28. November 2008 08:13

ÖSTERREICH-Interview 

Wrabetz: "Gezielte Kündigungen in Einzelfällen"

ORF-General Alexander Wrabetz im einzigen Interview über die Zukunft des ORF.

Wrabetz: "Gezielte Kündigungen in Einzelfällen"
© TZ ÖSTERREICH/Erich Reismann

ÖSTERREICH: Sie haben erstmals auch von Kündigungen gesprochen. Zu wie vielen wird es im ORF kommen?

Alexander Wrabetz: Wir müssen zu den 250 Mitarbeitern, die über den natürlichen Abgang bis 2010 abgebaut werden sollen, noch 200 Mitarbeiter zusätzlich abbauen. Zum Teil über Altersfluktuation ohne Nachbesetzung und auch über Angebote an MitarbeiterInnen, früher in Pension zu gehen. Da unsere Mitarbeiter und Betriebsräte immer klagen, dass bei den Personal- und Sachkosten nach dem „Rasenmäherprinzip“ linear überall gespart wird, werden wir auch um gezielte Kündigungen in Einzelfällen nicht herumkommen.

ÖSTERREICH: Sie haben auch ziemlich klar die Absiedelung des ORF vom Küniglberg angekündigt, ist die Entscheidung dazu schon gefallen?

Wrabetz: Nein, aber die Chance für einen neuen Standort liegt nach unseren bisherigen Prüfungsergebnissen bei über 50 Prozent. Die Entscheidung hängt auch von einer sehr tief gehenden Standortkonzeption ab, die derzeit mit allen Details ausgearbeitet wird. Dieses Konzept umfasst alle bisherigen Wiener ORF-Standorte: Küniglberg, Funkhaus in der Argentinierstraße und das Ö3-Haus in Heiligenstadt. Diese Konzepterstellung werden wir zügig vorantreiben und dann werden wir die Entscheidung treffen.

ÖSTERREICH: Stehen schon neue Standorte zur Wahl?

Wrabetz: So viele Anbieter und Flächen, die für einen möglichen ORF-Standort in Frage kommen, gibt es ja nicht. Wir werden die Anbieter verschiedener Standortmöglichkeiten mit unserem Standort-Profil konfrontieren, denn wo das ORF-Zentrum künftig steht, wird auch davon abhängen, was uns diese Grundstücke für Bedingungen anbieten können.

ÖSTERREICH: Kann es auch ein Standort außerhalb Wiens sein?

Wrabetz: Ich glaube, dass Wien uns ein so überzeugendes Angebot machen wird, dass nichts anderes in Frage kommt. Ohne die Stadt Wien geht nichts, denn es geht auch um die Frage der Widmung des derzeitigen ORF-Zentrums auf dem Küniglberg und vieles mehr. Einen komplett neuen Medienstandort zu entwickeln, könnte für Wien und Österreich eines der Stadtentwicklungs-Leitprojekte der nächsten fünf Jahre sein.

ÖSTERREICH: Da geht es um die finanzielle Förderung?

Wrabetz: Es ist keine Frage des Geldes, sondern vor allem von Infrastruktur, Synergien und vielen anderen Faktoren.

ÖSTERREICH: Auch wenn es gestern in erster Linie um Personalentscheidungen ging, welche Sendungen wird es nicht mehr geben?

Wrabetz: Jetzt ging es einmal um die Entscheidungen beim Personal und den Strukturen für die kommenden zwei Jahre, um handlungsfähig zu sein, unabhängig zu bleiben und beim Budget von den Verlusten wieder auf die Null-Linie zu kommen. Unser Programmziel ist klar: Unsere Seher und Hörer sollen möglichst auf nichts verzichten müssen.

ÖSTERREICH: Warum halten Sie an allen sechs Direktoren fest?

Wrabetz: Die Direktoren haben gültige Verträge und sind bis zum 31. Dezember 2011 bestellt. Wir brauchen jetzt keine Führungsdiskussion, sondern entschlossene Manager.

ÖSTERREICH: Aber Sie könnten sich eine Reduktion um ein oder zwei Direktionen vorstellen?

Wrabetz: Am Beginn der nächsten Geschäftsführungsperiode wird zu entscheiden sein, ob man nach dem ORF-Gesetz, in dem vier bis sechs Direktoren vorgeschrieben sind, an die untere Bandbreite geht. Aber das ist derzeit nicht aktuell.

ÖSTERREICH: Aber Sie könnten sich eine Reduktion um ein oder zwei Direktionen vorstellen?

Wrabetz: Am Beginn der nächsten Geschäftsführungsperiode wird zu entscheiden sein, ob man nach dem ORF-Gesetz, indem vier bis sechs Direktoren vorgeschrieben sind, an die untere Bandbreite geht. Aber das ist derzeit nicht aktuell.

ÖSTERREICH: Warum haben sie gestern die Betriebsräte versetzt?

Wrabetz: Meine Direktoren und ich haben sie nicht versetzt, sondern unsere Geschäftsführungssitzung, in der wir noch einmal das ganze Paket vor der Information der Belegschaft diskutiert haben, hat leider um eine halbe Stunde länger gedauert. Und das wollten die Betriebsräte nicht akzeptieren und haben nach Ende unserer Sitzung das Treffen verweigert Also ganz verstehe ich die Reaktion nicht, denn haben wir alle diese Betriebsräte für den ganzen Tag dienstfrei gestellt, damit ausreichend Zeit für ihre Arbeit ist. Ich bedauere die von uns verursachte Verzögerung sehr, aber es sind ja schon vier weitere Termine für die Gehaltsverhandlungen vereinbart. Jetzt haben die heute verkündeten Maßnahmen die Mitarbeiter vor den Betriebsräten erfahren, geplant wäre es umgekehrt gewesen.

Interview: Albert Sachs




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