27. November 2008 11:44

Sender-Zukunft 

Dicke Luft am Küniglberg wegen Jobabbaus

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat um 13 Uhr seine Sparpläne den Mitarbeitern kundgetan. Der Zentralbetriebsrat schäumt.

Dicke Luft am Küniglberg wegen Jobabbaus
© csi

In einer einstündigen Rede hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz seine Maßnahmen zur Kostenreduktion den Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht. Zur Stunde stellen die Dienstnehmer ihrem obersten Chef diesbezüglich Fragen. Die Stimmung ist sehr angespannt.

"Den Herrschaften völlig wurscht"
Am Vormittag war es zum "Eklat" zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat gekommen. Der Zentralbetriebsrat ließ die für 10.00 Uhr anberaumte erste Lohnrunde nach einstündiger Wartezeit, in der die Geschäftsführung nicht erschienen ist, platzen. Grund für die schlimme Verspätung der Beletage war eine Direktoriumssitzung, die angesichts des umfangreichen Maßnahmenpakets länger dauerte als erwartet. Die Personalvertreter sind allerdings nicht einmal telefonisch über die Verspätung informiert worden: "Offensichtlich ist es den Herrschaften auch völlig wurscht", so Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser.

Erstmals Kündigungen
Erstmals in der Geschichte des Senders wird es nächstes Jahr auch zu Kündigungen kommen. ORF-intern werden bis zu 400 Arbeitsplätze kolportiert, die dem Sparplan insgesamt zum Opfer fallen könnten. Bisher war bis 2010 ein Abbau von 250 Stellen durch natürlichen Abgang vorgesehen.

Tabu fällt
Trotz Sparkurs galten Kündigungen im ORF bisher als Tabu. Aber Sender-Chef Wrabetz muss sein Paket verschärfen. Wrabetz wollte seine Pläne bis heute geheim halten. Doch mit dem Verweis auf die Forderung des ORF-Stiftungsrates, beim Zukunftskurs dürfe es keine Tabus geben, werden im ORF-Zentrum auch Kündigungen befürchtet. Selbst ORF-Zentralbetriebsrats-Chef Gerhard Moser meint auf Kündigungen angesprochen: „Wundern würde mich in diesem Unternehmen nicht mehr all zu viel.“

Fehlende Millionen
Auch die für 2009 geplanten Einsparungen von 50 Millionen Euro könnten noch kräftiger ausfallen. Denn im Regierungspaket ist nichts von einer Rückerstattung der Gebührenbefreiungen an den ORF zu finden. Die ORF-Spitze hatte für 2010 mit einem entsprechenden Beschluss gerechnet. Dem ORF entgehen so 58 Millionen Euro pro Jahr.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |