05. Februar 2008 17:07

Ultimatum 

Puls 4: Belegschaft will Betriebsräte zurück

Ultimatum an Puls 4-Chefs für Rücknahme der Betriebsratskündigungen, Kundgebung der Sendermannschaft in Wien

Puls 4: Belegschaft will Betriebsräte zurück
© ÖSTERREICH/Chris Singer

Die Geschäftsführung des Privatsenders Puls 4 erhält ein Ultimatum bis zum kommenden Montag, um die Kündigung zweier Betriebsräte zurückzunehmen. Ansonsten gebe es eine Klage beim Arbeits- und Sozialgericht, hieß es am Dienstag bei einer öffentlichen Betriebsversammlung in Wien, bei der neben Teilen der Belegschaft auch Gewerkschaftsposten mit Trillerpfeifen und Transparenten anwesend waren.

Streik droht
Ein konkreter Streik als mögliche weitere Maßnahme wurde heute nicht angekündigt. Man werde versuchen, den Senderbetrieb so weit wie möglich aufrecht zu erhalten; die Versammlungen sollen aber weiter gehen, meinte der Betriebsratsvorsitzende Kurt Raunjak, der im Gegensatz zu seinen zwei Kollegen als einziger Belegschaftsvertreter nicht gekündigt wurde. Gefordert wird nicht nur die Rücknahme der Kündigungen, sondern auch die Einhaltung von Kollektivverträgen. In dieser Sache war bereits vor den Kündigungen ein Gerichtstermin betreffend einer Feststellung, dass Kollektivverträge einzuhalten sind, für den 19. Februar angesetzt. Dies dürfte auch der unmittelbare Auslöser für den Rauswurf der Betriebsräte gewesen sein.

Unterstützung aus anderen Lagern
Von der Puls 4-Mannschaft trauten sich nicht alle Mitarbeiter zu der öffentlichen Betriebsversammlung, die heute vor den Senderräumlichkeiten auf der Wiener Mariahilferstraße stattfand, auch einige prominente Gesichter fehlten. Unterstützung für die Anwesenden kam dafür von Betriebsräten aus anderen Firmen. Zuvor hatte es bereits aus Medienunternehmen wie ATV, KroneHit, 88.6, sowie dem Zentralbetriebsrat des ORF Solidarisierungserklärungen gegeben.

Rückkehr der Betriebsräte gefordert
"Der Faschingsdienstag bei Puls 4 muss beendet werden", verkündeten Vertreter der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP). Auf Transparenten war zu lesen "Puls 4 - Sind wir und nicht ihr", und wir "wollen unsere Betriebsräte zurück". Kritisiert wurden einmal mehr fehlende Gehaltserhöhungen und die Nichtanstellung von Mitarbeitern. "Wir werden uns ganz genau ansehen, ob alle freien Dienstnehmer auch wirklich freie Dienstnehmer sind", kündigte GPA-Regionalsekretär Alois Bachmeier an.

Keine Einigung bei Kollektivvertrag
Laut Betriebsratsangaben hatte die Belegschaft von Puls 4, das aus dem Wiener Sender Puls TV hervorgegangen ist, über ein Jahr lang versucht, sich über eine Betriebsvereinbarung mit der Geschäftsführung über Beschäftigungsverhältnisse und Kollektivverträge zu einigen, die Gespräche seien aber 2007 gescheitert. Seit der Übernahme im vorigen Jahr durch SevenOneMedia Austria, ein Tochterunternehmen der deutschen ProSiebenSat.1 Media AG, sei es für die Belegschaft härter geworden. Nun würde jede einzelne Stelle mit Planvorgaben aus Deutschland argumentiert, sagte einer der Betriebsräte zur APA.

Stellungnahme der Geschäftsführung angekündigt
Für Mittwochabend wurde laut Raunjak eine Stellungnahme der Geschäftsführung gegenüber der Puls 4-Mannschaft angekündigt. Das wäre die erste Erklärung der Chefetage in der Causa. Seit die zwei Kündigungen am Mittwoch der Vorwoche ohne Angabe von Gründen überreicht wurde, gab es seitens der Geschäftsführung kein Statement.




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