10. November 2008 07:21

Haider-Satire 

Regisseur Schalko verteidigt Stermann-Grissemann

Die beiden Moderatoren wollten mit ihrer Satire einen Gegenpol zur medialen "Heiligenverehrung" nach dem Tod Haiders bilden. BZÖ-Scheuch fands pietätlos.

Regisseur Schalko verteidigt Stermann-Grissemann
© Udo Leitner

Der Regisseur der ORF-Latenight-Show "Willkommen Österreich", David Schalko, hat die umstrittene Haider-Satire am Sonntagabend verteidigt. Man habe einen "Gegenpol zu dieser Heiligenverehrung" schaffen wollen, die nach dem Tod Jörg Haiders in den Medien geherrscht habe, sagte Schalko in der ORF-Diskussionssendung "im Zentrum". Kärntens BZÖ-Chef Uwe Scheuch bezeichnete die zwölf Tage nach dem Tod des Landeshauptmannes ausgestrahlte Sendung als pietätlos.

Haider-Satire
Unter anderem hatten die Moderatoren Dirk Stermann und Christoph Grissemann in der Sendung über Haider-Erscheinungen in Kärnten gewitzelt, weil der Klagenfurter ÖVP-Bürgermeister Harald Scheucher den verstorbenen Landeshauptmann bei der Trauerfeier mit einem Bibel-Zitat ("Seht, welch ein Mensch!") gewürdigt hatte. Das BZÖ forderte daraufhin die Absage eines Auftritts der beiden Kabarettisten in Kärnten, die FPÖ verlangte die Absetzung der Sendung.

Scheuch bezeichnete die Satire in der Diskussion am Sonntagabend als pietätlos. "Es war nicht einmal 14 Tage her, dass wir den bedeutendsten Landeshauptmann verloren haben und das Land hat getrauert und trauert heute noch", kritisierte Scheuch. Schalko ließ das nicht gelten: "Für jeden Menschen, den Sie finden, der es pietätlos findet, finde ich einen, der es richtig und notwendig gefunden hat, in dieser Situation."

Differenzierter Peichl
Eine differenzierte Bewertung versuchte der Karikaturist Gustav Peichl, der vor einer "Überhöhung" des Anlassfalles warnte. Kunst dürfe zwar alles, betonte Peichl, aber bei der fraglichen Sendung habe der Humor gefehlt. "Wenn da Humor dabeigewesen wäre, hätte es auch, glaub' ich, nicht diese wahnsinnige Reaktion gegeben von einer politischen Partei (dem BZÖ, Anm.), die halt arm ist, die eh nicht weiß was sie machen soll", so Peichl.

Die betroffenen Kabarettisten Stermann und Grissemann hatten die Teilnahme an der Diskussion übrigens abgelehnt, wie Moderator Peter Pelinka sagte.

Zitate aus der Aufreger-Sendung

Dirk Stermann: Wir haben auch 1,8 Promille, aber wir wissen wenigstens, was wir die nächsten 50 Minuten tun.

Christoph Grissemann: Darf ich Ihnen an dieser Stelle meinen Lebensmenschen vorstellen, Jörg. (simuliert weinen) Na es geht net, es geht so net.

Stermann: Meine Damen und Herrn, was ist denn hier eigentlich wirklich los in diesem Land? Es ist der dritte Held Österreichs nach Jochen Rindt und Falco, der im Auto verunfallt. Wo ist der ÖAMTC, wenn man ihn braucht? In Kärnten ist die Sonne vom Himmel gefallen, die Uhren sind stehen geblieben. Was können wir Nicht-Kärntner tun?

Grissemann: (weint) Naa, net.

Stermann: Was sollen wir jetzt tun. Reicht es, Uhren nach Villach zu schicken, oder Taschenlampen nach Klagenfurt?

Grissemann: Ich habe noch im Ohr die schönen Worte, vor allem der älteren Mitbürger in Kärnten, die gesagt haben „Ja, ja der Jörgl ist immer noch wieder zurückgekommen“.

Grissemann: Mittlerweile spricht man in Kärnten über Wunder und Erscheinungen, angeblich ist vorgestern Jörg Haider drei slowenischen Hirtenkindern erschienen.

Stermann: Was? Und?

Grissemann: Abgeschoben!

Stermann: Ehrlich?

Grissemann: Ja, selbstverständlich. Und Jörg Haider hat angeblich auch zu einer Kärntner Jungfrau gesprochen. Aus einer brennenden Ortstafel heraus!

Grissemann: Der Kärntner Wirt, bei dem Jörg Haider seine letzten Stunden verbracht hat, hat angegeben, dass Jörg Haider eigentlich Wasser bestellt habe. Aber einige Gäste haben dann eine Wodka-Flasche auf dem Tisch gesehen.

Stermann: Das heißt ja, dass Haider konnte Wasser in Wodka verwandeln.

Grissemann: Ja, das passt ganz gut zu den Worten, die der Klagenfurter Bürgermeister Scheucher beim Begräbnis gesagt hat, er hat gesagt: Seht, welch ein Mensch – also ecce homo. Ecce homo – da hat der Petzner kurz aufgemuckt.

Stermann: Aber nur, weil er ein alter Lateiner ist.




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