22. Jänner 2008 12:16

Lizenz-Verfahren 

Handy-TV-Start zur EURO wackelt

Handy-TV: Flächendeckender Start zur EURO immer unwahrscheinlicher, ORS-Chef Wagenhofer hält "eingeschränkten Betrieb" für möglich.

Handy-TV-Start zur EURO wackelt
© Nokia

Die aktuellen Entwicklungen beim Handy-Fernsehen führen in eine Sackgasse, meint der Chef der ORF-Sendetechniktochter ORS, Michael Wagenhofer. Dass DVB-H wie ursprünglich geplant pünktlich mit der Fußball-Europameisterschaft flächendeckend in Österreich Einzug hält, schließt er inzwischen aus. "Da hätte man schon vor Weihnachten mit den Vorbereitungen beginnen müssen", nun scheine allenfalls ein "eingeschränkter Betrieb" - also ein weiterer Testbetrieb - möglich, sagte Wagenhofer am Dienstag im APA-Gespräch.

Verhandlungen mit Bietern laufen
Am 4. Februar findet die erste mündliche Verhandlung der Bieterkonsortien vor der Regulierungsbehörde statt - die ORS ist bisher nicht geladen. Die RTR hatte die fehlenden Verträge mit Programmaggregatoren bemängelt. "Wendet man eine derart strenge Gesetzesauslegung auf alle Bewerber an, dann bekommt keiner den Zuschlag", so Wagenhofer. Für den ORS-Chef ist das Gesetz, in dem im vergangenen Sommer die Vorgaben für Handy-TV geregelt wurden, "sehr beweglich" und weise "eine Reihe von Mängeln auf". Sollte die ORS aus dem Bietverfahren ausgeschlossen werden, schließt Wagenhofer nicht aus, das Gesetz anzufechten.

OTS kann nur hoffen
Vorerst hofft er aber, dass die RTR bei ihrem Auswahlverfahren flexible Kriterien gelten lässt. "Die Signale der Behörde gehen aber leider in eine andere Richtung." Der ORS-Chef appellierte an Mobilfunker und Programmanbieter, an einem Strang zu ziehen, statt sich in einem vermutlich Jahre dauernden Rechtsstreit zu bekämpfen. Der Rundfunkregulierungsbehörde riet er zu einer Neuausschreibung der Lizenz oder dazu, die Möglichkeit für Nachbesserungen nach Zuschlagvergabe einzuräumen.

Kritische Masse fraglich
DVB-H mache nur mit einem wirtschaftlich tragfähigem Konzept Sinn, bei dem möglichst viele Mobilfunker an Bord sind, um "die kritische Masse" zu erreichen. "Entweder hier gibt es eine breite Beteiligung, oder das wird nichts." Laut Wagenhofer habe keiner der vier Bewerber ein derart breit gestütztes Konzept eingereicht.

ORF führt weitere Gespräche
Die Stärke der ORS-Bewerbung sieht er gerade im Fehlen der Programmaggregatoren, weil dadurch kein Mobilfunker bevorzugt werde. Auch für die Programmanbieter sei das ORS-Konzept lukrativ, weil sie - im Gegensatz zum ursprünglichen Vorhaben der ORF-Sendetechniktochter - vorerst nichts für die Verbreitung ihrer Sender zahlen müssen. Darüber hinaus verfüge die ORS, die auch die österreichweite Versorgung von terrestrischem Digital-Fernsehen (DVB-T) abwickelt, über ein vorhandenes Netz. Aus dem Rennen sieht sich Wagenhofer daher noch lange nicht. Man führe derzeit "mit allen" Gespräche.

Knackpunkt Risikoverteilung
Ursprünglich hatte die ORS die Mobilkom und T-Mobile Austria mit an Bord. Die beiden Mobilfunker verließen das Bieterkonsortium allerdings kurz vor Ende der Bewerbungsfrist. Knackpunkt sei damals die Risikoverteilung gewesen und nicht, wie kolportiert, "Apothekerpreise". Hier habe die ORS mittlerweile Nachbesserungen getroffen.




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