25. September 2008 15:32

Medientage 

Verleger suchen Online-Geschäftsmodelle

Verleger auf der Suche nach Online-Geschäftsmodellen, aber kaum Pessimismus zur Zukunft von Print.

Verleger suchen Online-Geschäftsmodelle

Nach wie vor beschäftigt das Thema Online die traditionellen Verlagshäuser. "Man muss zugeben, dass wir Printleute ein ganz wunderbares Geschäftsmodell für Print haben, aber noch keine Idee, wie wir dieses Modell eins zu eins aufs Internet übertragen", brachte es Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ, am Donnerstag bei den Österreichischen Medientagen auf den Punkt. Darin, dass künftig keine Printzeitung ohne Onlineangebot auskommt, waren sich die Verleger einig. Zugleich gaben sich die Medienmacher optimistisch, was die Zukunft von Print angeht.

Drei Modelle
Der Vorstand der Styria Medien AG, Horst Pirker, sieht drei Möglichkeiten, wie Verleger den Herausforderungen der digitalen Welt begegnen: "Man versucht angestammte Marken in die digitale Welt zu transformieren, man beteiligt sich an erfolgreichen digitalen Marken" oder man ruft "start ups" oder "spin offs" ins Leben.

Die meisten österreichischen Verlagshäuser verfügen mittlerweile über eigene Onlineredaktionen. Uneinig waren sich die Diskutanten darüber, ob Online mit Print konkurrieren oder zusammenarbeiten soll. Eugen Russ vom Vorarlberger Medienhaus vertrat die These, dass die beiden Bereiche strikt getrennt und gegeneinander aufgestellt werden müssen. "Wir versuchen, Online die Freiheit zu geben, gegen Print anzutreten. Wir dürfen nicht die Angst haben, dem alten Geschäft zu schaden oder versuchen, es zu schützen", so Russ.

Trennung in eigene Unternehmen
"Standard"-Herausgeber Oskar Bronner trennt die Bereiche Online und Print ebenfalls in unterschiedliche Firmen, setzt aber auf intensive Zusammenarbeit und Synergieeffekte. "Man geht dazu über, die Reichweiten beider Medien zu addieren", so Bronner, der künftig auch in der Werbung gemeinsame Sache machen und den Werbetreibenden "Paketlösungen anbieten" will.

Online First bei ÖSTERREICH/oe24
Bei Wolfgang Fellner gilt das Prinzip "online first", dennoch sind Print und Online getrennte Bereiche. Der "Österreich"-Herausgeber hält "online für die ideale Ergänzung und Weiterführung von Print", sagte er und bekam von "News"-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt recht. "Ich bin ein großer Verzahnungsfreund", so Voigt. "Bei uns arbeiten die Redakteure beider Bereiche miteinander und nicht gegeneinander."

Suche nach Verkaufstricks
Entwicklungsbedarf gibt es indes noch bei der Vermarktung der Onlineangebote. "Wir brauchen vernünftige Vermarktungsmodelle", sagte Franz Prenner, Geschäftsführer der Mediaprint. Hans-Jürgen Jakobs, von der "Süddeutschen Zeitung"-Online appellierte: "Wir brauchen mehr Verkäufertricks, wir müssen uns aggressiver vermarkten."

Rückstand bei Online-Werbung
Laut Bronner hinkt die österreichische Medienbranche anderen Ländern in Sachen Online hinterher, so auch in Sachen Onlinewerbung. Dabei habe Onlinewerbung enorme Vorteile gegenüber anderen Medien, wie etwa, dass man Fehlstreuung besser vermeiden könne. Er selbst macht mit dem "Standard" mittlerweile 20 Prozent seines Umsatzes mit Online und geht davon aus, dass es in drei Jahren rund 40 Prozent sind. Russ will "mittelfristig 25 bis 30 Prozent des Gesamtumsatzes mit Online machen", Fellner hofft langfristig sogar auf 50 zu 50, wobei er derzeit noch knapp unter zehn Prozent seines Umsatzes aus dem Internet generiert.

Plattform Papier am Anfang
Davon, dass es die Printzeitungen weiter geben wird, waren die Verleger überzeugt. Pirker sieht die "Plattform Papier" gar erst am "Anfang der Ausschöpfung ihres Potenzials und nicht am Ende". Russ geht davon aus, dass Print erst eine Revolution bedarf und nicht in seiner jetzigen Form bewahrt werden darf. Einig war man sich auch darin, dass Content im Internet auch künftig gratis anzubieten ist.

Das eigentliche Thema der Diskussionsrunde lautete, "Wie Verlage die Herausforderung des digitalen Zeitalters Web 3.0 meistern". Das Web 3.0 soll die Suche nach Informationen und die Bewältigung der Informationsflut im Internet erleichtern. Peter Kropsch, Geschäftsführer der APA-Austria Presse Agentur, betonte, dass "Web 3.0 kein Konzept für Einzelkämpfer" ist. "Hier sind Kooperationen gefragt", so Proksch. Er geht aber davon aus, dass das Web 3.0 noch einige Zeit brauchen wird, bis es Relevanz erlangt: "Einige rechnen mit 2010, ich glaube eher, dass es noch zehn Jahre dauern wird."




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