29. November 2007 17:34

Lokalfernsehen 

Fernsehmachern fehlt es an Geld

Heimischer Lokalfernsehmarkt leidet unter ökonomischen Zwängen, Viele redaktionelle Beiträge sind PR-geleitet.

Fernsehmachern fehlt es an Geld

Heimisches Lokal-TV liefert einen Beitrag zur Medienvielfalt und wirkt regional identitätsstiftend. Allerdings stehen die Programmveranstalter aufgrund knapper Finanzen oft so stark unter dem Druck der regionalen Werbewirtschaft, dass dies zu einer Einschränkung journalistischer Objektivität führt. Das ergab eine Untersuchung des österreichischen Lokalfernsehmarkts durch Julia Wippersberg vom Wiener Institut für Publizistik im Auftrag der Telekom-Regulierungsbehörde RTR.

Heikle PR-Berichte
Als heikel hinsichtlich der Trennung von Werbung und redaktionellen Beiträgen gelten im Lokal-TV besonders die "PR-Berichte", also gekaufte Zeit, die als redaktioneller Beitrag anmutet. Da die klassischen Werbeeinnahmen in den meisten Fällen nicht ausreichen, um den Sendebetrieb aufrecht zu erhalten, werden Berichte gegen Gebühr produziert und gesendet. In der vorliegenden Studie, die am Donnerstag in Wien präsentiert wurde, stufen die Autoren nicht weniger als die Hälfte aller redaktionellen Beiträge als PR-geleitet ein. Oft finde sich der Hinweis auf die Möglichkeit, PR-Berichte zu gestalten, bereits im Angebots-Portfolio der Sender.

Grundfinanzierung gefordert
Öffentliche Grundfinanzierungen könnten nach Ansicht der Studienautoren die Situation bessern. In Bayern oder Sachsen werden Lokalprogrammanbieter etwa mit Fördergeldern aus den Kabelbeiträgen der Haushalte subventioniert. In der Schweiz erhalten die Lokalen einen Teil der Rundfunkgebühren. Eine Durchsetzung dieser Modelle für Österreich scheine allerdings "fraglich": In beiden Fällen wäre nämlich "ein starkes Bekenntnis der Politik zum lokalen privaten Rundfunk unumgänglich", so die kritische Conclusio.

Von den Programmveranstaltern wird eine finanzielle Förderung, etwa analog zur Presseförderung, explizit gewünscht. Vor allem die Gruppe der "wirtschaftlich motivierten" Betreiber (TV als Hauptgeschäft) klagen aber gleichzeitig auch über die Beschränkung der Werbezeiten als Hindernis. Ebenfalls unzufrieden sind mache Lokalsender, was die öffentliche Vertretung ihrer Bedürfnisse - etwa steuerliche Erleichterungen oder die Bereitstellung von erschwinglichem Zugang zu digitalen Sendemöglichkeiten - betrifft.

Beliebte Lokalsender
Allen ökonomischen Schwierigkeiten zum Trotz, wird dem lokalen Fernsehen aber von den Rezipienten eine hohe Beliebtheit bescheinigt. Zwei Drittel der für die Studie Befragten halten "ihren" Lokalsender für "sehr wichtig" oder "wichtig". Nur wenigen ist er "nicht wichtig" (10,4 Prozent) oder gar "egal" (18,8 Prozent). Drei Viertel der Seher würden das Angebot bei einer Einstellung vermissen. Als "besonders hoch" wird die Glaubwürdigkeit bewertet. Der Grund dafür liege darin, dass die medial vermittelten Inhalte aufgrund der regionalen Dimension durch Primärerfahrungen der Rezipienten kontrolliert werden können, heißt es in dem Bericht.

Spezieller Nutzen
Dennoch tritt das Lokal-TV nicht in direkte Konkurrenz mit nationalen oder internationalen Anbietern. Die Untersuchung habe gezeigt, dass die Inhalte beinahe ausschließlich die jeweilige Region betreffen. Die Rezipienten sehen darin ein Komplementärangebot zu den großen Sendeanstalten. "Lokales Fernsehen erfüllt für die lokale Bevölkerung spezifische Nutzen, die nur ein lokales Medium erfüllen kann", resümieren die Studienautoren. Die Relevanz der Inhalte sei aufgrund der realen oder potenziellen Betroffenheit der Seher "beinahe unübertroffen hoch". Lokalfernsehen trage zur Identitätsstiftung und -bildung einer Region und zum Wissen über die unmittelbare Lebenswelt bei.

Aufgrund dieser spezifischen Leistungen fordern die Autoren ein politisches "Bekenntnis" zu den lokalen Programmveranstaltern. Da Defizite in der allgemeinen Regionalberichterstattung ausgeglichen werden, könne man Lokalsender als "publizistischen Zugewinn" in der heimischen Medienlandschaft betrachten. Die Bedeutung des Nahraums bleibe für den Bürger trotz der durch die Medien geförderten Tendenz zur Internationalisierung erhalten, heißt es.




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