21. Jänner 2008 16:45

ORF-Werbung 

Privatsender gegen 100 Minuten Werbezeit für ORF

Die ORF-Pläne für mehr Werbungzeit sorgen für Aufregung bei den Privatsendern, Morak kritisiert ORF und den Verlegerverband VÖZ.

Privatsender gegen 100 Minuten Werbezeit für ORF
© ORF

Für Aufregung unter den heimischen Privatsendern sorgen kolportierte Pläne von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, die Werbezeiten im ORF von derzeit 42 Minuten pro Tag und Sender auf 50 Minuten zu erhöhen. Einem Bericht des "Standard" zufolge führt der ORF diesbezügliche Gespräche mit den Zeitungsherausgebern (VÖZ). Im Gegenzug soll der ORF auf seine Onlinewerbung verzichten.

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) sieht dadurch "die Medienvielfalt in Österreich erheblich gefährdet". Für den VÖP bedeutet dieses Vorhaben eine "weitere Privilegierung des ORF gegenüber den privaten Mitbewerbern". Neben der Erhöhung der Rundfunkgebühren würde der ORF nun versuchen, auch noch seine zweite Finanzierungsquelle, die Werbeerlöse, auszuweiten - und zwar auf Kosten aller Privatsender in Österreich.

Morak lehnt ab
Ablehnung kommt auch seitens der ÖVP. Für ÖVP-Mediensprecher Franz Morak ist eine Ausdehnung der Werbezeiten "angesichts der Situation des ORF nicht vorstellbar" und würde "auf Kosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehen". Außerdem liegen die Werbezeiten des ORF laut Morak im Vergleich mit anderen internationalen öffentlich-rechtlichen Sendern ohnehin im Spitzenbereich.

Morak begrüßt zwar grundsätzlich den Dialog zwischen ORF und VÖZ, erinnert aber daran, "dass Verleger und ORF nicht allein auf der Welt" sind. Er fordert daher die Einbeziehung des VÖP in die entsprechenden Gespräche.

ORF schweigt
Der ORF wollte sich zu dem geplanten Vorhaben nicht äußern: "Es gibt gute Gespräche, die wir aber derzeit nicht kommentieren wollen", so Kommunikationschef Pius Strobl. Der VÖZ war vorerst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Im Büro der für Medien zuständigen Ministerin Doris Bures (S) weiß man von Plänen zur ORF-Werbezeitenausweitung nichts. "An uns wurde nichts herangetragen", sagte Sprecherin Susanna Enk. Eine dafür nötige Gesetzesänderung stehe daher in absehbarer Zeit nicht an.

Protest der Privaten
Protest kam am Montag auch von einigen in Österreich aktiven Privatsendern: Sat.1 Österreich-Geschäftsführerin Corinna Drumm monierte, dass der ORF schon jetzt immer wieder "an einem Tag weit mehr als die gesetzlich erlaubten 42 Minuten Werbung sendet". Dadurch, dass für die Betrachtung des Werbezeitenlimits im Gesetz ein Durchrechnungszeitraum von einem Jahr vorgesehen ist, ist eine Überprüfung und Sanktionierung von allfälligen Überschreitungen kaum möglich. "Wir fordern daher, den Durchrechnungszeitraum auf einen Monat zu reduzieren", so Drumm.

Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker forderte - "ähnlich dem Vorstoß des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy - eine Reduktion der Werbemöglichkeiten im ORF auf ein Minimum, zum eine Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags zu garantieren". Sarkozy lässt derzeit die Möglichkeit prüfen, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Frankreich völlig abzuschaffen.




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