08. Juli 2008 13:07

Geldquelle 

Wahlkampf lässt Werbemillionen sprudeln

Die anstehenden Neuwahl könnten der Medien- und Werbebranche zusätzliches Geld bringen, 2006 flossen 24 Millionen Euro in Wahlwerbung.

Wahlkampf lässt Werbemillionen sprudeln
© sxc

Auf Freude ist die Botschaft über die Neuwahlen in der Werbe- und Medienbranche gestoßen. "Dadurch wird hoffentlich die schlechte Buchungslage während der EURO wettgemacht", hofft Gerald Grünberger, Generalsekretär des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Printtitel und Plakate sind im Wahlkampf üblicherweise die größten Nutznießer, aber auch Privat-TV, Privatradio und Online können sich über zusätzliche Werbegelder freuen.

Millionen-Geschäft
Im letzten Wahlkampf lagen die Ausgaben für Wahlwerbung bei rund 24 Millionen Euro. Zeitungen und Zeitschriften bekamen davon 15 Millionen Euro - und auch heuer dürften sich die Printtitel wieder zusätzliche Werbegelder zwischen zehn und 20 Millionen Euro teilen, schätzt Klaus Fessel, Chef von Focus Media Research. 2006 stammte das meiste Geld der Printwerbung mit 32,2 Prozent von der ÖVP. Der SPÖ-Werbeanteil lag bei 27,8 Prozent, die Werbung der FPÖ machte 13,7 Prozent und die des BZÖ 11,7 Prozent aus. Die Grünen investierten mit 5,7 Prozent am wenigsten in Printwerbung.

Werbeverbot im ORF
Der ORF profitiert von den Wahlen - zumindest bei den Werbegeldern - auf Grund entsprechender politischer Werbeverbote im ORF-Gesetz kaum. "Wir dürfen im Fernsehen und Radio leider keine Werbezeiten an Parteien verkaufen", so ORF-Enterprise-Chef Walter Zinggl. Anders liegt die Sache bei ORF-ON (orf.at) und im ORF-Teletext. Dort könnte der öffentlich-rechtliche Sender im Wahlkampf immerhin einen "knapp sechsstelligen Betrag" erwirtschaften, berichtet der ORF-Werbechef.

Marktbelebender Wahlkampf
Peter Drössler, Obmann des Fachverbands für Werbung und Marketing in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), rechnet damit, dass sich der Wahlkampf auf die Werbebranche "kurzfristig marktbelebend" auswirkt. Aufgrund des zu erwartenden kurzen Wahlkampfes dürfte diesmal allerdings weniger Geld in Werbeetats fließen, als sonst bei Nationalratswahlen üblich. Auch in Relation zum Gesamtwerbevolumen, das rund drei Milliarden Euro beträgt, dürfe man die Wahlwerbung nicht überbewerten, so Drössler.

Wenn der ORF im Fernsehen schon nicht von der Parteienwerbung profitieren kann, so dürfte er sich zumindest über höhere Einschaltquoten freuen. Die sommerbedingten Quoteneinbrüche könnten dank Wahlkonfrontationen, Sommergesprächen und Wahlberichterstattung nicht so drastisch ausfallen. Über das genaue Prozedere der ORF-Sommergespräche und der Wahlkonfrontationen wird derzeit im ORF übrigens noch beraten.

Top-Quoten
Die Quoten der "Zeit im Bild" lagen am Montagabend bereits höher als sonst: 1,2 Millionen Menschen verfolgten die Hauptnachrichten auf ORF 2, in denen Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) die Koalition aufkündigte und noch einmal "es reicht" sagen durfte. Zum Vergleich: In der Vorwoche pendelten die Zuseherzahlen für die "ZiB" zwischen 635.000 und 921.000. Bei der vergangenen Wahl im Jahr 2006 erreichte der öffentlich-rechtliche Sender am Wahlabend vom 1. Oktober mit der "ZiB" 2,175 Millionen Zuschauer. Auch ATV vermeldete am Dienstag einen Quotenerfolg: Durchschnittlich 123.000 Österreicher verfolgten am Montagabend um 19.20 Uhr die Nachrichten des Privatsenders.




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