24. August 2007 18:44

Gescheitert 

Kein deutscher TV-Fußball für Österreich

Carsten Schmidt, Vorstand der Premiere AG und Vorsitzender der Geschäftsführung von Premiere Austria, zu den Gründen für den geplatzten Rechte-Deal.

Kein deutscher TV-Fußball für Österreich
© AFP

oe24.at: Herr Schmidt, wie groß ist der Ärger darüber, dass Premiere die Rechte an der deutschen Fußball-Bundesliga für Österreich nicht bekommen hat?

Carsten Schmidt: Wir sind nicht verärgert, aber sehr wohl überrascht.

Woran sind die Verhandlungen zwischen Premiere und den Rechteinhabern letztendlich gescheitert?

Schmidt: Durch die Tatsache, dass in Österreich bereits ATV über die deutsche Fußball-Bundesliga berichtet und auch die "Sportschau" der ARD nach Österreich einstrahlt, ist der wirtschaftliche Wert der Bundesliga-Rechte für Premiere deutlich gesunken. Bei Premiere und dem Rechteinhaber gab und gibt es komplett unterschiedliche Vorstellungen über diesen Wert. Wir sind über die Tatsache erstaunt, dass der Rechteinhaber trotz einer Free-TV-Übertragung in Österreich und des Reinstrahlens der "ARD-Sportschau" nach Österreich, an seinen hohen Wertvorstellungen festhält. Wir können diese Forderungen nicht nachvollziehen und daher den österreichischen Fans die deutsche Bundesliga leider nicht anbieten.

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Carsten Schmidt (c) Premiere

oe24.at: Können Sie diese Forderungen, vor allem aber die Differenz auch beziffern?

Schmidt: Betrag möchte ich keinen nennen. Es gab aber nicht einmal annäherungsweise eine Chance auf eine Einigung.

oe24.at: Das heißt, die deutsche Bundesliga gibt es in der aktuellen Spielsaison 2007/2008 nicht bei Premiere Österreich zu sehen oder auch in der nächsten Spielsaison nicht?

Schmidt: Wir stehen weiterhin jederzeit für konstruktive Gespräche zur Verfügung, sollte sich die Einstellung der Verantwortlichen beim Rechteinhaber und oder der Deutschen Bundesliga ändern. In der Zwischenzeit werden das Fußball-Angebot in Österreich mit englischem und spanischem sowie einem sehr starken und exklusives Angebot an österreichischen Fußball programmieren. Premiere lebt in Österreich nicht alleine von der deutschen Bundesliga. In dem Jahr ohne deutsche Bundesliga hatten wir in Österreich so gut wie keine Abo-Kündigungen zu verzeichnen. Auch aus diesem Grund sind die Forderungen, mit denen wir nun konfrontiert wurden, einfach nicht nachvollziehbar.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: die Pläne von Premiere in Österreich.

oe24.at: Die Bundesliga-Rechte für Österreich waren also nicht in jenem Paket inkludiert, das Premiere von Arena übernommen hat?

Schmidt: Die Rechtesituation ist nicht ganz unumstritten und wurde auch juristisch geprüft. Beim Erwerb der Rechte durch Unity Media (Anmerkung: Muttergesellschaft von Arena) gab es bei besagtem Unternehmen bislang in das Jahr 2006 hinein die Überzeugung, dass die Rechte auch für Österreich von Arena genutzt werden können. Dies wurde jedenfalls von Arena und der Deutschen Bundesliga gegenüber Premiere immer so erklärt. Plötzlich war das alles nicht mehr so klar. Jedenfalls war aus unserer Sicht mit dem österreichischen Markt immer eine gewisse Unübersichtlichkeit und Unsicherheit verbunden.

oe24.at: Sie haben aber gewusst, dass zumindest ein Teil der Rechte für Österreich an der deutschen Bundesliga an ATV vergeben wurde.

Schmidt: Die Vereinbarung mit ATV hätten wir auch respektiert und nicht beschädigt. Aber nochmals, auch wegen der Übertragungen auf ATV gab es seitens der Rechteagentur Sportsman Group, mit der wir verhandelt haben, nicht nachvollziehbare wirtschaftliche Forderungen.

oe24.at: Hätte die deutsche Bundesliga den Abo-Absatz von Premiere in Österreich beschleunigt?

Schmidt: Nein, in erster Linie hätten wir gerne den österreichischen Bestandskunden damit ein zusätzliches Premiumprodukt geboten. Sicherlich hätten wir auch den einen oder anderen Neuabonnenten gewinnen können. Die Abschlussgründe für ein Premiere-Abo in Österreich sind allerdings in erster Linie die Champions League und die österreichische Fußball Bundesliga sowie unserer weiteres Programm-Angebot. Die deutsche Bundesliga wäre sicherlich ein gutes Zusatzangebot gewesen, brächte aber in der jetztigen Phase nichts für das Wachstum unseres Unternehmens in Österreich.

oe24.at: Goerg Kofler, der scheidende Vorstandsvorsitzende von Premiere, hat beim Abschluss des Vertrages mit der österreichischen Bundesliga gegenüber ÖSTERREICH von 400.000 Abonnenten als Ziel für den österreichischen Markt gesprochen. Gilt diese Marke noch?

Schmidt: Ja, absolut.

oe24.at: Und wann wollen Sie diese Marke erreichen?

Schmidt: Wir wollen da sicherlich in den nächsten zwei Jahren hinkommen.

Das Interview mit Carsten Schmidt führte ÖSTERREICH-Medienredakteur Albert Sachs.




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