04. Dezember 2007 13:16

Sender-Rebellen 

Situation im ORF ist trist

ORF-Redakteure kritisieren den Sparkurs von Alexander Wrabetz und Sissy Mayerhoffer: "Situation ist trist, wie selten zuvor."

Situation im ORF ist trist
© ORF

Die Redakteure des ORF fordern eine öffentliche Diskussion über die Zukunft ihres Unternehmens und wehren sich dagegen, die Debatte auf das Thema Gebührenerhöhung zu fokussieren, wie es derzeit geschieht. "Das hieße die ursächlichen Probleme (bewusst?) zu ignorieren", erklärten die Redakteurssprecher Danielle Spera und Fritz Wendl am Dienstag gegenüber der APA. Die derzeitige ORF-Situation sei "trist, wie selten zuvor".

"Das Defizit ist ein strukturelles, das nur durch strukturell wirksame Maßnahmen nachhaltig saniert werden kann", die Publikumsakzeptanz sei in einigen Bereichen "deutlich unter hinnehmbaren Werten" und die Aufbruchsstimmung, die vor einem Jahr unter den Mitarbeitern herrschte, "ist weg", skizzierten die Redakteursräte die Lage. Es müsse nun darum gehen, den Stellenwert des ORF, "seine gesamtgesellschaftliche, demokratiepolitische und kulturelle Bedeutung zu verdeutlichen".

Andere Zusammensetzung des Stiftungsrats
Für die Redakteure gilt es, den ORF zu stärken und seine Unabhängigkeit - etwa durch eine andere Zusammensetzung des Stiftungsrats und durch eine Verbesserung des Redakteursstatuts - unantastbar zu machen. Außerdem müsse die ökonomische Grundausstattung gesichert werden. Dazu gehören vor allem auch die Refundierung der Gebührenbefreiungen und die Aufhebung der Werbebeschränkungen. Die 2001 unter ÖVP und FPÖ per Gesetz "verursachten Unternehmensschädigungen" sollten "schleunigst" repariert werden.

Der ORF dürfe nicht länger auf eigene Kosten Leistungen vollbringen, "die zu den Aufgaben der Sozialpolitik, der Behörden und der Kulturpolitik gehören", kritisierten die Redakteure. Das beinhalte auch, dass die Rundfunkgebühren - "moderat, der allgemeinen Teuerung entsprechend - ohne Tamtam und Gnadenaktgehabe angepasst werden", und zwar auf gesetzlicher Basis.

Rasenmähermethode falsch
Nötig sei außerdem ein Bekenntnis zum Kerngeschäft des ORF, dazu gehöre vor allem das Informationsangebot im Fernsehen, im Radio, online und bei den Landesstudios. Für die von der ORF-Geschäftsführung geplanten Budget- und Personalsparmaßnahmen haben die ORF-Journalisten "nicht das geringste Verständnis", heißt es. "Sparen, selbstverständlich ja, aber nicht nach der Rasenmähermethode und dem Zufallsprinzip von Pensionsterminen, sondern nach nachvollziehbaren, argumentierbaren Kriterien." Die Umsetzung der bisher kolportierten Sparpläne würde nach Meinung der Redakteursvertreter "nachhaltige Schädigungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bedeuten".

"In Aufregung und Sorge" befand sich am Dienstag einmal mehr auch die heimische Filmwirtschaft, die sich vom ORF nicht ausreichend unterstützt fühlt. Sie forderte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zu einer "aktiven Politik zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags" auf. Kritik erntete in dem Zusammenhang die neue Serienprogrammierung auf ORF 1: Für die Filmwirtschaft sei es "ausgesprochen erklärungsbedürftig, warum auf ORF 1 so viele US-Serien wie auf RTL, Pro7 und Sat1 zusammen laufen. Wir sehen hier eine Unverträglichkeit mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF."

Filmwirtschaft empört
Dass der ORF angesichts des andauernden Quotenverlusts bei den genuin österreichischen Programminhalten sparen will, die "quotenmäßig von besonderer Bedeutung sind", ist für die Filmwirtschaft völlig unverständlich. Mit Empörung stellte die Branche weiters fest, dass "der Personalstand des ORF von ca. 2.600 unter Gerhard Zeiler auf nunmehr ca. 4.500 Fixangestellte anwachsen konnte". Für die Filmschaffenden trägt dieser hohe Personalstand zur finanziellen Unbeweglichkeit des Senders bei und sei mitunter an der momentanen Finanz- und Programmmisere Schuld.




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