21. Oktober 2008 11:57

ORF-Wrabetz 

Öffentlich-rechtliches TV hätte Bush verhindert

FH-Journalismus untersucht Public Value und die Zukunft des ORF in bisher größtem Medienforschungsprojekt, Präsentation mit ORF in Wien.

Öffentlich-rechtliches TV hätte Bush verhindert
© ORF

"Hätte es in den USA einen funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegeben, wäre vor vier Jahren jemand anders Präsident geworden, und wir hätten heute diese Probleme nicht." Das glaubt jedenfalls ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und hält die Existenz eines öffentlich-rechtlichen Senders für "unerlässlich", wie er am Dienstag bei einer Pressekonferenz sagte. Wie die Zukunft des ORF aussehen könnte, untersucht derzeit die Fachhochschule Journalismus in Wien im Rahmen ihres bisher größten Medienforschungsprojekts.

ORF und Konjunkturkrise
Die aktuelle Finanz- und die daraus folgende Konjunkturkrise rücke den Public Value von Medien wieder verstärkt in den Vordergrund, meinte Studiengangsleiter Reinhard Christl. Die Messbarkeit von öffentlich-rechtlichem Mehrwert, die Umsetzung des gesetzlichen Programmauftrags und die vermeintlich ungenügende Abgrenzung vom kommerziellen Bereich will das Forschungsteam in den nächsten vier Jahren genau unter die Lupe nehmen.

Ziele des Projekts sind unter anderem, einen "Beitrag zur Sicherung der journalistischen Qualität in Österreich durch externe Analyse und unabhängige Expertise" zu leisten sowie eine öffentlich zugängliche Informationsplattform zum Thema Public Value zu schaffen. Der ORF will die Initiative der Fachhochschule unterstützen und mit hauseigenen Projekten, wie etwa der Qualitätssicherungsstudie, anreichern.

Gegen den Zeitgeist
Wrabetz erhofft sich "so viel wie möglich Verwissenschaftlichung und Versachlichung" zum Thema öffentlich-rechtlicher Mehrwert. Er wittert derzeit einen "Paradigmenwechsel", der mit der aktuellen Finanzkrise Hand in Hand geht. Herrschte zuvor das Motto "weniger Staat mehr privat", tendiere der Zeitgeist mittlerweile in die Gegenrichtung, nämlich zu "mehr Öffentlich-Rechtlichem, weil klar geworden ist, dass die Privaten diese Aufgabe nicht erfüllen können".

Der ORF-General ließ es sich nicht nehmen, erneut darauf hinzuweisen, dass die gesamthafte Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags nur durch den ORF möglich sei. Die Privatsender hätten etwa in Zusammenhang mit der Wahlberichterstattung zwar einen ergänzenden Beitrag und ein wenig Public Value geleistet, 90 Prozent der Informationssendungen seien aber vom ORF gekommen.




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