13. Februar 2008 15:29

TV-Krieg 

Frankreich streikt gegen TV-Werbeverbot

Protest gegen den Sarkozy-Plan, Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verbieten. Mitarbeiter streiken.

Frankreich streikt gegen TV-Werbeverbot
© Reuters

In Frankreich sind die Beschäftigten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten geschlossen in den Streik getreten. Mit der Arbeitsniederlegung protestierten die Mitarbeiter von France Télévisions und Radio France gegen die Pläne von Präsident Nicolas Sarkozy, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen. Dies würde im TV-Bereich zu Mindereinnahmen von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr führen, bei Radiofrance fielen rund acht Prozent der Einnahmen weg. Die Beschäftigten kritisieren, dass Sarkozys Regierung bisher keine greifbaren Vorschläge gemacht habe, wie die Mittel ersetzt werden sollen, und fürchten Abstriche bei Programm und Personal.

Musik statt Nachrichten
Am Mittwoch gab es in den öffentlich-rechtlichen Sendern vielfach keine Nachrichten, Magazine im Radio wurden durch Musikeinspielungen ersetzt. Für den Nachmittag war auch eine Demonstration im Zentrum von Paris geplant. Sarkozy ließ kurz vor dem Streik versichern, die Werbeausfälle würden "Euro für Euro kompensiert". Bei einem Treffen mit Gewerkschaftsvertretern garantierte seine Regierung zudem, dass es nicht zu Privatisierungen oder Kanaleinstellungen bei France Télévisons mit den Sendern France 2, France 3, France 4, France 5 et RFO kommen werde.

Private gegen öffentlich-rechtliche Sender
Sarkozy hatte mit seinem Anfang Januar gemachten Vorschlag alle Beteiligten überrascht. Der konservative Präsident griff damit eine langjährige Forderung von Teilen der Linken auf, die durch die Unabhängigkeit von Werbegeldern die Qualität im öffentlichen Rundfunk sichern will. Sarkozy sieht sich nun aber teils dem Vorwurf ausgesetzt, er wolle den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Gunsten der Privatsender schwächen, zu deren Eignern er teils freundschaftliche Beziehungen pflegt.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |