10. Dezember 2007 16:48

Unter Druck 

Entscheidende Woche für ORF-Chef Wrabetz

ORF-General Alexander Wrabetz kämpft mit Belegschaft, Stiftungsrat und Politik.

Entscheidende Woche für ORF-Chef Wrabetz
© ÖSTERREICH/Hausler

Alexander Wrabetz will hart bleiben: Der ORF-General beharrte gestern vehement auf eine Null-Lohnrunde für 2008. So soll das ORF-Personal seinen Beitrag zum enormen Sparpaket leisten – sehr zum Ärger von ORF-Zentralbetriebsratsobmann Heinz Fiedler. "Es ist nicht einzusehen, dass die Mitarbeiter die Zeche für das Unvermögen der Geschäftsführung zahlen sollen“, poltert er gegenüber ÖSTERREICH.

Chaos beim ORF
Mit der geplanten Null-Lohnrunde bringt Wrabetz das ORF-Personal immer mehr gegen sich auf (Zitat eines führenden Mitarbeiters: "Es herrscht im ORF das größte Chaos seit 25 Jahren.") Doch nicht nur an dieser Front hat er hart zu kämpfen.Denn schon am Donnerstag trifft sich das oberste ORF-Aufsichtsratsgremium Stiftungsrat zu seiner Sitzung. Dort stehe es "Spitz auf Knopf." Will heißen: Es könnte Wrabetz drohen, dass er das geplante Budget 2008 nicht durchbringt. In der Folge müsste er sich, wie es heißt "den Einkauf jedes Bleistifts" vom Stiftungsrat absegnen lassen, wäre also als General völlig gelähmt.

Finanzspritze - Gebührenzahler

Klar ist: Die Finanzsituation im ORF ist knapp ein Jahr nach Amtsantritt des ORF-General prekär: Ohne Maßnahmen fehlen dem ORF bis 2010 satte 120 Millionen Euro. Erste Konsequenz: Die ORF-Gebühren sollen erhöht werden – die Gebührenzahler-Seele kocht seit Bekanntwerden dieses Wrabetz-Vorhabens. Und so gerät der ORF-General, der vor Amtsantritt von Freund wie Feind "Super-Alex" genannt und als Retter des ORF gefeiert wurde, immer mehr unter Druck.

"Blitzkrieg gegen Seher“
Die geplante Gebührenerhöhung sei "überfallsartig" geschehen und ein "Blitzkrieg gegen Seher", so Wrabetz-Kritiker. ORF-Insider sehen diese Maßnahme als Folge eines geheimen Gesprächs zwischen dem Schauspieler Harald Krassnitzer und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Krassnitzer habe sich beim Kanzler für eine Gebührenerhöhung stark gemacht – um mehr Geld für Filmschaffende sicherzustellen, heißt es. Ohne den ORF-Siftungsrat zu verständigen, sei es zum Antrag auf Gebührenerhöhung gekommen. Fakt ist: Erst gestern sprach sich Krassnitzer gemeinsam mit der Initiative "SOS ORF" für mehr Gebühren aus.

Nächste Reformschritte
Dem nicht genug, kämpft Wrabetz weiter gegen zurückgehende Seherzahlen. Denn die Quoten des wichtigen TV-Flaggschiffs Zeit im Bild liegen gemeinsam mit der ZiB 20 fast ein dreiviertel Jahr nach Beginn der ORF-Programm-Reform noch immer nicht auf dem Niveau von rund 60 Prozent Marktanteil, das die ehemals auf beiden Kanälen durchgeschaltete ZiB hatte. Dazu kommt: Auch die ZiB 2 leidet an Seherschwund. So verzeichnete der einzige große Reform-Erfolg, das Service-Magazin Konkret in den vergangenen Tagen mehr Seher als die renommierte ZiB 2. Und so heißt es, dass auch ORF-intern längst am Sessel von Wrabetz gesägt werde. Zweites Szenario: Vor allem die Wrabetz-kritische ÖVP versuche den ORF-General so lange zu zermürben, bis er von selbst das Handtuch wirft.




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