11. November 2008 15:52

Abschied 

Klimbim"-Star Horst Jüssen an Krebs gestorben

Der Schauspieler und Autor Horst Jüssen erlag in München im Alter von 67 Jahren seinem Krebsleiden.

Klimbim"-Star  Horst Jüssen an Krebs gestorben
© dpa

Als "Adolar von Scheußlich" schrieb sich Horst Jüssen in der legendären Klamaukserie "Klimbim" in die deutsche Comedy-Geschichte ein. Der TV-Star, Schauspieler und Schriftsteller starb am Montagabend im Alter von 67 Jahren in München an Lungenkrebs. Bis zuletzt hatte er gehofft, die heimtückische Krankheit besiegen zu können. Ein Familienangehöriger bestätigte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa den Tod Jüssens, der fast 30 Jahre mit der Schlagersängerin Lena Valaitis verheiratet war. Der "Bunten" sagte Valaitis: "Unsere Söhne und ich waren bis zum letzten Atemzug bei ihm."

Verheiratet mit Lena Valaitis
Jüssen und Valaitis (65) - sie waren ein Traumpaar und hatten auch in schwersten Zeiten zusammengehalten, unterstützt von ihren beiden Söhnen. Noch im September hatte Valaitis der dpa gesagt: "Die letzten Monate waren für meinen Mann und mich nicht leicht. Aber mit unserem gemeinsamen Optimismus haben wir sie ganz gut überstanden." Zu der Zeit hoffte Jüssen noch. Bei der Krebs-Therapie hätten sich positive Resultate gezeigt, hatte Valaitis gesagt.

Starker Raucher mit Lungenkrebs
Den Lungenkrebs hatten Ärzte bei Jüssen Weihnachten 2007 diagnostiziert. Er war ein starker Raucher, 45 Jahre lang. Es folgten Chemotherapien und Bestrahlungen in einer Münchner Klinik. Doch Mitleid wollte Jüssen nicht. "Ich habe den Kampf gegen den Krebs aufgenommen - und ich gewinne ihn auch. Da geht kein Weg dran vorbei", sagte er noch im Frühjahr 2008 der "Bunten". Im Herbst, so hatte Jüssen gesagt, wollte er wieder auf der Bühne stehen.

Elfter Gatte von Jolanthe
Jüssens Name wird vor allem mit der von Regisseur Michael Pfleghar erdachten TV-Kultserie "Klimbim" verbunden, die in den 1970er Jahren riesige Erfolge feierte. Als elfter Gatte seiner Klamauk-Partnerin Jolanthe alias Elisabeth Volkmann spielte er den Adolar, dem die dauerhaften Liebesbedürfnisse seiner Frau zu schaffen machen. Für "Klimbim" wurde Jüssen mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet; 2003 bekam er auch den deutschen Comedy-Ehrenpreis.

Chaotische Familie
30 Jahre nach der Erstausstrahlung im Fernsehen kam die chaotische "Klimbim"-Familie im Jahr 2004 auch auf die Bühne - in Originalbesetzung. Autor der Bühnenfassung war Jüssen. Doch seitdem sind bereits zwei Serien-Kollegen gestorben: Klaus Dahlen und Elisabeth Volkmann. Auch Regisseur Pfleghar lebt nicht mehr. Peer Augustinski erholt sich derzeit von einem schweren Schlaganfall.

Als Kabarettist trat Jüssen auch bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auf. Er spielte Rollen in Fernsehserien wie "Die lieben Verwandten" oder die "Himmlischen Töchter". Jenseits des Klamauks machte der am 10. Jänner 1941 in Recklinghausen geborene und in Husum an der Nordsee aufgewachsene Jüssen eine klassische Schauspielkarriere, an deren Anfang 1963 ein Engagement des legendären Erwin Piscator für das Nachwuchsstudio der Freien Volksbühne in Berlin stand. Es folgten zahlreiche Theaterengagements in Hamburg, München und Berlin und Düsseldorf.

Regisseur, Romanautor, Theatermann
Jüssen war auch Regisseur und verfasste Theaterstücke für Kinder. Für "Kaspar und der Löwe Poldi" erhielt er den Gebrüder-Grimm-Preis der Stadt Berlin. Unter Pseudonym schrieb er Komödien und Kriminalstücke. Jüssen bearbeitete zudem Stücke von Moliere und Shakespeare.

Auch als Romanautor, der die Tiefen der menschlichen Existenz ausleuchtet, machte Jüssen sich einen Namen. Sein erstes Werk "Jeschua" (2001) handelte von Jesus Christus und wurde hochgelobt. Es folgten zwei weitere Romane "Teufelskreis" und zuletzt "Joseph Satan" (2007), in dem Jüssen am Beispiel von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels die Nazi-Karriere eines Mannes aus dem Kleinbürgertum beschreibt.




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