30. September 2008 10:00

Finanzkrise 

ORF verdoppelt Minus

Geringere Erträge aus Finanzanlagen und Werbe-Rückgänge drücken das ORF-Ergebnis auf minus 60,5 Mio. Euro.

ORF verdoppelt Minus
© APA
ORF verdoppelt Minus
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Die internationale Finanzkrise hat auch massive Auswirkungen auf den ORF. Das wegen Großereignissen wie EURO und Olympia geplante negative Ergebnis von 27,9 Millionen Euro wird sich voraussichtlich um 32,6 Millionen auf minus 60,5 Millionen Euro verschlechtern. Dies geht aus dem ORF-Quartalsbericht hervor, der Montagnachmittag an die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats versandt wurde. Als Grund für die prognostizierte Ergebnisverschlechterung werden geringere Erträge aus Finanzanlagen sowie konjunkturbedingte Einbrüche bei den Werbeeinnahmen angeführt.

Finanzkrise belastet ORF
Die Krise um die 'big five' der amerikanischen Investmentbanken und des Versicherungskonzerns AIG (American International Group), vor allem aber der vollständige Zusammenbruch des Investmenthauses Lehman Brothers am 15. September 2008, habe die ORF-Geschäftsführung dazu veranlasst, eine neue, auf den Septemberereignissen basierende Finanzvorschau vorzunehmen, heißt es in der Information an die ORF-Aufsichtsgremien, die in der kommenden Woche tagen. "Wir können davon ausgehen, dass der Finanzerfolg zwar im Unterschied zu vielen anderen österreichischen Unternehmungen auch im schwierigen heurigen Jahr Erträge ausweisen wird, allerdings nicht in der geplanten Höhe - statt geplant 40,3 Mio. Euro werden es nur 28,1 Mio. Euro sein", schreibt die ORF-Spitze an die Stiftungsräte. In der Vorschau des Quartalsberichts liegen die Wertpapiere in Summe 12,5 Mio. Euro unter Plan. Höhere Erlöse aus Tochtergesellschaften würden diesen Minderertrag teilweise kompensieren.

Werbeeinnahmen 22 Millionen unter Plan
"Planungsunterschreitungen" erwartet die ORF-Geschäftsführung auch bei den Werbebuchungen. "Wir gehen von einer Planabweichung um minus 7,4 Prozent oder minus 21,8 Mio. Euro aus." Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sei der ORF "in den letzten Wochen mit Stornierungen konfrontiert". Die Vorschau der Werbeeinnahmen wurde deshalb auf 274,6 Mio. Euro zurückgenommen. Die Einnahmen aus den Rundfunkgebühren würden in etwa den budgetierten Zahlen entsprechen. Der ORF erwartet nun 896,3 Mio. an Umsatzerlösen statt der ursprünglich geplanten 915,8 Mio.

Konzernergebnis 32 Millionen unter Plan
Insgesamt ergibt sich daraus in der Finanzvorschau - unter Einrechnung von Mehrerträgen und Mehrausgaben wie etwa für die Berichterstattung zur Nationalratswahl - eine Abweichung des konsolidierten Konzern-EGT von minus 32,6 Mio. Euro gegenüber dem Finanzplan 2008. Diese Gesamtergebnisabweichung ist laut ORF zu 19,5 Mio. Euro alleine auf die direkten Auswirkungen der Finanzkrise (Wertpapier- und Zinsergebnis, Pensionsaufwand) zurückzuführen.

Die Finanzrücklagen sieht der ORF mit Jahresende bei knapp 418 Mio. Euro. "Das negative Ergebnis wird aus dem aus Vorjahren vorgetragenen Bilanzgewinn sowie darüber hinaus aus freien Rücklagen des ORF abgedeckt", heißt es im Quartalsbericht. Danach werde des Eigenkapital zum Jahresende 209,6 Mio. Euro betragen. Die vom Rechnungshof festgestellten stillen Reserven von mehr als 100 Mio. Euro seien darin nicht berücksichtigt. Die Vorschaurechnung des ORF geht davon aus, "dass sich die Finanzmärkte stabilisieren, es zu keinem plötzlichen Zusammenbruch der österreichischen Konjunktur, Großpleiten kommt und Optimierungen im Bereich des Finanz- und sonstigen Anlagevermögens wie vorgesehen realisiert werden können".




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