10. April 2008 15:59

TV-Information 

ORF 1 hinkt hinterher

RTR-Programmanalyse stellt ORF 2 bei Info und Eigenproduktionen gutes Zeugnis aus, aber ORF 1 hat weniger Informations-Sendungen als andere Programme.

ORF 1 hinkt hinterher
© ORF

Wiederholungen und Parallelausstrahlungen sind beim ORF nach wie vor an der Tagesordnung. Die vor einem Jahr gestartete ORF-Programmreform hat in dieser Hinsicht kaum Verbesserungen gebracht, zeigt die am Donnerstag von der Rundfunkregulierungsbehörde RTR präsentierte Programmanalyse deutschsprachiger Vollprogramme. Mit einer Wiederholungsquote von 27 Prozent auf ORF 1 und 28 Prozent auf ORF 2 liegen die öffentlich-rechtlichen Programme deutlich vor deutschen Privatsendern und ATV. Beim Umfang der Information liegt ORF 1 hinter sämtlichen untersuchten Programmen in Deutschland und der Schweiz.

Analyse nach Reform
Erstellt wurde die Programmanalyse wie schon im Vorjahr vom Salzburger Kommunikationswissenschafter Jens Woelke. Er nahm die Programme im Zeitraum vom 16. bis 23. April unter die Lupe - also nach der Programmreform vom 10. April 2007. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der ORF sein Programm im Lauf des Jahres 2007 weiter adaptiert und optimiert hat.

ORF 1 baut Information ab
Bei ORF 1 hat sich die Programmreform bei den so genannten fernsehpublizistischen Sendungen niedergeschlagen, also Nachrichten, Magazinen, Reportagen etc. Diese Sendungen haben sich von 3,3 auf 5,6 Prozent seit dem Jahr 2006 nahezu verdoppelt. ORF 1 habe "umfassender und kritischer berichtet", heißt es von Seiten der RTR. Trotzdem liegt ORF 1 beim Informationsumfang deutlich hinter allen untersuchten - öffentlich-rechtlichen und privaten - Programmen in Deutschland und der Schweiz.

ORF 2 fällt hinter ARD zurück
ORF 2 hat im Bereich Fernsehpublizistik von 46,2 auf 41,4 Prozent abgebaut und liegt damit ebenfalls hinter ARD (44,2), ZDF (57,1) und dem Schweizer SF1 (45,3). Sehr gut steht ORF 2 beim Umfang seiner Berichterstattung über kontroverse Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft da.

Wenig Eigenproduktionen bei ORF 1
Nach wie vor gering ist der Anteil von Eigen- und Auftragsproduktionen bei ORF 1. Mit 27 Prozent liegt der ORF hier nahezu gleichauf mit ATV und VOX (26 Prozent) sowie RTL II (24 Prozent). ORF 2 ist hingegen mit 61 Prozent Eigen- und Auftragsproduktionen mit den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF vergleichbar.

ORF 1 gleichauf mit ATV
Bei österreichischen Produktionen hinkt ORF 1 ebenfalls deutlich hinter ORF 2 her. ORF 1 und ATV kamen hier auf 19 Prozent, ORF 2 auf 35 Prozent. Dass der ORF sein Programm an deutsche Sender angepasst hat, zeigt der hohe Prozentsatz an Parallelausstrahlungen, also Sendungen, die zeitgleich in Deutschland liefen. Beide Sender haben in diesem Punkt seit 2006 noch einmal deutlich zugelegt.

Auffallend hoch war bei ORF 2 der Anteil an Programmüberbrückungen wie zum Beispiel den Wetterpanorama-Kameraschwenks. Mit 15 Prozent der Sendezeit, bzw. 3 Stunden, 40 Minuten, war der Anteil auf ORF 2 höher als bei fast jedem anderen deutschsprachigen Sender, mit Ausnahme des Schweizer SF1.

Wrabetz: kompetente Datenquellen
"Die beiden am 10. April 2008 präsentierten Studien 'Erwartungen junger ZuseherInnen an öffentlich-rechtliches Fernsehen - 2008' und 'TV-Programmanalyse 2007', die im Auftrag der RTR entstanden, sind seriöse und kompetente Datenquellen, die der ORF sehr ernst nimmt.

Auch unter Würdigung der kritischen Aspekte sind sie ein weiteres Indiz dafür, dass der ORF mit dem Ausbau und der Betonung der Unabhängigkeit der ORF-Information, der Verstärkung der Eigenproduktion und der Qualitätsoffensive im Rahmen der TV-Programmreform 2007 die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat", fasst ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die Ergebnisse der Studien zusammen: "Beide Studien enthalten konstruktive Ansätze, die in die laufende Optimierung der ORF-Programme Eingang finden werden."




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