF will mehr Geld

ORF-Chef Wrabetz wünscht sich eine Abgeltung der Gebührenbefreiung durch den Bund und eine jährliche Gebührenerhöhung um zwei Prozent.

Der ORF will mehr Geld
© csi

Marathonsitzung des ORF-Stiftungsrates auf dem Küniglberg in Wien. Nachdem das prognostizierte ORF-Ergebnis für 2008 zuletzt auf Minus 60,5 Mio. Euro absackte und bis 2012 sogar ein Minus von mehr als 100 Mio. Euro droht, stand bei der gestrigen regulären Sitzung des ORF-Stiftungsrates die wirtschaftliche Situation des Senders im Zentrum.

Jährlich höhere Gebühren
Senderchef Alexander Wrabetz präsentierte mögliche Maßnahmen gegen die Finanzmisere:

-Oberste Priorität hat eine Abgeltung der Gebührenbefreiung durch den Bund. Durch diese sozialpolitische Aktion entgehen dem ORF 57 bis 60 Mio. Euro pro Jahr.

-Ein weiterer Wunsch an den Gesetzgeber: Die Rundfunkgebühren, die erst heuer im Juni um 9,4 % erhöht wurden, sollen künftig automatisch jedes Jahr um zwei Prozent erhöht werden.

-Heftig diskutiert wurde auch über die Bundes- und Länderanteile an den ORF-Gebühren – rund ein Drittel, die ebenfalls nicht im Säckel von ORF-Finanzchefin Sissy Mayerhoffer landen.

-Eine Ausdehnung der TV-Werbezeiten von 40 auf 48 Minuten pro Tag würde es trotz sinkender Werbepreise ermöglichen, die Erlöse auf aktuellem Niveau von rund 190 Mio. Euro zu halten.

Keine Tabus
In Bezug auf Kostenreduktion solle es keine Tabus geben, hieß es aus dem Stiftungsrat. Der angekündigte Abbau von 250 Jobs soll zügig umgesetzt werden. Thematisiert wurde außerdem die bereits bekannte Reduktion der ORF-Führungskräfte um 25 Prozent. Dazu gehört die mögliche Zusammenführung der Online-Direktion mit ORF On. Außerdem stehen Auslagerungen im Raum, etwa des Radio Symphonie Orchesters.

Möglich ist auch ein Verkauf der ORF-Anteile an der Sendetechniktochter ORS. Die 60-Prozent-Beteiligung des ORF wird auf weit über 100 Mio. Euro geschätzt.

Weg vom Küniglberg?
Bis Anfang 2009 soll vom Direktorium ein Strategiepapier erarbeitet werden, in dem evaluiert wird, ob der ORF am Küniglberg bleibt oder übersiedelt. Darüber hatte Wrabetz zunächst später entscheiden wollen. Heftig debattiert wurde über die Rolle des Stiftungsratsvorsitzenden Klaus Pekarek, der vor wenigen Wochen über mögliche Privatisierungen von ORF-Teilen spekuliert hatte. Als Interessent gilt Raiffeisen. Pekarek ist heuer nach 20 Jahren als Vorstand der Raiffeisenlandesbank Kärnten zurückgetreten und arbeitet seit 1. Oktober als Konsulent für die Raiffeisen Zentralbank. Ein Teil seiner Beratungstätigkeit soll sich auf Beteiligungen der RZB erstrecken.

Albert Sachs in ÖSTERREICH (9. 10. 2008)




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