23. November 2007 08:58

Geheime Allianz 

Wirbel um Medien-Absprachen unter Berlusconi

Der TV-Zar soll politische Berichterstattung des Staatsfernsehens beeinflusst haben

Wirbel um Medien-Absprachen unter Berlusconi
© AFP

Die beiden größten Fernsehgruppen in Italien, die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI und Mediaset um den Medien-Tycoon Silvio Berlusconi, sollen in den vergangenen Jahren eine geheime Allianz geschlossen haben, die angeblich auch die politische Berichterstattung zugunsten des Ex-Regierungschefs beeinflusst hat.

Wie aus abgehörten Telefongesprächen von RAI- und Mediaset-Managern hervorgeht, sollen Berlusconi und seine Mitarbeiter in den Jahren 2004 und 2005, als der TV-Zar noch als Ministerpräsident im Amt war, eine okkulte Strategie mit Spitzenvertretern der RAI ausgearbeitet und deren Programme und politische Berichterstattung zutiefst beeinflusst haben.

Geheime Absprachen
Zwischen dem damaligen Chefredakteur der Tagesschau von RAI 1, Clemente Mimun, und seinem Amtskollegen bei den Mediaset-Nachrichten TG 5, Carlo Rossella, seien täglich Informationen ausgetauscht worden und Vereinbarungen für eine Berlusconi- freundliche Berichterstattung getroffen worden, geht aus den Abhörungen hervor. Auch der Ex-Direktor von RAI 1, Fabrizio Del Noce, sei mit im Bund gewesen. Mimum hatte kürzlich die RAI verlassen und Rossella als Chefredakteur von TG 5 abgelöst.

Interne Untersuchung
Die Telefongespräche der TV-Manager und Chefredakteure wurden im Rahmen einer Untersuchung über die Pleite der Meinungsforschungsgesellschaft HDC unter Kontrolle eines ehemaligen Vertrauten Berlusconis, Luigi Crespi, aufgezeichnet und teilweise von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlicht. Nach dem "Repubblica"-Bericht leitete die RAI eine interne Untersuchung ein. "Die Pflicht des Staatsfernsehens, dem Land eine unabhängige Berichterstattung zu garantieren, ist zutiefst missachtet worden. Dasselbe gilt für die Prinzipien der freien Konkurrenz", kritisierte Walter Veltroni, Chef der stärksten Regierungspartei, der Demokratischen Partei (PD). Der Fall beweise, dass eine Reform des Staatsfernsehens dringend notwendig sei.

Vorwürfe zurückgewiesen
Mediaset wies die Vorwürfe entschieden zurück. "Dass RAI und Mediaset sich scharfe Konkurrenz machen, ist jedem klar. Es ist normal, dass Chefredakteure verschiedener Tagesschauen in Verbindung stehen und Meinungen austauschen", betonte das Verwaltungsratmitglied der Mediaset, Gina Neri. Mediaset werde eine Klage wegen Verleumdung einreichen, sagte Neri.

Der Chefredakteur des TG 5, Carlo Rossella, wies die Vorwürfe entschieden zurück. "Ich bin seit 40 Jahren Del Noces Freund. Ich spreche mit ihm über alles Mögliche, auch über Politik", sagte Rossella, der derzeit den Posten des Präsidenten der Berlusconi-eigenen Filmproduktionsgesellschaft Medusa bekleidet. Die Forza Italia sprach von einer neuen Kampagne zur Vernichtung von Berlusconis Mediengesellschaft.




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