14. November 2007 17:17

ORF-Sparkurs 

"Stellenabbau in dreistelliger Größenordnung"

Keine automatischen Nachbesetzungen mehr im Budget der Kaufmännischen Direktorin vorgesehen, Zentralbetriebsrat tobt.

"Stellenabbau in dreistelliger Größenordnung"

Sparmaßnahmen im ORF wird es in nächster Zeit nicht nur im Programm sondern auch beim Personal geben. Generaldirektor Alexander Wrabetz hat die Weisung ausgegeben, freiwerdende Stellen nicht mehr "automatisch" nachzubesetzen. Dadurch sollen unter anderem auch Strukturveränderungen im ORF leichter möglich werden. Empörung löst dieses Vorhaben indes beim Zentralbetriebsrat aus. Obmann Heinz Fiedler, der über die Pläne vorab nicht informiert war, beschwerte sich in einem Brief an den ORF-Chef über dessen Vorgehen.

Bis 400 Jobs betroffen
Von den Evaluierungsmaßnahmen könnten in den nächsten Jahren bis zu 400 Posten betroffen sein, Zentralbetriebsratsobmann Fiedler schreibt in seinem Brief an den ORF-Generaldirektor von einem "Stellenabbau in dreistelliger Größenordnung". Für Fiedler steht fest, dass Wrabetz den Betriebsrat - gemäß der ORF-Betriebsverfassung - von seinen Plänen in Kenntnis hätte setzen müssen.

"Es stellt sich mir in dieser ernsten Situation die Frage, ob die gewählte Vorgangsweise auf Unwilligkeit oder Unfähigkeit beruht, die Betriebsverfassung einzuhalten und einen kooperativen Stil im Umgang mit der Personalvertretung zu pflegen", schrieb er. Die Betriebsräte fordern den ORF-Chef daher auf, "die offensichtlich geplanten Maßnahmen vor ihrer Weiterverfolgung gegenüber der Belegschaft offen zu legen und sich in Zukunft auf einen gesetzestreuen Führungsstil zu besinnen", so die deutlichen Worte Fiedlers.

Klassische Management-Aufgabe
ORF-Kommunikationschef Pius Strobl bezeichnete das Vorhaben im Gespräch mit der APA als "klassische und notwendige Managementaufgaben, die vom Generaldirektor und der Kaufmännischen Direktorin umgesetzt werden". "Sparen heißt nun mal sparen, und zwar auf allen Ebenen und in allen Strukturgliederungen."


Von einem "Kündigungsplan" könne aber keine Rede sein. Vielmehr solle jede Nachbesetzung "kritisch auf ihre Notwendigkeit für das Kerngeschäft des ORF hinterfragt werden", der Programmoutput werde dadurch aber keinesfalls gefährdet, sondern im Gegenteil langfristig abgesichert. Die Maßnahme ist Teil des Budgetplans 2008, der in der Nacht auf Mittwoch fertiggestellt wurde und am Donnerstag an die ORF-Stiftungsräte versandt wird.

Betriebsrat war informiert
ORF-Kommunikationschef Pius Strobl hat am Mittwoch die Vorwürfe des Zentralbetriebsrates des ORF, Heinz Fiedler, im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen die Betriebsverfassung nicht eingehalten zu haben, zurückgewiesen. Außerdem sei Fiedler sofort nach Fertigstellung des Finanz- und Stellenplans kontaktiert und zu einem Gespräch mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eingeladen worden, so Strobl in einer Aussendung.

Dabei sei es darum gegangen, über geplante Maßnahmen zur Hebung der Wirtschaftlichkeit zu informieren. Dies umfasse "selbstverständlich auch Überlegungen der Geschäftsführung im Zusammenhang mit Personalfragen", so Strobl. Der von Fiedler "implizierte Vorwurf", dass einschlägige gesetzliche Bestimmungen nicht eingehalten worden wären, entspreche nicht den Tatsachen und sei zurückzuweisen.

Wrabetz hatte die Weisung ausgegeben, freiwerdende Stellen nicht mehr "automatisch" nachzubesetzen. Fiedler erklärte am Mittwoch, über die Pläne im Voraus nicht informiert gewesen zu sein und stellte den Vorwurf in den Raum, Wrabetz habe damit die ORF-Betriebsverfassung nicht eingehalten.




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