15. Jänner 2009 15:24

ORF-Führung 

ORF-Boss Wrabetz reagiert auf Kritiker

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: "Sägen an Geschäftsführungssesseln gehört zum ORF."

ORF-Boss Wrabetz reagiert auf Kritiker
© AP

Der ORF befände sich in ernsthaften Problemen, "wenn keiner mehr an den Sesseln der ORF-Geschäftsführung sägt. Denn dann wäre er in der Bedeutungslosigkeit." So kommentierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die Diskussion um die ORF-Geschäftsführung seitens diverser Politiker, die in jüngster Zeit Wünsche nach einer Personalveränderung an der Senderspitze laut werden ließen. "Grundsätzlich ist es gut, wenn viel über uns nachgedacht wird, denn dann sind wir wichtig fürs Land."

ORF in der öffentlichen Diskussion
Wrabetz hält den ORF in der öffentlichen Diskussion - im Vergleich etwa zu Deutschland und der Schweiz - allerdings für überrepräsentiert. Wenn Politiker angesichts der aktuellen Finanzkrise und der damit verbundenen Probleme für den Staat in Interviews vor allem darüber nachdenken, "welcher Direktor im ORF wie lange im Amt bleibt", dann finde hier "eine vollkommene Übergewichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der öffentlichen Diskussion" statt, sagte Wrabetz bei einer Veranstaltung der österreichischen, deutschen und schweizen Initiativen für Qualität im Journalismus (IQ) in Wien.

ORF aus der Finanzklemme holen
Dass sich der ORF in einer finanziell angespannten Situation befindet, wollte der Generaldirektor nicht leugnen, betonte aber "wir werden die Finanzlage lösen und Einsparungspotenzial heben". Dieses Unterfangen sei allerdings wesentlich einfacher, "wenn man den Rückhalt im Stiftungsrat hat. Aber auch wenn es den nicht gibt, werden wir das trotzdem tun - aber es ist schwieriger".

ORF auf journalistischem Kurs
Der ORF sei in den vergangenen zwei Jahren unter Wrabetz' Führung einen sehr "journalistischen Kurs" gefahren. Hier sei es gelungen, sich vom Einflussbereich der Politik weitgehend freizuspielen. So gebe es heute weniger Interventionsversuche als früher - die Diskussion rund um die Begehrlichkeiten der Parteien findet heute öffentlich via Aussendungen statt. "Nur wenn es den öffentlich-rechtlichen Sendern so weit wie möglich gelingt, sich von der Politik freizuspielen, werden sie eine Zukunft haben. Wo sie zum Staatsfernsehen mutieren, verlieren sie an Glaubwürdigkeit", so Wrabetz.

Neues ORF-Headquarter
Um den ORF zukunftsfähig zu machen, will Wrabetz die Strukturen straffen und Synergien nutzen. Eine Möglichkeit liegt in einer Übersiedlung vom Küniglberg in ein ORF-Headquarter, in dem auch die übrigen ORF-Standorte in Wien Platz finden und so etwa Synergien für Produktionsprozesse genutzt werden können. Wrabetz bleibt außerdem bei seiner Ansage, dass die Kernbelegschaft des ORF im Jahr 2012 bei unter 2.500 Festangestellten liegen sollte.

EU-Vorgaben für den ORF
In den nächsten Monaten steht auch das Finale des EU-Beihilfevorverfahrens am ORF an. Laut dem im Kanzleramt zuständigen Referenten Patrick Segalla geht es vor allem darum, zu klären, welche Aktivitäten der ORF im Bereich neue Medien setzen darf und wofür die ORF-Gebühren ausgegeben werden. Außerdem gelte es, sicherzustellen, dass der ORF nicht mehr Geld bekommt, als er braucht. Segalla rechnet damit, dass die Kommission sich in ihrer Beurteilung an die Prüfung der deutschen öffentlich-rechtlichen Sender hält. "Es könnte sein, dass uns die EU mehr abverlangen will, weil wir ein kleineres Mitgliedsland sind - wir wollen aber nicht mehr zugestehen, als die Deutschen. Wir fordern hier Gleichberechtigung", so der Rechtsexperte.

Presserat neu kommt
Ein weiteres Thema der Veranstaltung war der österreichische Presserat, der demnächst in Zusammenarbeit von Journalistengewerkschaft, Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Verein der Chefredakteure aus der Taufe gehoben werden soll.




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