16. November 2007 16:58

ORF-Bilanz 2008 

ORF-Finanzen 2008 kräftig im Minus

Dickes ORF-Minus wird durch Rücklagen ausgeglichen, sinkende Werbeeinnahmen, weniger Geld für Filmproduktionen.

ORF-Finanzen 2008 kräftig im Minus
© ÖSTERREICH/Hausler

290 Millionen Euro hat der ORF auf der hohen Kante (Rücklagen und Eigenkapital) liegen. Dieses Guthaben wird 2008 kräftig schmelzen. Um das Minus von 36,5 Millionen Euro aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in der ORF-Bilanz in einen Gewinn umzuwandeln, muss Wrabetz 40 Millionen aus den Reserven des Senders abschöpfen.

Geldflüsse
Der Finanzplan 2008, der am 15. November den 35 Mitgliedern des Stiftungsrates übermittelt wurde, offenbart Dramatisches: Ohne Umschichtungen im Konzern müsste der ORF im kommenden Jahr mit einem operativen Minus von 90 Millionen Euro rechnen. Der Geldfluss von den Töchtern an die Mutter reduziert dieses Minus immerhin auf 36,5 Millionen Euro.

Schwieriges Jahr
Auf Wrabetz und den ORF kommt kein leichtes Jahr zu: Die Ausgaben explodieren, während die Einnahmen sinken. Vor allem die sportlichen Großereignisse Fußball-Europameisterschaft 2008 und Olympische Sommerspiele in Peking reißen ein großes Loch in das ORF-Säckel. Für die beiden Großveranstaltungen veranschlagt der Sender ein Sonderbudget von 29,3 Millionen Euro.

Weitere zehn Millionen Euro soll die Fernseh-Digitalisierung (DVB-T und Handy-TV) kosten. Der Start des hochauflösenden Sendestandards HD-TV zur Fußball-EM schlägt mit 9,5 Millionen Euro zu Buche.

Werbeerlöse sinken
Dagegen sprudeln die zwei Haupteinnahmequellen des ORF, die Gebühren und Werbeerlöse, 2008 annähernd gleich wie 2007. Bei den Gebühren rechnet Wrabetz mit einem Anstieg von 1,3 Prozent auf 478,7 Millionen Euro. Das sanfte Plus bei den Gebühren jedoch wird vom Minus bei den Werbeeinnahmen verschluckt. Wrabetz geht von einem Rückgang um 1,2 Prozent auf 296,4 Millionen ­Euro aus. Branchenbeobachter bezeichnen diese Prognose aber als sehr optimistisch, da große Kunden wegen der Reichweitenverluste des ORF einen Teil ihres Budgets 2008 zu den Privaten umschichten könnten oder Preis-Nachlass fordern.

Schon bei den Werbeeinahmen 2007 liegt der ORF rund zehn Millionen Euro hinter dem geplanten Gesamtumsatz von 311 Millionen Euro zurück. Wrabetz bestätigte damit offiziell, was ÖSTERREICH bereits am vergangenen Mittwoch berichtet hatte.

Abstimmung zum Budget
Am 13. Dezember versammeln sich die ORF-Stiftungsräte zu ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr. Unter anderem steht dann die Abstimmung über den ORF-Finanzplan auf der Agenda.

„Ich wüsste kein Argument, weshalb man nicht zustimmen sollte. Selbst in Zeiten heftigster Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung haben die Stiftungsräte in der Frage des Finanzplans im Sinne des Unternehmens entschieden“, zeigt sich Wrabetz optimistisch.

Karl Krammer, Führer des sogenannten Freundeskreises der ORF-Stiftungsräte, signalisiert eher Zustimmung, will sich aber die „mittelfristige Planung genau ansehen“.

Stiftungsrat uneinig
Allerdings: In Stiftungsrat-Kreisen werden auch Stimmen laut, die das Budget von Wrabetz nicht absegnen wollen. Dann wäre der ORF in seinem Handlungsspielraum entscheidend eingeschränkt. Jede einzelne Investition bedürfte in diesem Fall der gesonderten Zustimmung des Aufsichtsgremiums.

Filmwirtschaft leidet
Eine Gebührenerhöhung sieht der Finanzplan für das Jahr 2008 nicht vor. Dass beim ORF die Ausgaben steigen während die Einnahmen sinken, bekommt im nächsten Jahr auch die heimische Filmwirtschaft zu spüren: Insgesamt wird der ORF 76,2 Millionen Euro für österreichische Produktionen vergeben, das sind rund 4,5 Millionen Euro weniger als im Jahr 2007. Dass das Budget im Bereich Fernsehfilm von 32,9 Millionen auf 35,4 Millionen Euro dennoch ansteigen wird, erklärt sich dadurch, dass der ORF vorhat, Filme, die bereits im Lager liegen, abzuspielen, wodurch Kosten schlagend werden.

Ein weiteres "Opfer" der Sparmaßnahmen ist der Spartenkanal TW1, der ursprünglich zu einem Info- und Kulturkanal umgebaut werden sollte. "Ein Umbau ist im Finanzplan nicht vorgesehen, dazu bedürfte es einer Gesetzesänderung und einer entsprechenden Finanzierung", so Wrabetz. Ebenso will sich der ORF voraussichtlich mit einem statt zwei möglichen zusätzlichen Handy-TV-Kanälen begnügen. Das Gesetz erlaubt dem ORF, neben ORF 1 und ORF 2 zwei weitere Spartenkanäle über DVB-H auszustrahlen. "Realistischerweise wird es nur ein Kanal sein", meint der ORF-Chef.




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