26. September 2007 17:51

Medientage 

Entscheidung für oder gegen duales System

Die Medienpolitik in Österreich ist gefordert, so Gerhard Zeiler, sich endlich für oder gegen ein duales System zu entscheiden.

Entscheidung für oder gegen duales System
© APA

Fernsehen werde auch in Zukunft ein Leitmedium bleiben. In diesem Punkt waren sich die Diskussionsteilnehmer des großen TV-Gipfel im Rahmen der Österreichischen Medientage weitgehend einig. Während ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz seinen Appell erneuerte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig auf allen medialen Plattformen vertreten sein müsse, sprachen sich die Privatsender naturgemäß gegen das Vordringen des ORF auf die neuen Märkte wie Online oder Handy-TV aus.

Gerhard Zeiler, ehemaliger ORF-Generalintendant und Geschäftsführer der RTL-Gruppe, fürchtet sogar um das duale System in Österreich. Der ORF habe nicht nur den größten Brocken am Zuschauermarktanteil, sondern auch am Werbekuchen. "Solange das so ist, sind daneben nur kleine Pflänzchen möglich", meinte er in Hinblick auf die nur vereinzelt vorhandenen österreichischen Privatsender. Er sieht die Medienpolitik am Zug, die sich der Frage stellen muss: "Will man ein duales System, dann geht der ORF, so wie er heute ist, nicht mehr", oder will man einen allein-marktbeherrschenden ORF. Für beides gebe es gute Gründe, meint der CEO der RTL Group. "Heute versucht die Politik so zu tun, als wäre beides möglich, ist es aber nicht", konstatierte Zeiler.

ProSieben Will, RTL nicht
Solange der ORF so stark bleibt, könne sich kaum eine Investition in den Privat-TV-Markt rechnen. Zwar hätte RTL ebenso wie ProSiebenSat.1 ein Angebot für die zum Verkauf stehenden Anteile am Privatsender ATV gelegt, das aber offenbar zu niedrig gewesen sei. Beide Bieter haben es nicht über die erste Runde hinaus geschafft. Dem Konkurrenten ProSieben gratulierte er hingegen zum Kauf des kleinen Wiener Stadtsenders Puls TV und meinte, das sei ein "toller Versuch hier im Kleinen Privatfernsehen zu machen". RTL werde sich in Österreich nur engagieren, wenn es auf einer wirtschaftlich sinnvollen Basis Programm machen kann, das den RTL-Ansprüchen genügt.

Neben der Politik sehen sich die Privatsender im Wettbewerb mit dem ORF auch selbst gefragt. Premiere-Vorstandsmitglied Carsten Schmidt betonte genau wie der Geschäftsführer von ProSieben Austria, Markus Breitenecker, dass die Privatsender "gezielt zusammenarbeiten" müssten, um den Ambitionen der öffentlich-rechtlichen Sender auf neuen Plattformen "Einhalt zu gebieten". Ein guter Gegenangriff sei es auch, "seinen eigenen Job gut zu machen" und exklusiven Content anzubieten. In diesem Zusammenhang kündigte Schmidt an, dass sich Premiere um die Pay-TV-Rechte am Ski-Weltcup bewerben werde.

Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) in Deutschland, prophezeite dem ORF in Hinblick auf "Tätigkeiten, die nichts mit dem klassischen Rundfunkauftrag zu tun haben" und der anstehenden Prüfung durch die EU-Komission "stürmische Zeiten. Da wird sich der ORF sehr warm anziehen müssen." Die Verwendung von Gebührengeldern - beziehungsweise Beihilfen - "zur Verschiebung von Wettbewerbssituationen sind denen bei der EU ein Dorn im Auge. Das kann soweit gehen, dass Dienste zurückgefahren werden müssen".

Wrabetz fühlt sich wohl
Wrabetz hielt dem unter Hinweis auf seine Körpertemperatur entgegen: "Es geht mir gut." Für die EU-Prüfung sieht er sich jedenfalls bestens gerüstet. Kommerzielle Aktivitäten des ORF würden bereits jetzt ganz klar von Gebührengeldern getrennt verlaufen. Es sei, wie er aus Gesprächen mit der EU-Spitze wisse, auch im Sinne der EU, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk weiterhin eine bedeutende Rolle spielen soll, allerdings nach bestimmten, im Endeffekt für ganz Europa geltenden Spielregeln. Auch mit dem Public Value-Test, den der ORF im kommenden Jahr einführen will, leiste man den Wünschen der EU Vorarbeit. Am Pay-Sektor habe der Sender jedenfalls keine Ambitionen. "Unsere Aufgabe ist es, public value zu produzieren, und dieser soll möglichst barrierefrei zugänglich sein", so Wrabetz.

Weiterhin keine Inhalte produzieren will hingegen Kabelnetzbetreiber UPC, wie dessen Generaldirektor Thomas Hintze betonte: "Wir konzentrieren uns auf die Distribution, wollen aber kein Inhalteanbieter sein." (APA/Red)




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