17. November 2008 14:18

Finanz-Loch 

ORF plant 2009 ohne Champions League

Der ORF plant für 2009 mit einem Konzernergebnis von minus 29 Millionen Euro, Fußball Champions League nicht mehr im Budget-Plan.

ORF plant 2009 ohne Champions League
© ORF

Nach voraussichtlich minus 100 Millionen Euro im heurigen Jahr rechnet der ORF auch 2009 mit einem negativen Konzernergebnis von minus 29 Mio. Euro. Das geht aus dem ORF-Finanzplan für 2009 hervor, der von der Geschäftsführung an die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats versandt wurde. Das prognostizierte Ergebnis für 2008 liegt nicht zuletzt aufgrund der internationalen Finanzkrise mit minus 100 Mio. Euro deutlich unter Plan. Ursprünglich war ein Ergebnis von minus 36,5 Mio. vorgesehen.

Radikales Sparprogramm
Um den finanziellen Schwierigkeiten des öffentlich-rechtlichen Senders entgegen zu treten, haben die ORF-Geschäftsführung und der Stiftungsrat radikale Struktur- und Sparmaßnahmen angekündigt, die derzeit allerdings noch nicht vollständig im Finanzplan einkalkuliert sind. Für Vorhaben wie etwa die Ausgliederung des Radio-Symphonieorchesters (RSO) oder des Facility-Managements (Gebäudeverwaltung) ist zunächst die Zustimmung des obersten ORF-Gremiums notwendig, bevor diese ins Budget "eingepreist" werden können. Der Finanzplan geht davon aus, dass der ORF die Angebotsvielfalt in TV, Radio, Online und im Bereich der Landesstudios aufrecht erhält. Weitere Strukturpläne legt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabtz dem Stiftungsrat in der nächsten Sitzung im Dezember im Rahmen der mittelfristigen Finanzvorschau vor.

Fernsehdirektion muss massiv sparen
Den Sparstift anlegen will der ORF in jedem Fall in den Fernsehdirektionen, wo der Sachaufwand um 13 Mio. Euro gesenkt werden soll. Ausstrahlungs-, Betriebs- und Verwaltungskosten sollen um knapp sieben Mio. Euro reduziert werden. Sparen will der ORF im kommenden Jahr auch bei fiktionalen Großproduktionen und Sportrechten. So ist etwa die Ausstrahlung der Champions League nicht mehr vorgesehen (oe24 hat berichtet). Einsparungen gegenüber 2008 bringen außerdem der saisonbedingte Wegfall von sportlichen Großereignissen wie der Fußball-Europameisterschaft oder den Olympischen Spielen.

250 Jobs wackeln
Äußerste Zurückhaltung dürfte die Geschäftsführung beim kommenden Gehaltsabschluss üben. Laut ORF-Unterlagen bedarf es einer "kostenneutralen Lohnrunde". Sollte es Gehaltserhöhungen geben, werden diese Dienstrechtsverschlechterungen oder Personalkürzungen nach sich ziehen. Bereits bekannt ist der Plan, 250 Stellen nicht nachzubesetzen. Insgesamt ist 2009 - abgesehen von Biennalsprüngen - keine weitere Erhöhung des Personalaufwandes vorgesehen, heißt es im ORF-Finanzplan.

Keine Erträge aus Kapitalanlagen
Ein Plus von knapp 24 Mio. Euro gegenüber 2008 bringt die Gebührenerhöhung, die seit Juni 2008 in Kraft ist und 2009 voll wirksam wird. In Summe kann der ORF damit auf 527,7 Mio. Euro aus Programmentgelten rechnen. Die Finanzerträge werden im kommenden Jahr mit voraussichtlich 18 Mio. Euro unter dem langjährigen Schritt liegen. Der ORF rechnet damit, dass sich die Kapitalmärkte im Verlauf des Jahres 2009 stabilisieren. Heuer wird der Sender nach den drastischen Kursrückgängen an den Börsen statt der budgetierten 40 Mio. Euro keine Finanzerträge haben.

85 Millionen Euro Sparprogramm
Alles in allem will der ORF im nächsten Jahr knapp 85 Mio. Euro weniger ausgeben als heuer - der Gesamtaufwand 2009 wird mit 952,5 Mio. Euro berechnet. Der Gesamtumsatz des Unternehmens soll im nächsten Jahr laut Plan bei 876,1 Mio. Euro liegen - gegenüber dem prognostizierten Wert für 2008 ist das ein Rückgang von knapp elf Millionen Euro.

Knapp 6 Prozent weniger aus Werbung
Schuld an dem weiterhin negativen Ergebnis sind unter anderem Rückgänge bei den Werbeerlösen. Aufgrund der Finanz- und Konjunkturkrise muss der ORF im kommenden Jahr seine Annahmen für die Werbeeinnahmen deutlich reduzieren, hinzu kommt die wachsende Reichweite der privaten Sender, die mit der Digitalisierung einhergeht. Der ORF rechnet damit, dass sein Anteil am Brutto-Gesamtwerbekuchen von 52 auf 49 Prozent zurückgehen wird. Die Werbeerlöse 2009 werden mit 253,4 Mio. Euro budgetiert - gegenüber der aktuellen Prognose für 2008 ist das ein Rückgang von 5,8 Prozent beziehungsweise 15,6 Mio. Euro.

Assinger-Show "Das Rennen" kommt
Bei den Programmvorhaben 2009 scheinen die Alpine Ski-WM in Val d'Isere und die Nordische Ski-WM in Liberec als große Positionen auf. Hier wird ein Sonderbudget von 7,3 Millionen Euro veranschlagt. In der Unterhaltung schlagen die fünfte Staffel von "Dancing Stars" (5,3 Mio.) sowie die für Spätherbst 2009 geplante Doku-Soap "Das Rennen", bei der Prominente gemeinsam mit Armin Assinger für das große ORF-Skirennen trainieren, zu Buche. Weiters wurden u.a. ein Schwerpunkt "2ter Weltkrieg" (1939), sowie ein Schwerpunkt zu "Die Teilung Europas (1989)" budgetiert. Für den Bereich Fernsehfilm sind 32,2 Mio. Euro budgetiert.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare