19. August 2008 14:13

TV-Kurios 

Streit um ORF-Fake-Doku

Der "Steffl" gilt den Wienern als Heilige Kuh. Jetzt kratzte eine ORF-Doku an dem Denkmal. Erzdiözese beklagt "absurde Sommerloch-Story".

Streit um ORF-Fake-Doku
© ORF

Aufregung um eine nicht gekennzeichnete Fake-Dokumentation in der ORF-Kultursendung "art.genossen". Die Kultursendung berichtete am Montagabend über die angebliche Pläne zur Aufstockung des Nordturms des Wiener Stephansdoms. Darüber zeigt sich die Erzdiözese Wien nicht sonderlich erfreut. Dom-Pfarrer Toni Faber spielt hingegen selbst in der Doku mit.

Dementi der Erzdiözese
"Der Stephansdom bekommt keinen zweiten Turm, der unausgebaute Nordturm bleibt wie er ist", betont Erich Lichtenegger, Pressesprecher der Erzdiözese, am Dienstag per Aussendung.

Promi-Statements
Der ORF hatte im Vorfeld der am Montagabend auf ORF 2 ausgestrahlten Dokumentation angekündigt, die "art.genossen"-Redaktion sei bei ihren Recherchen auf einen konkreten Plan zum Bau des unvollendeten Nordturms gestoßen. Allerdings fehlte in den Ankündigungen des öffentlich-rechtlichen Senders jeder Hinweis, dass es sich um einen Satire-Beitrag handelt. In der Dokumentation kamen unter anderem Dom-Pfarrer Toni Faber, Kulturministerin Claudia Schmied und Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin im 1. Wiener Gemeindebezirk, zu Wort.

Große Verwirrung
Auf Grund der entstandenen Verwirrung hat sich die Erzdiözese am Dienstag bemüßigt gefühlt, den Spekulationen ein Ende zu bereiten: "Das Domkapitel - das einzig kompetente Organ für Baumaßnahmen am Stephansdom - war noch nie mit einer solch absurden Idee konfrontiert", so Leitenberger. Schon angesichts der ungeheuren Kosten, würde "in Zeiten, in denen Pensionisten, Alleinerziehende und Mehrkinderfamilien kaum über die Runden kommen, niemand an ein solches Vorhaben auch nur denken".

Provokation
Der ORF argumentiert, der Beitrag sei in erster Linie als Provokation gedacht gewesen, so Kommunikationschef Pius Strobl. Dass eine solche Aktion die Glaubwürdigkeit der Kultursendung untergraben könne, sieht man beim ORF nicht. Das Stilmittel der Fake-Doku sei bewusst gewählt worden, "um ein an sich ernstes und von vielen Emotionen begleitetes Thema - Architektur und Stadtgestaltung - aufzugreifen und eine breitgeführte Diskussion darüber anzuregen". Dieses Projekt hält der Sender für "gelungen" - nicht zuletzt dank der "hochkarätigen 'Kollaborateure', wie Bildungsministerin Claudia Schmied und Dompfarrer Toni Faber".

Europameister-Fake
In Österreich war zuletzt die - als solche angekündigte - Fake-Dokumentation "Das Wunder von Wien" zu sehen, die davon ausging, dass die Nationalelf die Fußball-Europameister gewonnen hat. Aufruhr und Empörung um eine politische Scherz-Reportage hat es vor rund zwei Jahren in Belgien gegeben. Damals hatte das französischsprachige öffentlich-rechtliche Fernsehen zur besten Sendezeit überzeugend berichtet, das flämische Regionalparlament habe die Unabhängigkeit des niederländischsprachigen Landesteils erklärt. Erst nach einer halben Stunde klärte der Sender über die Inszenierung des Dramas auf - Bevölkerung und Politiker reagierten entrüstet.




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