14. August 2007 21:35

ORF-Reform 

ORF startet Frühstücks-Fernsehen

Wie Alexander Wrabetz den Relaunch seiner Reform schaffen will: mit einem neuen Club 2, Frühstücks-TV und runderneuertem Vorabend.

ORF startet Frühstücks-Fernsehen
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Vor einem Jahr wurde Alexander Wrabetz zum neuen ORF-Chef gewählt. Das ÖSTERREICH-Interview mit dem Generaldirektor.

ÖSTERREICH: Haben Sie Ihre Programmreform zu überstürzt durchgezogen?
Alexander Wrabetz: Wir haben sie schnell, aber meiner Meinung nach nicht zu früh durchgezogen. Es gab hohe Erwartungen seitens der Werbewirtschaft, und wir wollten die sehr gute Werbesituation nützen.

Außerdem hat das schöne Wetter die Quoten gedrückt.
Der Jahrhundert-April war natürlich nicht sehr hilfreich. Aber: Die Schwächen, die ich ja gar nicht bestreite, wären bei jedem Wetter zutage getreten. Und auch wenn wir die Reform im Herbst gestartet hätten - wer schützt uns vor einer Hitzewelle im November?

Wäre "Mitten im Achten" mit mehr Zeit besser geworden?
Da war einfach die öffentliche Aufmerksamkeit, die wir selbst aufgebaut haben, zu hoch. Der "Hochaltar"-Sendeplatz der ZiB hat eine simple Vorabendserie einfach überfordert. Wenn wir so etwas noch einmal machen, werden wir beim Wecken von Erwartungshaltungen vorsichtiger sein.

Was kommt auf diesem Sendeplatz? Malcolm wird auch einmal fad.
Wahrscheinlich wieder eine Kaufserie. Das kann man nur im Kontext mit dem gesamten Vorabend sehen, in den wir Elemente wie eine Doku-Soap, eine neue eigenproduzierte Kochserie oder Comedy einbinden.

Die ZiB 20 bleibt?
Natürlich, die funktioniert ja. Im Juli haben wir unser Ziel geschafft, mit ZiB 1 und ZiB 20 gemeinsam einen höheren Marktanteil zu erreichen als früher mit der durchgeschalteten ZiB.

Kommt Frühstücksfernsehen?
Es wird eine Info-Sendung vor neun Uhr geben, ja. Genaue Länge und Struktur stehen noch nicht fest. Das kommt aber nicht vor 2008.

War es ein Fehler Ihrer Vorgänger, auf ein Erfolgsformat, das überall funktioniert, so lange zu verzichten?
Das war immer eine Kostenfrage. Weil dieses Frühstücksfernsehen aber einen Info-Schwerpunkt hat und wir auf ORF 1 ohnehin de facto eine Info-Schiene über 24 Stunden aufgebaut haben, hat mir Direktor Oberhauser gesagt, er schafft das ohne nennenswerte Mehrkosten.

Was wird aus dem umstrittenen Extrazimmer? Gibt es jetzt das Comeback des Club 2?
Es wird ein Format geben, das starke Ähnlichkeiten mit dem alten Club 2 haben wird. Es werden interessante Leute über verschiedenste Themen diskutieren – unter wechselnder Gesprächsleitung. Die kann aus dem Haus oder von außerhalb kommen.

Open end?
Wenn es besonders interessant wird, ist auch das möglich. Die Sendung wird nach der ZiB 2 starten. Weil wir auf ORF 2 keine ZiB 3 mehr haben, müssen wir nicht auf die Minute genau aufhören.

In der Verantwortung von Info-Chef Oberhauser?
Ja.

Auf dem Platz von Extrazimmer?
Nicht notwendigerweise. Über das Extrazimmer wird noch nachgedacht.

Haben Sie sich ein Ziel beim Gesamt-Marktanteil gesetzt?
Wir müssen die 40 Prozent über das Jahr halten. Ohne Hitze im November müsste das zu schaffen sein.

ÖSTERREICH (16. August 2007)




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