12. Oktober 2007 16:24

Fall Arigona 

Riesiger Medienrummel in Ungenach

Internationaler Medienrummel um das von der Abschiebung bedrohte Mädchen Arigona. Journalisten-Tross zieht in Ungenach ein.

Riesiger Medienrummel in Ungenach
© APA

Der Medienrummel, der seit Mittwoch wegen Arigona Zogaj in dem sonst so beschaulichen kleinen Ort Ungenach im Hausruckviertel herrscht, ist manchen Bewohnern zu viel. So viel Wirbel habe es zuletzt bei einem Banküberfall gegeben, sagte ein älterer Mann in einem Gespräch. Im ganzen Ort war am Freitag kaum einen Parkplatz zu finden, die Feuerwehr regelte zum Teil den Verkehr. In den Gasthäusern saßen Journalisten Tisch an Tisch mit Einheimischen.

Bürokratrie am Fall Arigona schuld
Am Stammtisch beim Kirchenwirt sind die Gäste angesichts der Medienleute und den vielen und immer gleichen Fragen des Rummels schon überdrüssig geworden. Kaum einer wollte zu dem Fall Arigona Stellung nehmen. Die 15-Jährige sei in der Schule gut integriert gewesen, äußerte sich der 44-jährige Klaus Duftschmid im Gespräch mit der APA. "Deswegen soll das Mädchen auch da bleiben." Derartige Vorfälle würden durch die Bürokratie ausgelöst, es müsste gesetzlich für Ordnung gesorgt werden.

August Brunmayr, 83 Jahre alt und auf Besuch in Ungenach, sieht eine "Schlamperei von der Regierung". "Gesetz ist Gesetz", betonte er. Es komme darauf an, wie man es auslege, sagte der Pensionist auf den konkreten Fall des Mädchens angesprochen. Er finde es gut, dass das Kind beim Pfarrer von Ungenach untergekommen ist, Brunmayrs Lebensgefährtin Maria Schweighofer sprach hingegen von "Erpressung".

Rummel wird zu viel
Nach dem dritten Tag sei bei der Bevölkerung bei dem ganzen Medienrummel eine "gewisse Sättigung" eingetreten, erzählte Bürgermeister Johann Hippmair (V). Von Abneigung gegenüber den Journalisten habe im Ort jedoch noch keiner gesprochen. "Der Rummel ist einfach manchen zu viel", erklärte das Gemeindeoberhaupt. Auch wenn sich zur Zeit in den Gasthäusern mehr Besucher einfinden würden, hätten die Wirte nicht wirklich viel mehr Geschäft gemacht.

Internationale Pressestimmen
Mit dem Titel: "Die Kosovarin, die die Welt bewegt", veröffentlichte die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag einen ausführlichen Bericht über den Fall Arigona Zogaj. "Arigonas Drama hat in wenigen Wochen das obsessive Bedürfnis nach Ruhe im reichen Österreich felix zerstört. Die Regierung ist in einer peinlichen Lage: Offiziell lehnt sie jede Forderung nach Barmherzigkeit ab, doch die öffentliche Meinung drängt. Das Drama Arigonas ist nicht isoliert. Von 34.000 Illegalen oder tolerierten Flüchtlingen in Österreich droht mindestens 1.500 Familie die sofortige Ausweisung", berichtete das römische Blatt.

"Arigonas Drama ist die Geschichte einer in Österreich illegal lebenden Flüchtlingsfamilie, die am harten Griff des reichen Europa zum Thema Asyl zerbrochen ist. Österreich spaltet sich, Arigonas Video bewegt das Land, die Grünen bringen die Leute auf die Straße, Präsident Heinz Fischer stellt sich auf Arigonas Seite und fordert eine Amnestie für die Flüchtlinge, doch die Regierung der Großen Koalition gibt nicht nach: Gegen die Immigranten muss man um jeden Preis streng vorgehen", schrieb die Tageszeitung.




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