26. September 2007 19:34

20 Jahre Universum 

Sendungschef Köhler im Interview

"Universum" hat sich zu einer österreichischen Erfolgsmarke entwickelt, die ORF-Sendereihe feiert ihren 20er. Sendungschef Walter Köhler im oe24-Interview.

Sendungschef Köhler im Interview
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Sendungschef Köhler im Interview
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oe24.at: Herr Köhler, Gratulation zum Jubiläum von „Universum“. Verraten Sie uns das Geheimnis des Erfolges dieser Sendereihe?

Walter Köhler. Eines der Rezepte ist sicherlich das, was ich „Armchair-Travelling“ nenne, die Abenteuerreise im Wohnzimmer. Man kann mit Universum in die interessantesten Winkel dieser Erde reisen und in die furchtbarsten Tropfen-Sümpfe tauchen und bleibt trotzdem unbehelligt und wird nicht nass.

oe24.at: da gibt es doch sicher auch noch andere Punkte?

Köhler: Ja, dass wir es vor zwanzig Jahren geschafft haben, ein Info-Tainment-Format zu erfinden, als es diesen Begriff noch nicht einmal. Bei „Universum“ können die Zuschauer etwas lernen und sich dabei sogar noch unterhalten. Auch das macht den Erfolg aus. Und dass wir nicht versucht haben, zu zeigen, wie die Welt zerstört wird, denn darauf reagieren die Leute nur ganz eingeschränkt. Aber wenn zeigt, wie schön diese Welt ist, dann erzeugt das bei den Menschen eine wesentlich größere Aufmerksamkeit und Betroffenheit.

oe24.at So etwas wie das „Universum“-Patentrezept gibt es also nicht, man zeigt einen Film über bestimmte Tier und die Zuschauermassen sind gewonnen?

Köhler: Ein Dauerbrenner sind Bären. Sie schauen uns Menschen einfach furchtbar ähnlich und sie sitzen auch am Hintern wie wir. Aber bei „Universum“ liefen auch die großen Insektenfilme hervorragend. Vordergründig betrachtet, sagt man sich vielleicht, Insekten wollen die Menschen nicht sehen. Aber es kommt immer auf die Gestaltung an, wie man etwas zeigt. Unser Ameisenfilm war unheimlich erfolgreich, denn wir haben eine Methode gewählt, Ameisen in einer künstlichen Welt, in einer gläsernen Stadt zu zeigen. Und dann sieht man plötzlich eine Ameise, die das Hundertfache ihres Körpergewichtes trägt. Solche Geschichten begeistern die Zuschauer und die finden das unglaublich spannend.

oe24.at Welche waren denn auf die Zuschauerzahlen bezogen, die erfolgreichsten Sendungen?

Köhler Da muss man zwei Dinge unterscheiden. Zum einen internationale Beiträge und Eigenproduktionen und zum anderen die Zuschauerzahlen vor und seit der Einführung des Teletest. Mit mehr als 2,6 Millionen Zuschauern nach der alten Tagebuch-Messmethode war "Die schönsten Wasserfälle der Welt" aus dem Jahr 1989 die erfolgreichste Sendung. Die "Die Gärten des Poseidon“ ist nach dem alten Infratest mit bis zu 1,9 Millionen Sehern die erfolgreichste Eigenproduktion. Nach der Einführung des Teletest im Jahr ist "Sankt Stephan - Der lebende Dom" aus dem Jahr 1997 mit fast 1,5 Millionen Zuschauer die erfolgreichste Eigenproduktion. Auch die Alpen-Serie war ein großer Erfolg und vor allem „Es lebe der Zentralfriedhof“ aus dem Jahr 2005. Das war ein wirklich unerwarteter Erfolg und erzielte mit mehr als 1,2 Millionen Sehern die stärkste Zuschauerquote seit dem Jahr 2000.

oe24.at: Ist es „Universum“ gelungen, auch so etwas wie eine österreichische Handschrift oder ein internationales Vorbild zu entwickeln?

Köhler Darauf sind wir am meisten Stolz, dass diese Vision funktioniert hat. Unser Vorbild war immer die Natural History Unit der BBC, für die rund 250 Leute arbeiten. Unsere Idee war es, mit Universum eine kleine Power-Gruppe, eine kleines Universum mit einer Sonne in der Mitte als Energieträger, um die Produktionssatelliten kreisen und die sich auf das Gestalten der Filme konzentrieren können, zu schaffen. Das ist uns gelungen. Wir haben Universum zur Marke gemacht und mit dieser Organisationsform die große internationale Welt erobern, was unsere deutschen Kollegen nicht annähernd in diesem Ausmaß geschafft haben.

oe24.at Wie geht es mit "Universum" weiter?

Köhler Für uns ist die Geburtstagssendung am 27. September auch so etwas wie ein Pilotversuch, denn im nächsten Jahr starten wir vielleicht ein neues Format, die „Universum-Show“, durch die Erich Pröll führen wird. Das soll eine vierteljährliche Sendung sein, in die wir drei Kurz-Dokus einbetten, der Präsentator soll die einzelnen Geschichten miteinander verbinden. Denn es gibt sehr viele gute Geschichten, für die aber 50 Minuten zu lange sind, die aber erzählten werden sollten. Diese Show kann auch ein bisschen unsere Lehrwerkstatt sein, denn der Nachwuchs hat es ohnedies sehr schwer. Und wir arbeiten an einem Großprojekt, zu dem ich aber nicht mehr verraten kann.

oe24.at Wie geht es Ihnen persönlich, als verantwortlicher Sendungschef und früherer Gestalter, wollen Sie nicht auch heute noch gelegentlich den einen oder anderen Film drehen?

Köhler Da gibt es natürlich ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber ich versuche, alle zwei Jahre einen Newcomer unter meine Fittiche zu nehmen und mit diesem einen Film zu erarbeiten. Auf der anderen Seite täte es mich unheimlich reizen, mit einem meiner Mitarbeiter den Sessel zu tauschen und sagen, kümmere du dich um das Organisatorische und ich mache den Film. Eigentlich wollte ich die Sendungsleitung nur fünf Jahre machen und dann wieder Beiträge gestalten, aber dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt.




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