24. September 2008 11:28

Hickhack 

ORF-Betriebsräte wollen Pekarek-Rücktritt

Die ORF-Betriebsräte fordern nach einem Pekarek-Statement zur Teilprivatisierung des ORF den Rücktritt des Stiftungsratsvorsitzenden.

ORF-Betriebsräte wollen Pekarek-Rücktritt
© APA/Schlager

Munition für die ORF-Betriebsräte und die anstehenden Verhandlungen mit der ORF-Führung über Sparmaßnahmen im Sender. Die Aussagen von ORF-Stiftungsratschef Klaus Pekarek zu einer Teilprivatisierung des Senders veranlassen die Betriebsrate nun, Pekarek per Offenen Brief zum Rücktritt aufzufordern.

Pekarek zu Raiffeisen Wien
Die Belegschaftsvertreter des öffentlich-rechtlichen Senders vermuten hinter Pekareks Aussagen Interessen des auch im Medienbereich aktiven Raiffeisen-Konzerns, wechselt der Vorsitzende des obersten ORF-Gremiums doch demnächst nach eigenen Angaben ins "Wiener Raiffeisen-Umfeld".

Filetierung des ORF
Eine Umsetzung von Pekareks Vorschlägen würde die "Filetierung und Zerschlagung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich" bedeuten, warnen die ORF-Zentralbetriebsräte Gerhard Moser und Michael Götzhaber. "In jedem anderen Unternehmen wäre ein Aufsichtsratsvorsitzender, der so mit dem ihm anvertrauten Kapital-, Know-how- und Personalbestand umgeht, untragbar." Die Arbeitnehmervertreter halten Pekarek deshalb für "rücktrittsreif" und ersuchen den Stiftungsratsvorsitzenden "selbst die entsprechenden Schritte zu setzen".

Reaktion ist überzogen
Pekarek selbst hält die Reaktionen auf seine Aussagen für "völlig unverständlich, überzogen und nicht nachvollziehbar". Es gehe darum, einen Diskussionsprozess über die Rechnungshof-Empfehlung, wonach der ORF eine Unternehmensgesamtstrategie brauche, zu beginnen. Alles andere sei eine "Überinterpretation", so Pekarek zur APA. Der Rechnungshof habe angeregt, jene Geschäftsbereiche festzulegen, die für eine mittel- beziehungsweise langfristige Auslagerung in Frage kommen. Als mögliche Beispiele dafür seien im Prüfbericht die ORF-Bereiche Ausstattung und Facility Management sowie Teile der Informationstechnologie angeführt. Man müsse nun klären, "welche Bereiche eignen sich und welche Bereiche eignen sich nicht für Auslagerungen".

Partner für Landesstudios
Bei den Landesstudios gehe es ihm nicht um eine Filetierung oder Privatisierung, sondern um ein Prüfen, ob die Landesstudios bei neuen Projekten nicht mit Partnern kooperieren könnten. Pekarek sieht vielmehr "große Potenziale in der Entwicklungsmöglichkeit der Landesstudios". Mit seinem Raiffeisen-Engagement hätten seine Überlegungen zum ORF jedenfalls nichts zu tun. Seine künftige Tätigkeit werde nicht im Medienbereich liegen. "Es gibt auf keinen Fall eine Interessenskollision mit meiner Funktion als ORF-Stiftungsrat."

Beratung über Sparpläne
Die ORF-Betriebsräte haben unterdessen seit Anfang der Woche in einer Klausur auch über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und die Sparpläne der Geschäftsführung beraten. Vor dem Hintergrund der lancierten "Privatisierungspläne" fordern sie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf, diesen "entschlossen entgegenzutreten und etwaige Ausgliederungs- oder Auslagerungsabsichten zu stoppen". Wenig Verständnis zeigen die ORF-Betriebsräte auch dafür, dass der jüngst im ORF eingelangte Rechnungshof-Rohbericht als Vorwand für bevorstehende Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Belegschaftsvertretern benutzt werden soll.

Abbau von 250 Stellen
Für die Verhandlungen über eine "Personalkostenreduktion" und damit einhergehende Vertragsverschlechterungen für das ORF-Personal verlangen die Zentralbetriebsräte die "Absolvierung der Hausaufgaben seitens des Managements". So wünscht man die Rücknahme des geplanten Abbaus von 250 sogenannten Vollzeitäquivalenten und der Budgetkürzungen "per Rasenmäherprinzip", Sparen "auch und zuerst" in den oberen Etagen des ORF, die Auflösung sich überlagernder Managementstrukturen, die direkte finanzielle - mit Sanktionen verknüpfte - Verantwortung auch auf Ebene der Direktionen und Hauptabteilungen, ein Zurückführen des Beratungs- und Konsulentenwesens im ORF sowie die Vorlage von Personalentwicklungsplänen. "Sobald hier die entsprechenden Schritte und Maßnahmen gesetzt werden, ist die Belegschaftsvertretung des ORF bereit, die Verhandlungen mit der Geschäftsführung zu beginnen."




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