27. September 2007 15:25

Medientage 

Rosige Zukunft für Print

Die Zeitungschefs waren sich beim Print-Gipfel auf den "Medientagen" einig: Print hat einen rosige Zukunft.

Rosige Zukunft für Print
© APA

Print lebt. In dieser Diagnose waren sich die Chefredakteure, Herausgeber und Verleger bei den Medientagen in Wien einig. Und mehr noch: "So gut wie es derzeit für Zeitungen aussieht, hat es noch nie in der Geschichte der Zeitungen ausgesehen", konstatierte Styria-Vorstand Horst Pirker. "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner hält die Zeitung gar für das "Massenmedium der Zukunft", Voraussetzung sei aber, dass sie "multimedial präsent" ist, wie "Kurier"-Chefredakteur Christoph Kotanko erklärte.

"Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid sieht den großen Vorteil der Zeitung gegenüber anderen Medien in ihrer "haptischen Erotik", schließlich könne man eine Zeitung im Bett lesen, in die Badewanne oder in die U-Bahn mitnehmen. "Print lebt und ist sein Geld wert", betonte Kotanko. Ob die Leser auch künftig bereit seien, für Zeitungen zu bezahlen, bzw. ob die Abonnementpreise gehalten oder gesteigert werden können, hänge nicht zuletzt auch von ihrer Verpackung und Inszenierung ab, meinte wiederum Hermann Petz, Vorstandschef der Tiroler Moser Holding."News"-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt führte ins Treffen, dass die "News"-Gruppe im vergangenen Jahr ihre Preise um rund zehn Prozent erhöht "und nicht einen Leser oder Abonnenten verloren" habe.

Leser nicht gleich Leser
Neben den Kauf- hätten aber auch die Gratismodelle ihre Existenzberechtigung, räumte Pirker ein, allerdings gelte es zu berücksichtigen, "dass Leser nicht gleich Leser ist". Vor allem für die Werbewirtschaft ist ein Leser, der zum Zeitungslesen Geld und Zeit in die Hand nimmt, mehr wert, als ein Gratisleser. In diesem Punkt pflichtete ihm Georg Wailand von der "Kronen Zeitung" bei. Gratis sei wie ein Besuch bei McDonald's - Kauf- wie ein Abendessen im "Steirer Eck", war sich die Mehrheit der Diskutanten einig.

An der Frage, was Qualität sei, schieden sich dann aber die Geister. Während Pirker der Meinung ist, dass "alle erfolgreichen Zeitungen Qualitätszeitungen" sind, weil sie das Bedürfnis der Zielgruppe erfüllen, und nach dieser Definition "die Krone genauso wie der Standard eine Qualitätszeitung ist", wies Föderl-Schmid diese Behauptung vehement zurück. Punkto Qualität ritt denn auch der Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Andreas Unterberger, einen Angriff gegen Voigt und dessen von ihm gerne als Qualitätsblatt bezeichnetes Magazin "News": "Ich kann dort absolut nichts an ordentlichem Journalismus feststellen", sagte Unterberger. Wolfgang Fellner attackierte seinerseits die "Wiener Zeitung", die er als "Regierungsverlautbarungsorgan" bezeichnete, das es in dieser Form "nicht einmal in Russland" gebe.

Online first?
Verschiedener Meinung waren die Medienmanager auch bei der Frage, ob für die Zukunft das Prinzip "online first" gilt. "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker baut auf dieses Prinzip und betonte, "wir müssen mit dem, was in Zeitungen an brain vorhanden ist, alle Plattformen bespielen". Die Medienwelt entwickle sich dahingehend, dass Nachrichten über Internet, Fernsehen und andere Medien - nicht aber über die Zeitung - bezogen werden. Von "News" würden die Zeitungen künftig lediglich zu fünf Prozent leben, glaubt Fleischhacker. Und Fellner geht davon aus, dass "online first automatisch über uns hereinbrechen" wird. Anders sah das "Kurier"-Chefredakteur Kotanko, der meinte, Leser würden kaum Geld für ein Blatt bezahlen, wenn alle Nachrichten schon am Tag zuvor bekannt waren - im Gegenteil "eine echte Exklusivgeschichten hat Wert und Zukunft". (APA)




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