18. Juni 2008 16:00

Streik 

Radio- und TV-Journalisten gegen Sarkozy

Frankreichs öffentlicher Rundfunk streikt gegen geplantes Werbeverbot, Ausstand am Mittwoch im Fernsehen und Radio.

Radio- und TV-Journalisten gegen Sarkozy
© Reuters

In Frankreichs öffentlich-rechtlichem Rundfunk France Televisions und Radio France findet am heutigen Mittwoch ein Streik statt, um gegen die von Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) angekündigte Abschaffung der Werbeeinschaltungen zu protestieren. Die Gewerkschaften geben zu bedenken, dass die Maßnahme im Fernsehen zu 800 Mio. Euro Mindereinnahmen und 400 Mio. Spesen für ersatzweise Sendungen koste und im Radio 45 Mio. Euro.

Finanzielle Keule
Sarkozys Ankündigung vom vergangenen 8. Jänner "hat bereits zu einer wirtschaftlichen und finanziellen Destabilisierung der Gruppe France Televisions geführt, die zum ersten Mal seit ihrer Errichtung im Jahr 2008 eine defizitäre Bilanz vorlegen wird", beklagten die Gewerkschaften in einer gemeinsamen Aussendung und erinnerten daran, dass "fünf Monate nach der Ankündigung noch kein alternatives Finanzierungsmodell ausgearbeitet worden" sei. Es bestehe die Gefahr einer "Zerschlagung des öffentlichen Rundfunks".

Ersatz fraglich
Eine Regierungskommission hatte im April vorgeschlagen, die Werbung im Staatsfernsehen ab kommendem Jahr schrittweise zurückzufahren und zwei Jahre später ganz abzuschaffen. Unklar ist noch, wie die ausfallenden Werbeeinnahmen ersetzt werden sollen. Die Gewerkschaft CGT fordert nun ein Moratorium in der Frage.

In einem am Dienstag von der Tageszeitung "Liberation" veröffentlichten Beitrag unterstützen 19 Schriftsteller, Historiker, Cineasten und Drehbuchautoren diese Protestbewegung und erinnern daran, dass die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenwärtig nicht gesichert sei. Zu den Mitunterzeichnern des Dokuments zählen die Regisseure Bertrand Tavernier, Cedric Klapisch und Alain Corneau sowie die Schriftsteller Tahar Ben Jelloun und Jean-Claude Guillebaud.

Öffentlich-rechtlich versus Privat
France Televisions umfasst die Fernsehanstalten France 2, France 3, France 4, France 5 und France O. Zur Finanzierung der Sender trägt gegenwärtig außer den Werbeeinnahmen auch eine Fernsehgebühr bei, die alle Eigentümer eines TV-Geräts begleichen müssen. Die größten Konkurrenten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind die Privatsender TF1 (Gruppe Bouygues) und M6 (Gruppe Bertelsmann) sowie der Zahlfernsehsender "Canal Plus" (Gruppe Vivendi). Sie würden von einer Abschaffung der Werbung im Staatsfernsehen am meisten profitieren. Kritiker werfen Sarkozy vor, durch die Maßnahme den Sender "TF1" seines persönlichen Freundes Martin Bouygues begünstigen zu wollen.




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