19. Februar 2008 18:23

Ruhe am Berg 

ORF-Stiftungsrat für "Public-Value"-Antrag

Der ORF veröffentlicht künftig ein Finanzierungshandbuch und Public-Value-Jahrbuch, nach der Gebührendiskussion herrschte Ruhe im Stiftungsrat.

ORF-Stiftungsrat für "Public-Value"-Antrag
© ORF

Nach den schwierigen Diskussionen rund um die Gebührenerhöhung beim ORF ist am Küniglberg wieder entspannte Stimmung eingekehrt. Das zeigte sich bei der Sitzung des ORF-Stiftungsrats am Mittwoch, die vergleichsweise harmonisch ablief. Der vom Programmausschuss eingebrachte Antrag auf Qualitätssicherung beim Programm (Stichwort Public Value) wurde einstimmig angenommen. Die grüne Stiftungsrätin Monika Langthaler-Rosenberg zog ihren Antrag für die Schaffung eines Präsidialausschusses zurück. Diese Diskussion wurde auf die Sitzung im Juni vertagt.

Jetzt ist Arbeit angesagt
"Eine sachlich orientierte Debatte", "wir reden ausführlich über viele kleine Themen, die nicht umstritten sind", so lauteten die Kommentare einiger Stiftungsräte. "Es ist angenehm, dass einmal nicht alles dem Thema Gebühren untergeordnet wird", brachte es Karl Krammer, Leiter des SP-"Freundskreises" im obersten ORF-Gremium, auf den Punkt. Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich gegenüber der APA zufrieden mit der "konstruktiven Sitzung und den guten Diskussionen". "Ich hoffe, es geht so weiter", meinte er im Hinblick auf die Public Value-Abstimmung. An diesem Punkt werde man in nächster Zeit verstärkt arbeiten, so der ORF-Chef.

Mehrwert dingfest machen
Kernpunkt des nun beschlossenen Qualitätsmonitorings ist die Ergänzung der bisher schon durchgeführten quantitativen Erhebungen um qualitative Maßstäbe. Neben den Hardfacts wie Reichweiten und Marktanteile soll es mehrmals im Jahr eine qualitative Befragung von Publikumszufriedenheit und -interesse geben (Public-Value-Test). "Der öffentliche Mehrwert wird somit erstmals festgemacht", erklärte Stiftungsrätin Brigitte Kulovits-Rupp.

Qualitätskontrolle
Für die Beurteilung der Sendertätigkeit werden bei der neuen Qualitätskontrolle nicht nur die Quoten, sondern über das eigentliche Programm hinausgehende Aktivitäten, etwa meinungsbildende Diskussionen oder integrationsfördernde Kooperationen und anderes relevant sein, so Kulovits-Rupp. Diese Aktivitäten sollen in einem Finanzierungshandbuch abgebildet werden, in dem die Kosten den erreichten Werten gegenübergestellt werden sollen. Ein Kriterienkatalog, der Bestimmungen über den Mehrwert sowohl für den einzelnen Seher als auch für die Allgemeinheit definiert, werde noch erstellt. Drüber hinaus wird es in Zukunft als Bestandteil des allgemeinen Jahresberichts ein Public Value-Jahrbuch geben. Ein solches gab es bisher nur für die einzelnen Landesstudios, nicht aber für das Gesamtunternehmen.

Präsidium
Nicht zur Abstimmung kam heute die im Vorfeld der Stiftungsratssitzung diskutierte Schaffung eines Präsidialausschusses. Ein solches Gremium, wie es auch der Nationalrat oder der ORF-Publikumsrat besitzen, soll beratende Funktion haben und könnte etwa an der Vorbereitung von Sitzungen im kleinen Kreis arbeiten. Über die politischen Gräben hinweg wird regelmäßig kritisiert, dass der Stiftungsrat mit 35 Mitgliedern zu groß sei. Die "Motivation" zu einem effizienteren Aufsichtsgremium wurde am Mittwoch von den meisten Räten geteilt. Man wollte jedoch "einen weiteren Ausschuss" vermeiden, wie es hieß und einigte sich auf eine Diskussion des Themas in der Juni-Sitzung. Die grüne Stiftungsrätin Langthaler-Rosenberg zog ihren Antrag formal zurück.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |