24. Jänner 2008 11:55

Nazibilder-Prozess 

Stadler belastet Strache

Der ehemalige freiheitliche Klubobmann Ewald Stadler hat am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht in einem von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache angestrengten Medienverfahren diesen schwer belastet

Stadler belastet Strache

Auf jenem von der Tageszeitung ÖSTERREICH veröffentlichten Foto, das Strache beim sogenannten Widerstands- bzw. Kühnengruß zeigen soll, trage Strache eine auffällige Krawatte. Auf dieser sei nämlich die Reichskriegsflagge aus dem ersten Weltkrieg zu sehen, sagte Stadler im Zeugenstand.

Dieses Emblem sei "ideologisch konnotiert", betonte der mittlerweile aus der FPÖ ausgeschiedene Ex-Politiker, der zuletzt als Kontrahent Straches galt. "Es war in der Szene damals sehr beliebt", bemerkte Stadler unter Anspielung auf das gegenständliche Foto, das Strache im Kreis von Burschenschaftlern zeigt.

Die Reichskriegsfahne existiert seit 1867 in verschiedenen Darstellungsformen. Sie war die offizielle Kriegsflagge der Streitkräfte des Deutschen Reichs und später der Wehrmacht. In Deutschland ist die Darstellung und Verbreitung der Version mit dem Hakenkreuz strafbar: Die Reichskriegsflagge gilt als ein beliebtes Symbol in der Neonazi-Szene und soll vor allem als Aufnäher oder T-Shirt-Motiv Verwendung finden.

FPÖ "bedauert" Stadler
"Hochamüsiert" und gleichzeitig mit "Bedauern" hat die FPÖ auf die Aussagen des aus der Partei ausgetreten Ewald Stadler im Prozess um die Jugendfotos von Parteichef Heinz-Christian Strache reagiert. Es sei "bedauerlich, mitansehen zu müssen, wie jemand wie Ewald Stadler so tief sinken" könne und "seine Zuflucht zu manipulativen Konstrukten suche, die nur mehr peinlich seien", so FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky in einer Aussendung.

Auch Zeit-Historiker belastet Strache
Der Wiener Zeitgeschichte-Professor Gerhard Botz hält es für "das Naheliegendste", dass das in der Tageszeitung "Österreich" erschienene Foto Heinz-Christian Strache bei der Abwandlung eines Hitler-Grußes und nicht beim Bestellen von drei Bier zeigt. Das gab der als sachverständige Zeuge geladene Geschichtswissenschafter am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht zu Protokoll. Es sei "nicht auszuschließen, dass es eine alltägliche, verlockerte Ausübung des Kühnen-Grußes ist".

Küssl entlastet Strache
Richterin Alexandra Mathes befragte neben Ewald Stadler und Gerhard Botz unter anderem den Gründer der Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO), Gottfried Küssel, sowie Franz Radl, die in den 90er Jahren beide wegen Wiederbetätigung vor Gericht standen. Lesen Sie hier mehr dazu.




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