27. August 2007 10:24

Extrazimmer-Aus 

Macherin Dodo Roscic im Interview

Die ORF-Entwicklungschef in und Moderatorin über das Sendungs-Aus von „Extrazimmer“.

Macherin Dodo Roscic im Interview
© Contrast/Alexander Tuma

Zu den erfreulichsten Tagen der Karriere von Dodo Roscic zählte der vergangenen Donnerstag, an dem die Absetzung der neuen ORF-Sendung Extrazimmer bestätigt wurde, sicher nicht. Und dennoch gibt sich die erfolgreiche Leiterin der Programmentwicklungs-Abteilung entspannt: „Es tut mir persönlich sehr leid, weil mir das Format von Anfang an gefallen hat. Aber ich hatte mich ohnehin schon vorher entschieden auszusteigen“, erklärt die 34-jährige TV-Macherin, die als Gesprächsleiterin des unkonventionellen Stammtischs fungierte, jedoch nicht sendungsverantwortlich war. Harte Kritik. Ob das geplante Nachfolge-Talk-Format im Stile der Kultsendung Club 2 den erwünschten Erfolg bringen wird, will die Programmentwicklerin (Sendungen wie Taxi Orange, Starmania und Dancing Stars zählt sie zu ihren Erfolgen) nicht kommentieren. „Nur soviel: Der Club 2 wird heute immer hochstilisiert. Was keiner erwähnt, ist, dass die Sendung teilweise nicht mehr als 40.000 Seher hatte. Obwohl es damals nur FS 1 und FS 2 gab!“ sagt Dodo Roscic im Life&Style-Talk, in dem sie ganz offen über ihre Erfolge und Niederlagen spricht.

ÖSTERREICH: Frau Roscic, am Donnerstag wurde "Extrazimmer“ abgesetzt. Ihr Kommentar dazu?

Dodo roscic: Schade.

ÖSTERREICH: Warum?

Eoscic: Das waren schon tolle Dinge, die in dieser Sendung passiert sind und noch möglich gewesen wären. Nehmen wir zum Beispiel die Sendung mit Paulus Manker. Da sah man, dass es keine Pointenautoren gab, die stromlinienförmig sagten, was passieren muss. Diese unglaubliche Offenheit hat mich fasziniert. Es gibt ja genug Sendungen, die top-journalistisch gemacht sind. Doch das war nicht das Begehr dieses Formats, das auf der Stammtischkultur in Österreich basiert. Vielmehr tolle Debatten, in die sich Menschen unterschiedlich einbringen. Konsens gähnt mich in einer inhaltlichen Diskussionen sowieso an.

ÖSTERREICH: Was hat Ihnen nicht an der Sendung gefallen?

Roscic: Das Durcheinander-Gegacker, das es manchmal gab, hat mich teilweise gestört. Aber das hat ja niemand absichtlich gemacht, sondern es ist so unglaublich schwierig, fünf Menschen mit einer echten Meinung und Spontaneität zu koordinieren.

ÖSTERREICH: Warum haben Sie trotz Ihrer Begeisterung Anfang letzter Woche beschlossen, Ihre Funktion als Gesprächsleiterin abzugeben?

Roscic: Die Sendung hätte zu diesem Zeitpunkt eine andere Richtung bekommen sollen – eine journalistischere, was absolut legitim ist. Aber das wäre nicht meine Richtung gewesen. Deshalb habe ich gesagt: Mir ist nicht langweilig in der Programmentwicklung. Es war schön, dabei gewesen zu sein. Aber jetzt ziehe ich einen Strich.

ÖSTERREICH: Hat es weh getan, die Rolle vor der Kamera aufzugeben?

Roscic: Vor der Kamera zu sein, ist kein Wert per se – zumindest für mich nicht. Es gibt Menschen, die alles dafür tun würden. Aber es gibt auch Menschen, die – brutal gesagt – für mehr talentiert sind und auch hinter der Kamera etwas bewegen können. Natürlich hat es mich geehrt, dass man meine Meinung gerne gehört hat. Aber wenn man gerne Fernsehen macht, dann liebt man es genauso, hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen. Alles andere ist kindisch.

ÖSTERREICH: Was halten Sie von der Kritik an der Programmreform?

Roscic: Es ist legitim, dass wir als öffentlich-rechtlicher Sender unter gewisser Beobachtung stehen und Kritik ist auch gut. Aber die Tonalität war teilweise nicht adäquat. Man hatte das Gefühl, Österreich hat keine anderen Probleme. An dieser Reform haben viele Menschen hart gearbeitet und natürlich kann nicht alles super sein.

ÖSTERREICH: Besteht die Kritik, dass zu wenige Frauen im ORF höhere Positionen besetzen, zu Recht?

Roscic: So emanzig ich sein mag und so widerwärtig ich Sexismen finde, halte ich persönlich von Quotenregelungen nichts. Natürlich darf ein Mann nie einer Frau bei gleicher Qualifikation vorgezogen werden, aber das habe ich im ORF wirklich noch nie erlebt. Auch nicht in meinem eigenen Sein.

ÖSTERREICH: Sind Sie eine Powerfrau?

Roscic: Ich habe mit diesem Ausdruck so meine Probleme. Gehen Sie in eine Fabrik zu einer Schichtarbeiterin, die drei Kinder alleine durchbringen muss, weil sich der Mann verzupft hat – das ist Power!

ÖSTERREICH: Sie sind Single und kinderlos. Tut Ihnen das manchmal leid?

Roscic: Zu Kindern habe ich prinzipiell keinen Masterplan. Solche Dinge ergeben sich. Aber ich bin nicht geschüttelt und gerührt von einer laut tickenden, biologischen Uhr. Mein Fehler ist wahrscheinlich, dass ich immer denke: Mit 34 habe ich ja noch so viel Zeit! (lacht) Trotzdem sind Babys natürlich toll – als mein Neffe zum ersten Mal „Dodo“ sagte, habe ich geweint.

ÖSTERREICH: Ist Ihr Bruder mit seiner Karriere als Plattenfirmen-Boss ein Vorbild für Sie?

Roscic: Ich ziehe den Hut vor seiner Karriere, und ich liebe meinen Bruder. Aber ständig mit ihm in einem Atemzug genannt zu werden, seit ich in dieser Branche bin und mit ihm verglichen zu werden, geht mir unerträglich auf den Zeiger. Er macht sein Ding und ich meines. Und ich habe sehr hart für meinen Erfolg gearbeitet.

ÖSTERREICH: Wie sehen die nächsten Pläne der ORF-Entwicklungsabteilung aus?

Roscic: Zunächst haben wir das Finale von „Österreichs schlechtester Autofahrer“. Auf den Erfolg dieser Sendung bin ich sehr stolz – 35 Prozent Marktanteil bei der jungen Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen war genial. Das war mein Sommer! Danach gönne ich mir ein paar Tage Urlaub und dann geht es Vollgas in den Herbst.

Das Interview führte Daniela Schinke (ÖSTERREICH Life & Style, 25. August 2008)




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