27. Jänner 2009 07:21

Radikalumbau 

Löst Amon ORF-Chef Wrabetz ab?

Es wird ein Radikalumbau: Der TV-Chefredakteur soll bald den ganzen ORF leiten, außerdem soll der ORF nach St. Marx übersiedeln.

Löst Amon ORF-Chef Wrabetz ab?
© TZ ÖSTERREICH/APA

Seit gestern läuft der Countdown für die große ORF-Reform. Damit reagiert das Kanzleramt auf die harte Rechnungshof-Kritik am ORF. Im Interview kündigt der neue Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer die völlige Neugestaltung des heftig umstrittenen Stiftungsrates an.

Statt 35 nur noch 8
Basierend auf einem im April erwarteten kritischen EU-Bericht zum ORF soll zunächst der Stiftungsrat radikal verkleinert, entpolitisiert und wie ein Aufsichtsrat organisiert werden. Statt 35 Parteivertretern mit politischen Interessen sollen im neuen ORF-Aufsichtsrat nur mehr 8 Wirtschaftsvertreter mit ORF-Interesse vertreten sein.

Neue Struktur ab Juni
Nur in medienpolitischen und inhaltlichen Fragen soll der Aufsichtsrat – wie international üblich – von einem 35-köpfigen, politisch besetzten „Rundfunkrat“ beraten werden. Spätestens im Juni will die neue Regierung die ORF-Reform mit der neuen Aufsichtsratsstruktur bereits umgesetzt haben.

Alle Chefs abgelöst
Der neue Stiftungsrat soll dann ab Juni den gesamten ORF auf eine neue Basis stellen. Nach Meinung gut informierter politischer Insider wird der Reform des Stiftungsrates die Ablöse der gesamten (!) ORF-Führung folgen – kein einziger ORF-Direktor dürfte nach dem Sommer noch im Amt sein.

Aus für Oberhauser, Lorenz, Mitsche
Sicher abgelöst werden der schwergewichtige Informations-Direktor Elmar Oberhauser – der sich als „politisches Opfer“ sieht – und Fernseh-Direktor Wolfgang Lorenz. Genauso stark wackeln Radio-Direktor Willy Mitsche und die mit Werbeverlusten konfrontierte kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer. Völlig abgeschafft werden sollen die Ämter des Online- und Technik-Direktors.

Wird Amon ORF-Chef?
In der Regierung gilt als ausgemacht, dass Fernseh-Chefredakteur Karl Amon, auf den sowohl Faymann als auch Häupl große Stücke halten, neuer Generaldirektor des ORF werden soll. Die Zahl der Direktoren soll radikal verkleinert werden - von derzeit acht auf künftig nur mehr vier:

  1. Der VP-nahe Christian Domany (der für die Erfolgs-Story des Wiener Flughafens mitverantwortlich ist) soll kaufmännischer Direktor des ORF werden.
  2. Der Pröll-nahe Richard Grasl (derzeit Chefredakteur des ORF-Niederösterreich) soll alleiniger Fernseh-Direktor werden.
  3. Und die Intendantin des ORF-Landesstudios Wien, Brigitte Wolf, soll Radio- und Online-Direktorin werden.
  4. Höchst umstritten ist, ob Werner Amon wirklich den amtierenden Generaldirektor Wrabetz ablösen soll.

Amon nicht jedermanns Sache
Auch in der SPÖ ist Amon umstritten: Er hätte keinerlei Erfahrung in Unternehmensführung und sei mitten in der Finanzkrise ein enormes Risiko. Zusätzlich werde die Amtsführung von Amon vom Rechnungshof heftig kritisiert. Er selbst überlegt noch, ob er das Himmelfahrtskommando ORF wirklich übernehmen soll und schweigt.

Umzug nach St. Marx
Generaldirektor Alexander Wrabetz bestätigt unterdessen gegenüber ÖSTERREICH konkrete Pläne für eine Übersiedlung des ORF weg vom derzeitigen Standort Küniglberg: "Der ORF bleibt ganz sicher in Wien. Die bisherige Prüfung möglicher Standorte ergibt, dass die Übersiedlung in den Mediencluster St. Marx die wirtschaftlich besten Perspektiven bietet."

Wrabetz will bei der Sitzung des ORF-Stiftungsrats am 2. April die Übersiedlung der Unternehmenszentrale als Teil seines Zukunftskonzeptes vorschlagen.




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