24. Jänner 2008 10:52

Gesund schrumpfen 

Ex-ORF-Chef attackiert Wrabetz

Massive Kritik an den Strukturen des ORF und die Forderung nach einem neuen "Rundfunkgesetz der radikalen Veränderung und zwingenden Auflagen" kommt von Gerd Bacher.

Ex-ORF-Chef attackiert Wrabetz
© APA

Der ehemalige ORF-Generalintendant wurde Mittwochabend im Beisein von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) und ORF-Chef Alexander Wrabetz anlässlich der Ehrung der Journalisten des Jahres für sein Lebenswerk ausgezeichnet und nutzte die Gelegenheit, seiner Sorge um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Senders Luft zu machen.

"Gesund schrumpfen"
Einsparungen im Personal und den Landesstudios, eine Reform des Stiftungsrats sowie die drastische Reduktion an Werbezeit sind für Bacher Gebote der Stunde. Der ORF sei mit seiner momentanen Struktur und dem Personalstand nicht finanzierbar, lautete die Diagnose des ehemaligen ORF-Generals. "Die Einnahmen werden vom Apparat aufgefressen, für das immer teurere Programm bleibt zu wenig."

Bacher schlug daher vor, den ORF "gesund zu schrumpfen" - will heißen:

  • Dienststellen streichen und zusammenlegen und dabei auch vor den Direktionen nicht haltmachen.
  • Massive Einsparungen müsste es außerdem bei den Landesstudios geben.
  • Bacher forderte auch eine Reform des Stiftungsrats, den er als "parteipolitisches Trainingscamp" bezeichnete. Dieses Gremium sollte von 35 auf 22 Mitglieder reduziert werden, der Vorsitzende sollte "ein Medienfachmann" sein.
  • Erneut sprach sich Bacher - so wie fast alle früheren ORF-Chef - auch dagegen aus, dass sich die Betriebsräte im Stiftungsrat an der Wahl der Geschäftsführung beteiligen.
  • Werbezeiten: Die seiner Meinung nach mangelhafte Programmqualität im ORF führte Bacher unter anderem auf die Abhängigkeit gegenüber der Werbewirtschaft zurück. Die Werbezeiten im ORF seien drastisch zu reduzieren, der finanzielle Verlust müsste von Bund und Ländern ausgeglichen werden, und zwar indem sie auf ihre "ungerechtfertigten Anteile an den Gebühren" verzichten. Jene Gelder, die dem Sender durch die Gebührenbefreiungen durch die Lappen gehen, müssten vom Staat refundiert werden. Die Höhe der Gebühren sollte von einer unabhängigen Kommission "nach deutschem Vorbild" festgelegt werden, so Bacher.
  • Den aufmerksam lauschenden Kanzler forderte der "Tiger", wie Bacher in der Branche genannt wird, auf, Gestaltungswillen an den Tag zu legen, "den ein zukunftssicherer ORF jetzt dringend braucht".

Der 82-jährige Medienexperte wurde vom Branchenblatt "Der Österreichische Journalist" im Vestibül in Wien für sein Lebenswerk geehrt und wurde dabei von dem prominent besetzten Medienpublikum mit Standing Ovations bedacht.




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