09. Februar 2009 12:15

ORF-Finanzen 

Wrabetz: Staat bezahlt den ORF nicht

Alexander Wrabetz will das Geld aus der Gebührenbefreiung in Schritten vom Staat zurück, der ORF-General sieht sich selbst fest im Sattel.

Wrabetz: Staat bezahlt den ORF nicht
© AP

Die Republik Österreich behält Millionen-Beträge zurück, die eigentlich dem ORF zustehen. So sieht es Sender-Chef Alexander Wrabetz im Interview mit dem Branchenmagazin "Extradienst". Wrabetz will den durch die Gebührenbefreiung entstehenden Finanzausfall schrittweise zurück.

250 Millionen aus Gebühren für den Staat und Länder
"Mit einem Volumen von rund 60 Millionen Euro ist das eine vom Staat bestellte Leistung, die nicht bezahlt wird. Das sollte zumindest in Teilschritten realisiert werden", kommentiert Wrabetz die Gebührenbefreiung. Ähnlich der Wunsch des ORF-Chefs zum Anteil an der ORF-Gebühren, den Bund und Länder kassieren. Laut Wrabetz rund ein Drittel der monatlichen ORF-Gebühr bzw. in Summe 250 Millionen Euro pro Jahr. Hier soll es "in Schritten zu einer Änderung und zu Einnahmen für den ORF kommen".

Werbezeiten nicht ausweiten
Zurückhaltend zeigt sich der ORF-Boss zu den Werbezeiten im ORF: "Eine Ausweitung der Werbezeiten streben wir derzeit nicht an. Dafür gibt es nicht nur vom privaten Wettbewerb kein Verständnis, sondern auch von der Politik." Allerdings fallen die Werbeblöcke der TV-Sender angesichts der Wirtschaftslage derzeit ohnedies sehr kurz aus. Längere Werbepausen ließen sich nur schwer mit Spots der ORF-Kunden füllen.

ORF-Regionalradios zusammenschalten
Hingegen will Wrabetz andere Werbebeschränkungen, die derzeit im ORF-Gesetz verankert sind, lockern und zudem gleich die ORF-Regionalradios zusammenschalten. "Sehr wohl aber ist es nötig, gesetzliche Regelungen, die es uns schwer machen und für andere Vorteile bringen, zu ändern. So muss beispielweise bei den ORF-Ragionalradios die Möglichkeit sinnvoller, synergetischer Zusammenschaltungen geschaffen werden. Es ist ja nicht einzusehen, dass wir gezwungen sind, für jedes Bundesland einen eigenen Frühshoppen zu produzieren."

ORF-Boss sicher im Sattel
Sich selbst bzw. seine Funktion sieht Wrabetz derzeit nicht gefährdet: "Ich bin ziemlich schwer zu entfernen. Und nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Stiftungsrat oder durch ein Gesetz abwählbar", formuliert der ORF-Chef selbstbewusst. Nachsatz: "Diese Sicherheit ist aber auch nötig, um autark handlungsfähig zu sein."

Den erst kürzlich veröffentlichten Rechnungshofbericht erklärt Wrabetz zur "soliden Arbeitsgrundlage, die entsprechendes Agieren möglich macht".

Vier statt sechs ORF-Direktoren
Hinsichtlich personeller Veränderungen in der ORF-Führung betont Wrbatez einmal mehr, dass er das Direktorium ab 2012 verkleinern will: "Aus heutiger Sicht ist klar, dass es mit der neuen Geschäftsführungsperiode, also ab 2012, nicht mehr sechs, sondern nur noch vier Direktoren geben wird."

Zum künftigen ORF-Sitz meint Wrabetz, aus heutiger Sicht stünden 14 Standorte zur Wahl. Doch ein "neuer, zantraler ORF-Medienstandort im Bereich des Mediaquarter St. Marx wäre sicher sehr spannend".

Kleinerer Stiftungsrat nicht erforderlich
Im Gegensatz zum ORF-Direktorium hält Wrabetz eine Verkleinerung des ORF-Stiftungsrates, und damit des obersten Aufsichts-Gremiums des Unternehmens, nicht für unbedingt erforderlich. Wrabetz: "Ich meine nicht, dass das alleinige Heil des ORF in einer Verkleinerung des Stiftungsrates zu finden ist. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, dass in den Aufsichtsorganen des ORF die unterschiedlichen Interessen einer Gesellschaft in ihrer Pluralität abzubilden sind. Auch wenn diese Vielfalt meinen Job nicht zwangsläufig erleichtert."




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |