18. Dezember 2007 12:08

ORF 

Filmverband schreibt offenen Brief an Wrabetz

Der Verband der österreichischen Filmwirtschaft appelliert in einem offenen Brief an ORF-General-Wrabetz, 2008 finanziell in unverwechselbare, österr. Filme, Dokus und Serien zu investieren.

Filmverband schreibt offenen Brief an Wrabetz
© ÖSTERREICH/Erich Reismann

Sehr geehrter Herr Generaldirektor Dr. Wrabetz,

die von Ihnen gegenüber dem Stiftungsrat erklärte Bindung von zwei Drittel der Mittel aus der Valorisierung für österreichisches, unverwechselbares und originäres Programm war ein erster Schritt in die notwendig Richtung. Eine Richtung, die garantiert, dass die dem ORF zur Verfügung gestellten Gelder auch im Sinne der Gebührenzahler und Österreichs verwendet werden.

Es liegt nun an Ihnen, Ihr Wort zu halten und sicher zu stellen, dass 2008 und in den kommenden Jahren diese Mittel auch dort ankommen, wofür Sie sie erhalten haben - nämlich in der Produktion von österreichischen Filmen, Serien und Dokumentationen.

Die schlechten Erfahrungen der österreichischen Filmwirtschaft mit derartigen Zusagen des ORF haben Sie als kaufmännischer Direktor des ORF in der Vergangenheit hautnah miterleben können.

Sorgen Sie als Generaldirektor des ORF nun dafür, dass dieser Umgang der Vergangenheit angehört.

Sorgen Sie erstmals für die nötige Transparenz des ORF.

Verhindern Sie, dass dieses Ihnen zusätzlich anvertraute Geld nicht wie bisher so oft in den Strukturen des ORF versickert.

Die österreichische Filmwirtschaft und die Gebührenzahler werden Sie an Ihrem Wort messen. Ihr Wort ist auch Zahl: ab 2008 zusätzlich 15 Mio. - damit insgesamt 42 Mio., ab 2009 zusätzlich 30 Mio. - damit insgesamt 57 Mio. aus reinen ORF-Geldern für österreichische TV-Filme, Serien und Dokumentationen.

Diese zusätzlichen Mittel mildern die von Ihnen vorgenommenen Kürzungen im österreichischen Programm-Anteil des ORF. Damit bleibt gerade das schwache ORF-Budget-Niveau für österreichische TV-Filme, Serien und Dokus des Jahres 2006 erhalten. Das sind etwas mehr als nur 4 % (!!) des ORF-Konzern-Umsatzes; das ist im europäischen Vergleich weiterhin eine Schande. Dieser erschreckende Leistungsausweis des ORF ist sicher keine Rechtfertigung für die ORF-Gebühren.

Die Forderungen der österreichischen Filmwirtschaft bleiben unverändert aufrecht und werden von uns weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vertreten:

  • 25 % der ORF-Gebühreneinnahmen für unverwechselbare, österreichische TV-Filme, Serien und Dokumentationen
  • ein Ende des "Gebühren-Schwindels" - was unter dem Titel "Rundfunk" vom Gebührenzahler kassiert wird, muss auch bei unverwechselbarem, österreichischem Programm ankommen.
  • Masterplan der ORF-Geschäftsführung, des ORF-Stiftungsrates und der verantwortlichen Politik für eine Generalreform und für die Zukunftssicherung des öffentlich rechtlichen ORF.

Die Valorisierung darf nicht das kurzfristige Ruhekissen sein, auf dem sich der ORF nun ausruht. Wer, wenn nicht Sie, weiß, wie groß die Zukunftsprobleme und der Reformbedarf des ORF sind. Mit einer kurzfristigen Infusion der Gebührenzahler lässt sich der "Riss im Staudamm der Versäumnisse der Vergangenheit" nicht kitten. Ohne die "Heilige Kuh" der überproportionalen ORF-Strukturen anzugehen und zu reformieren und österreichisches Programm als Zielsetzung vorzugeben, hat der ORF keine Chance.

Lassen Sie uns gemeinsam für die Zukunft des ORF kämpfen.

Initiative Film TV




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