04. Februar 2008 14:04

Puls 4-Kündigungen 

Fiedler spricht von "Kolonialherren"-Benehmen

Solidarität mit den gekündigten Puls 4-Betreibsräten kommt auch vom ORF.

Fiedler spricht von "Kolonialherren"-Benehmen
© ORF

Im Streit um die Kündigung zweier Betriebsräte beim privaten Fernsehsender Puls 4 wird es nun auch auf gewerkschaftlicher Ebene turbulent. Heinz Fiedler, Vorsitzender der Medien- und Kulturgewerkschaft KMSfB (Kunst, Medien, Sport, freie Berufe) und Zentralbetriebsratsobmann im ORF, kritisiert die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-DJP), von der die Sender-Belegschaft vertreten wird, scharf. Die GPA-DJP hätte bereits "knapp sieben Jahre" Zeit gehabt, um sich mit den Arbeitsverhältnissen bei dem Sender zu befassen.

Machtkampf im ÖGB
"Nach wie vor gibt es keinen Kollektivvertrag", so Fiedler, der darin die "Inkompetenz der GPA-DJP" bestätigt sieht, für die nun die Arbeitnehmer "zum Handkuss" kommen. Hintergrund dieser Attacken ist auch ein Machtkampf innerhalb des ÖGB. Die "Sektion Journalisten" wechselte 2001 nach Streit von der KMSfB zur Gewerkschaft Druck und Papier (heute Druck, Journalismus, Papier, DJP). "Nachdem unserer Gewerkschaft, die nach wie vor die meisten Mitglieder aus dem Medienbereich vertritt, unter Verzetnitsch (ehem. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, Anm.) die Zuständigkeit für privates Radio und TV auf höchst fragwürdige Weise genommen wurde, haben die DJP-Kollegen den Mund sehr voll genommen", beschwerte sich Fiedler nun in einer Aussendung.

Kritik an Puls 4-Geschäftsführung
Die KMSfB sei mit einzelnen Mitarbeitern von Puls 4 "in engem Kontakt", so Fiedler, der auch für Puls 4-Geschäftsführerer Markus Breitenecker harte Worte hatte. Dieser erinnere ihn an einen "österreichischen Filialleiter deutscher oder internationaler (Medien-)Kolonialherren, die sich auch benehmen wie seinerzeit ihre unrühmlichen Vorbilder in Afrika".

Klagen drohen
Im Konflikt zwischen der Puls-Geschäftsführung und deren Belegschaft - am Mittwoch dieser Woche wurden zwei von drei Betriebsräten ohne Angabe von Gründen gekündigt - gab es auch nach einer Betriebsversammlung am Freitag keine Bewegung. Die Betriebsräte verlangen die Rücknahme der Kündigung, die nach Gewerkschaftsangaben ohnehin rechtlich nicht möglich sei. Die Geschäftsführung verweigert sowohl die Rücknahme als auch jeglichen Kommentar dazu, berichtete die GPA-DJP in einer Aussendung. Werden die Kündigungen "binnen Wochenfrist" nicht zurückgenommen, komme es "umgehend" zu Klagen. Für kommenden Dienstag ist um 9.30 Uhr eine öffentliche Betriebsversammlung vor den Senderräumlichkeiten auf der Wiener Mariahilferstraße angekündigt, zu der auch Medienvertreter eingeladen worden sind.




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