01. Februar 2008 10:27

Opernball 

Keine Aufreger bei der TV-Übertragung

Souverän, seriös und sicher – die Moderatoren samt der Debütantin mit tollster Robe und atemberaubendstem Augenaufschlag seit Lauren Bacall lieferten solide Wertarbeit.

Keine Aufreger bei der TV-Übertragung
© APA

Dreizehn Kameras fingen das Geschehen vor Ort ein. Aber was erwischten sie? Der in epischer Breite als zündende Königsidee gefeierte Feststiegen-Ersatz „Entrée“ (die Bezeichnung „Zelt“ untersagte der Hausherr Ioan Holender ja seiner neuen Sonderbeauftragten Desirée Treichl-Stürgkh aufs Köstlichste) kam nur sekundenlang ins Bild.

So blieb den TV-Zuschauern das abstruse Eintreffen von Lugner und Ex-Lugner verborgen – höflich gesagt: vielleicht sogar erspart.

Strip-TESESE in der Stretch-Limo
Aber allein die Extrem-Stretch-Limo des Baumeisters und seiner nicht minder burlesken Strip-TEESE, die vom überbreiten Schwer-transporter (Hummer) verfolgt wurde, auf dem Kameraleute saßen, wäre einen Live-Einstieg wert gewesen. Frau Ex-Mausi kam quasi direkt aus dem RTL-Dschungel im Fiaker. Schade auch, dass Teri Hatcher (ja, die von Desperate Housewives) hinterließ beim ORF-Publikum ebensolche. Sie war nicht im Bild. Dafür die üblichen Verdächtigen.

Mit Anstand brachte Routinier Alfons Haider das Anliegen der Präsidentengattin („Armut tut weh“) zur Sprache. Angesichts so mancher Christbaum-Verkleidungen durfte man zynisch ergänzen: Nun, auch Reichtum kann weh tun.

Prohaska und Herzog als Sanitäter
Durchaus pfiffig, wenn auch fast so zäh wie eine 0:0-Partie über 120 Minuten: das Fußballett mit den Sanitätern Prohaska und Herzog.

Was dem ORF-Publikum bis zur Eröffnung geboten wurde, fiel unter Valium-TV. Von halblustig („Die großen Zehen“) bis ganz fad („Die Vorbereitungen“) – statt eines Warm-ups ein Cooldown. Von „Heißmachen“ keine Spur. Das sich selbst herrlich (gelegentlich auch selbstherrlich) ironisierende Duo Hohenlohe/Trenkwitz (Laurel & Hardy im Dirigentenkammerl) veralberte ab 20.15 das Großereignis flächendeckend zur Kleinkunst. Als Kostprobe: „Claudia Cardinale – vom bekannten Pizza-Service.“ Villach grüßt die Staatsoper. Macht nix, is ja Fasching – in dem auf weltrekordverdächtige Strudelteig-Länge gezogenen Blick hinter die Kulissen schlief ein Großteil der Zuschauer dem Beginn entgegen. Wen interessiert der Aufbau von Damenspenden-Standeln? Auch der Kasperl bittet die Kinder nicht hinter die Bühne, um zu zeigen, dass eh alles nicht echt ist ...

Dieter Chmeler in ÖSTERREICH (1. Februar 2008)




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare