24. Jänner 2008 13:41

Promi-Zeugen 

Küssl bestreitet Straches Wehrsportübungen

Richterin Alexandra Mathes befragte neben Ewald Stadler und Gerhard Botz unter anderem den Gründer der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO), Gottfried Küssel, sowie Franz Radl, die in den 90er Jahren beide wegen Wiederbetätigung vor Gericht standen.

Küssl bestreitet Straches Wehrsportübungen
© (c) APA/ROBERT JAEGER

Küssel betonte, Strache habe seines Wissens nach nicht an von ihm veranstalteten Wehrsportübungen teilgenommen: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich könnte mich nicht erinnern. Ich schließe es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus." Er kenne den FPÖ-Bundesparteiobmann auch nicht persönlich. Auf die Frage, ob sich Strache an Veranstaltungen der neonazistischen, 1994 in Deutschland verbotenen Wiking-Jugend beteiligt habe, meinte Küssel: "Er soll bei irgendwelchen Wiking-Übungen dabei gewesen sein, habe ich den Medien entnommen. Aber das weiß ich nicht."

Sowohl Küssel als auch Radl identifizierten Strache auf einigen der von "Österreich" publizierten Fotos, die diesen in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in uniformartiger Aufmachung im Kreis von Männern zeigen dürften, die später wegen rechtsextremer Umtriebe von der Staatspolizei und den Gerichten belangt wurden. Strache bestreitet entschieden, je bei Wehrsportübungen mitgemacht zu haben.

Die VAPO hätte auch nur "Wochenendlager mit Paintball-Spielen" veranstaltet, gab in Bezug darauf Radl zu Protokoll. Er selbst hätte den nunmehrigen FPÖ-Obmann "im korporierten Milieu" kennengelernt und mehrmals im Jahr getroffen. Auf die Frage, wie man einander bei Burschenschaft-Veranstaltungen gegrüßt habe, erwiderte Radl: "Mit 'Heil dir!', wenn man per Du war. Sonst mit 'Guten Tag!'."

Im Hinblick auf das Foto mit dem angeblichen Widerstands- bzw. Kühnen-Gruß stellte Radl fest: "Ich kann dezidiert ausschließen, dass Strache da mich grüßt oder einen Gruß zurückgibt. Ich kann mich an keine einzige Burschenschaftsfeier erinnern, wo so gegrüßt worden wäre." Radl räumte ein, dass drei grußartig abgespreizte Finger der rechten Hand "auch in nationalistischen Kreisen zu Hause sind. In dem, was in der Öffentlichkeit gemeinhin als rechtsextrem bezeichnet wird". Küssel und seine Gesinnungsgenossen hätten diese Begrüßung verwendet. Strache sei auf dem inkriminierten Foto aber keinesfalls beim Kühnen-Gruß zu sehen, "weil der Arm nicht gestreckt ist".

Beim nach dem verstorbenen deutschen Neonazi-Führer Michael Kühnen benannten Kühnen-Gruß werden bei durchgestrecktem rechten Arm Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger abgespreizt. Die anderen Finger bleiben angewinkelt. Das damit gebildete W steht für "Widerstand" und war ursprünglich gegen die um Aussöhnung bemühte Ostpolitik des deutschen Kanzlers Willy Brandt gerichtet.




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